15 49.0138 8.38624 1 0 4000 1 https://www.lesenistluxus.de 300 true

Rezension Winter meines Herzens von Emylia Hall

 

Titel: Winter meines Herzens

Autorin: Emylia Hall

Verlag: btb

ISBN: 9783442714841

Seiten: 416

Erscheinungsdatum: 12. November 2018

Preis: 10,00€


Kurzbeschreibung Winter meines Herzens von Emylia Hall

Hadley geht für ein Auslandssemester nach Lausanne in die Schweiz. Zum ersten Mal von Zuhause weg, genießt sie ihr Leben und lernt schnell ihre neue beste Freundin Kristina kennen. Gemeinsam erkunden sie die Stadt und das Nachtleben. Doch Kristina hat auch Geheimnisse, die sie Hadley nur in Teilen anvertraut, wie ihren Geliebten, Jacques. Als eines Nachts Kristina bei einem Unfall stirbt, bricht für Hadley eine Welt zusammen und sie setzt alles daran, wenigstens Jacques zu finden, um ihm von Kristinas Tod zu erzählen. Dabei findet sie Unterstützung durch ihren Dozenten, Joel, und einen gealterten ehemaligen Autor, Hugo, der ihr weise Ratschläge gibt.


Rezension Winter meines Herzens von Emylia Hall

Als ich “Winter meines Herzens” aufschlug, war ich sehr gespannt. Der Klappentext verriet nicht allzu viel, ich wusste nicht, ob dieses Buch ein Krimi oder ein Drama oder eine Liebesgeschichte ist, und genau das hat mich, neben den schönen Farben des Covers, gereizt.
Beim Lesen wusste ich immer noch nicht (um ehrlich zu sein bis kurz vor Ende) in welches Gerne das Buch jetzt gehört, würde es aber doch eher in die Kategorie Drama stecken.

Worum geht es?

Die Studentin Hadley entschließt sich, mehr aus einer Laune heraus, ihre Heimat in England zu verlassen und für ein Auslandssemester in die Schweiz zu gehen. Sie kommt sich dabei sehr verwegen vor, legt sich extra eine neue Frisur zu und ist, zum ersten Mal ganz auf sich gestellt, bereit für einen neuen Lebensabschnitt. In ihrem Studentenwohnheim in Lausanne lernt sie verschiedene Austauschstudenten kennen, allen voran die stürmische und lebendige Kristina, die im Zimmer neben ihr wohnt. Schnell freunden die Beiden sich an und sind bald unzertrennlich. Obwohl sie unterschiedliche Fächer studieren und sich somit in der Uni nicht oft sehen, verbringen sie die Abende und Nächte zusammen, gehen feiern und die Stadt erkunden. Bei einer dieser nächtlichen Touren lernt Hadley Hugo kennen. Kristina und sie haben sich in eine sehr teure Hotelbar gewagt und während Kristina von jungen Männern umschwirrt wird, die ihr Drinks ausgeben, fühlt sich Hadley damit nicht wohl und gesellt sich zu dem älteren Hugo, der an seinem Cognac nippt. Immer wieder trifft Hadley ihn hier und dort in der Stadt und eine etwas ungewöhnliche Freundschaft entwickelt sich.

Das große Geheimnis…

Aber Kristina hat vor ihrer neuen besten Freundin auch ein großes Geheimnis. Immer wieder verschwindet sie stunden- oder tagelang. Als sie sich Hadley schließlich öffnet, berichtet sie ihr von ihrem Geliebten, Jacques. Ihn hat sie Monate zuvor an der Riviera kennen gelernt. Er ist ein verheirateter Mann, der zwar angeblich von seiner Frau getrennt ist, aber sich weder scheiden lassen noch sie zu Kristina bekennen will. Die Beziehung beflügelt Kristina, bedrückt sie aber auch zunehmend. Und auch Hadley, die sich eigentlich gerne für ihre Freundin freuen würde, findet es nervig, dass Kristina ständig zu ihm nach Genf verschwindet.

… und ein tragischer Ausgang

Als am Abend von Hadleys Geburtstag wieder so ein Moment ist, Kristina nicht auftaucht, wird Hadley wütend. Kristina ruft sie an und Hadley sagt ihr deutlich die Meinung und legt auf. Am nächsten Morgen steht die Polizei im Wohnheim und berichtet, dass Kristina von einem Auto angefahren wurde und gestorben ist, nicht weit von dort, wo Hadley mit den anderen Freunden gefeiert hat.
Hadley stürzt in ein tiefes Loch, überlegt, nach Hause zu fahren, beschließt dann aber, nach Jacques zu suchen, der ja noch von nichts weiß. Aber wie findet man einen Mann in einer Großstadt wie Genf, wenn man nur den Vornamen weiß?
Hier ist Joel eine große Hilfe. Er ist Hadleys Dozent, gut 20 Jahre älter als sie, aber ein gut aussehender Amerikaner, für den Hadley schon länger etwas schwärmt. Über die gemeinsame Suche kommen die Beiden sich näher und näher… Und auch Hugo hilft, sowohl mit klugen (nicht immer von Hadley erwünschten) Ratschlägen, als auch tatkräftig bei der Befragung der Anwohner am Unfallort.
Doch was am Ende ans Licht kommt, hätte Hadley ganz sicher nicht erwartet…

