15 49.0138 8.38624 1 0 4000 1 https://www.lesenistluxus.de 300 true

Welt ohne Buchläden

Letzte Woche wollte ich für eine liebe Freundin eine Kleinigkeit nachträglich zu ihrer Hochzeit kaufen. Nachdem Avas Papa die Elternschicht übernommen und unsere Tochter ins Bett gebracht hatte, machte ich mich um kurz nach 20 Uhr auf den Weg in den Buchladen um die Ecke. Wie erhofft, waren kaum noch Kunden im Laden und ich konnte in aller Ruhe mit dem Stöbern beginnen. Als mich der Buchhändler nach kurzer Zeit fragte, ob er mir helfen könne, begannen wir ein nettes Gespräch, zunächst über Bücher und schließlich über unsere Kinder. Irgendwann bot er mir ein Bier an und so plauderten und tranken wir eine Weile und kamen von den Kindern wieder zu den Büchern. Nach einer Stunde ging ich mit einem Geschenk für meine Freundin und dem schönen Gefühl nach Hause, das man nach einem guten Gespräch mit netten Menschen hat.

Auch ohne diese nette Begegnung hätte ich mich stundenlang in der Buchhandlung aufhalten können. All die unbekannten Geschichten zwischen den bunten Buchdeckeln, verleiten mich immer dazu, mich in den Klappentexten zu verlieren. Ende vergangenen Jahres hatte sich der Deutsche Bundestag einstimmig – was ja sonst nie vorkommt – für den Erhalt der Buchpreisbindung ausgesprochen. Der Preis für ein neues Buch bleibt also weiterhin unverändert, egal ob im Buchladen oder online gekauft. Das gilt neben den gedruckten Exemplaren auch für E-Books. Als ich von dem Beschluss hörte, fiel mir ein Stein vom Herzen. Wenn die Preise die gleichen sind, kaufen die Menschen ihre Bücher hoffentlich weiter in Buchhandlungen. Denn in Ländern ohne eine Buchpreisbindung, kämpfen selbst große Buchhandelsketten inzwischen ums Überleben. Eine Welt ohne Buchläden ist eine, in der ich nicht leben will!

Leider geht die Zahl der Leser trotz Buchpreisbindung immer mehr zurück. In unserer knappen Freizeit, hat das Buch jede Menge starke Konkurrenz bekommen, erst das Radio, das Fernsehen und zuletzt das Internet scheinen den meisten Menschen mehr zu bieten als die Lektüre eines Buches. Und irgendwie tragen wir mit unserem Blog ja auch ein wenig dazu bei, das Internet mit jenen Inhalten zu füllen, welche die Menschen davon abhalten Bücher zu lesen. Auch wenn unsere Intention ist, über Bücher zu schreiben und so zum Lesen zu animieren und sich mit Gleichgesinnten auszutauschen – auch wenn das offenbar immer weniger werden.

Vielleicht wollte ich auch aus diesem Grund einen Buch- und keinen Modeblog. Ich fände es ohnehin doof, wenn Menschen in den gleichen Outfits rumlaufen würden wie ich. Das war schon in meiner Jugend auf Partys meine Horrorvorstellung. Im Gegensatz dazu poste ich gerne was ich lese in der Hoffnung, dass andere das Gleiche lesen. Aber Mode und Make-up bringen mehr Klicks und mehr Geld und so gibt es im Internet eben mehr Schminktipps als Lesetipps. Trotzdem auch ich großen Wert auf mein Äußeres, samt Kosmetik und schöner Kleidung lege, würde ich mein letztes Geld immer für ein Buch ausgeben, wenn man mich vor die Wahl stellen würde. Nicht zuletzt wegen so netter Begegnungen bei einem kühlen Bier in der Buchhandlung des Vertrauens.

Share:

0 Comment

    LEAVE A REPLY