Meine Meinung

Hadley

Hadley ist eine eigentlich sympathische aber etwas langweilige Person. Zuhause in England hat sie bei ihren Eltern und ihrem jüngeren Bruder gelebt, ist nicht in eine fremde Stadt gezogen um zu studieren, damit sie Zuhause bleiben kann. Trotzdem scheint sie ihre Familie dann, außer in den ganz schlimmen Momenten, kaum zu vermissen, sie werden nur selten erwähnt, was ich ein wenig merkwürdig fand. Hadley scheint Vieles, was in ihrem Leben passiert, einfach hinzunehmen, und obwohl Emylia Hall versucht, uns davon zu überzeugen, dass Hadley und Kristina Spaß haben und um die Häuser ziehen, kam die Stimmung bei mir nicht an. Wenn ich mich an meine Studentenzeiten erinnere, war das Leben voll von überschwänglichen Emotionen, positiven wie negativen, aber ganz sicher kein langweiliges Dahinfließen. Das fand ich hier ein wenig schade. Es gibt einzelne Momente, die Emylia Hall schön beschreibt und die auch die innige Freundschaft der jungen Frauen verdeutlicht, aber auch hier fand ich die Beiden zu distanziert, zu erwachsen.
Kristinas Geheimnis interessiert Hadley zwar, aber sie ist immer höflich genug, um nicht nachzufragen. Sie selbst erzählt Kristina auch nichts von ihrer Schwärmerei für Joel. Aber ist es nicht genau das, was junge Frauen tun? Plappern und sich ihre Geheimnisse anvertrauen?
Hadleys Trauer nach Kristinas Tod ist überwältigend und gibt dem ganzen Buch eine sehr düstere Ausstrahlung. Aber auch hier konnte ich irgendwie nicht richtig mit ihr mitfühlen.Ihr Aktionismus um Jacques zu finden, entspricht da schon eher meinem Naturell.

Hugo

Dann ist da Hugo, der alte, Cognac trinkende Mann, der Hadley in der richtigen Minute ein Stofftaschentuch anbietet und ihr schlaue Ratschläge gibt. Ehrlich? Ich fand ihn seltsam und gruselig. Und nein, ich denke nicht, dass diese Freundschaft irgendwie normal ist. Ich als junge Frau hätte mich ständig gefragt, was er eigentlich will. Hadley aber trinkt mit ihm Cognac und hört zu. Manche Wahrheiten will sie nicht hören, als Hugo ihr beispielsweise eine Affäre mit Joel unterstellt, die es zu diesem Zeitpunkt so noch nicht gibt. Für mich war nicht klar, wo Hugo das angeblich aus seinen Dialogen mit Hadley rausgehört haben will… vielleicht hat er hellseherische Fähigkeiten? Hadley bockt daraufhin wie ein kleines Kind, was gar nicht zu ihrer sonst so erwachsenen Art passt.

Joel

Dann diese Geschichte mit Joel. Ja, er scheint extrem gut auszusehen und am Anfang wirkt er auch noch irgendwie charismatisch. Dann irgendwann nur noch wie ein zerrissener und etwas depressiver Mann mittleren Alters. Ich kann um ehrlich zu sein nicht verstehen, was Hadley an ihm, an dieser Beziehung oder Affäre findet. Aber auf irgendeine Art scheint er ihr zu helfen und das ist ja das Wichtigste.

die Stimmung

Das ganze Buch ist voller Tristesse. Der Schreibstil ist gehoben, aber mir an manchen Stellen, besonders in den Dialogen zu übertrieben… so spricht kein Mensch. Die Geschichte ist voller unausgesprochener Dinge, so dass ich an manchen Stellen Hadley gerne geschüttelt hätte, um ihr zu sagen, dass sie doch einfach mal den Mund aufmachen soll, statt immer nur höflich und zurückhaltend zu schweigen. Es geht viel um Literatur – Hadley studiert Literatur – genauer gesagt um Hemingway. Ich bin ganz ehrlich: ich liebe Lesen, aber ich lese sehr selten Klassiker. Dementsprechend kann ich mich auch nur mäßig für solch einen Literaturbezug begeistern.

…und schließlich:

Jetzt klingt das leider alles sehr negativ, was ich gar nicht so beabsichtigt hatte. Ich habe das Buch eigentlich gerne gelesen, die Story hat mir gut gefallen. Die Beschreibungen von Lausanne waren toll, man bekam ein gutes Gefühl für die Stadt. Ich denke nur einfach, man hätte die Personen lebendiger machen, die Schwerpunkte etwas anders setzen und dadurch dem Buch etwas mehr Tempo geben können. Vielleicht ist diese Stimmung so von der Autorin gewollt, dann hat sie es gut hingekriegt. Mich jedoch hat das ganze Buch deprimiert und es passte einfach überhaupt nicht zu meiner normalen Stimmung. Insofern war ich jetzt ganz froh, dass ich es fertig gelesen hatte. Und das Ende hat mich tatsächlich nochmal richtig überrascht!


Vielen Dank an das Bloggerportal von Random House, über das ich dieses Buch freundlicherweise von BTB kostenlos zur Verfügung gestellt bekam. Für das Verfassen der Rezension wurde ich nicht bezahlt.

Share:
Category:Drama

0 Comment

    LEAVE A REPLY