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Und dennoch ist es Liebe von Jodi Picoult

Rezension Und dennoch ist es Liebe von Jodi Picoult

Titel: Und dennoch ist es Liebe

Autor: Jodi Picoult

Verlag: Bastei Lübbe

ISBN:  9783404164202

Seiten:  624

Erscheinungsdatum: 11. Januar 2013

Preis: 8,99 € (eBook)


Kurzbeschreibung Und dennoch ist es Liebe von Jodi Picoult

Noch vor dem ersten richtigen Date macht Nicholas Paige einen Heiratsantrag. Und sie sagt: Ja! Völlig unvorbereitet stolpern die beiden jungen Menschen in eine Ehe, die jeglicher Vernunft entbehrt: Nicholas, der aufstrebende junge Arzt, der unbedingt Herzchirurg werden möchte, aus reichem Elternhaus stammt, und noch nie ernsthafte Probleme in seinem Leben hatte. Und Paige, die mit 18 Jahren direkt nach dem High-School-Abschluss von Zuhause weggelaufen ist, in einem billigen Lokal kellnert und bei ihrer Kollegin untergekommen ist; die mit nur 5 Jahren von der Mutter verlassen wurde und mit dem leicht seltsamen, aber liebevollen Vater alleine aufgewachsen ist und jetzt alles hinter sich gelassen hat.

Wie kann diese Ehe funktionieren? Irgendwie tut sie es… 8 Jahre lang. Bis Paige Mutter eines kleinen Sohnes wird und 3 Monate nach dessen Geburt flieht, Mann und Kind alleine lässt. Kann sie finden, wonach sie sucht? Und wird sie das zurück zu sich selbst führen?


Rezension Und dennoch ist es Liebe von Jodi Picoult

Was genau mich geritten hat, in der Schwangerschaft ein Buch mit solch einem Thema zu lesen, weiß ich nicht wirklich. Vermutlich einfach der Name der Autorin, denn Bücher von Jodi Picoult lese ich meistens sehr gerne. Ich habe also gar nicht so genau auf den Klappentext geachtet und vielleicht war das auch gut so.

In “Und dennoch ist es Liebe” geht es tatsächlich sehr viel um Liebe. Um die Liebe zwischen Eltern und Kindern, um die Liebe zwischen Ehepartnern, um die Liebe zu sich selbst. Es geht um die Liebe, die man verspürt und um die Liebe, die einem fehlt. Um die Liebe, die man geben kann und diejenige, die man erfährt. Um die Liebe, die offensichtlich ist und um die, die man nur sieht, wenn man lange in sich selbst hinein hört. 

In wechselnden Perspektiven – mal aus Nicholas’ Sicht, mal aus Paiges Sicht sowie in zeitlichen Sprüngen liest man die Geschichte, die Jodi Picoult hier schreibt. Nach und nach erfährt man die Beweggründe der einzelnen Personen, deren Geschichten, und ist immer wieder versucht, den einen oder anderen zu verurteilen… bis man auch dessen Sicht irgendwie wieder versteht. 

Aber wovon genau handelt dieses Buch? Es geht um die Geschichte von Paige. Obwohl auch Nicholas oft zu Wort kommt, ist es eigentlich ihre Geschichte, die hier erzählt wird: von ihrer Kindheit mit der exzentrischen Mutter, von deren Fortgehen und der Zeit danach, als Paige mit ihrem Vater, einem “Erfinder”, der leider nie Geld mit seinen Erfindungen verdient, alleine ist. Von ihrer ersten großen Liebe, der sie hinterher rennt wie ein kleines Hündchen, bis er sie erhört. Von dem Drama, dass diese Liebe zerstört und schließlich zur Folge hat, dass Paige am Tag nach dem Schulabschluss ihre Heimat Chicago hinter sich lässt und nach Cambridge zieht. Von ihrem Zeichentalent, das ihr zu einem schlecht bezahlten Job als Kellnerin verhilft, die neben dem Bedienen der Gäste auch noch Portätzeichnungen von diesen anfertigt. Von Nicholas, der einer dieser Gäste ist; der sie lange überhaupt nicht wahrnimmt, nur um sie dann mit einem Heiratsantrag zu überraschen. Vom Beginn der Beziehung, von den Problemen mit Nicholas’ Eltern, die natürlich nicht begeistert von den überstürzten Hochzeitsplänen des Sohns sind. Von Paiges Bemühungen, Nicholas’ Studium zu finanzieren und das junge Paar mit Aushilfsjobs über Wasser zu halten. Von ihrem Traum, an die Kunsthochschule zu gehen und dort zu studieren, einem Traum, der nie in Erfüllung gehen konnte, weil kein Geld da war. Von Nicholas’ Karriere und Paiges Selbstaufgabe. Von der ungeplanten Schwangerschaft und den Zweifeln, die Paige immer wieder plagen. Von der anstrengenden Wochenbettzeit und Paiges zunehmender Verzweiflung. Bis hin zu dem großen Cut, den sie macht. Nicht geplant, sondern ganz spontan, verlässt sie Nicholas und den kleinen Max, erstmal ohne Ziel. Doch dann wird ihr klar, dass sie nur zu sich selbst finden kann, wenn sie auch ihre Mutter findet und sie begibt sich auf die Suche.

Ich muss gestehen, das Buch zieht sich etwas. Wie ihr vielleicht an meiner Aufzählung gemerkt habt, ist es eine sehr lange Geschichte. Natürlich wird nicht alles im Detail erzählt, sondern immer nur Ausschnitte aus den jeweiligen Szenen präsentiert, diese jedoch sehr umfangreich und detailliert. Mir persönlich war es an manchen Stellen etwas zu umfangreich, aber das ist sicherlich Geschmackssache. 

In diesem Buch werden viele verschiedenen Themen angeschnitten und ich bin mir nicht sicher, ob man diese wirklich alle auf den frühen Verlust der Mutter in Paiges Leben zurückführen kann. Paige hat viele Talente, neben ihrem außergewöhnlichen Zeichentalent auch das, sich ganz alleine über Wasser zu halten; und trotzdem lechzt sie nach der Zuwendung von Nicholas. Es sollte natürlich in einer Beziehung selbstverständlich sein, dass man den anderen unterstützt und es mag immer wieder Phasen geben, in denen der eine Partner etwas kürzer kommt, als der andere, aber diese Form der Selbstaufgabe, wie Paige sie betreibt ist mir selbst glücklicherweise sehr fremd. Es ist das klassische Element eines Buchs oder eines Films: das arme Mädchen, das vollkommen überwältigt, aber auch eingeschüchtert ist von der Welt des Mannes, von Reichtum und den “gehobenen Kreisen”. Ob es das in der Realität so gibt? Wie oft habe ich mir gewünscht, Paige anschubsen, ja sogar anmotzen zu dürfen und ihr zu sagen, sie soll sich nicht selbst so klein machen. Dabei meint Nicholas das vermutlich noch nicht mal böse, im Gegenteil, er möchte Paige mit dem ganzen Luxus verwöhnen. Für ihn ist es ja das ganz normale Leben.

Aber klar, besonders viel Rücksicht nimmt er nicht. Wegen Paige bricht er mit seinen Eltern und ist auf Paiges Einkommen angewiesen um seine Karriere weiter verfolgen zu können. Sie ist es, die alles zusammenhält. Nicht einmal denkt er daran, dass sie auch Pläne haben könnte, dass sie mehr als nur “die Ehefrau” sein will. Und Paige sagt nichts.

Als das Ganze schließlich 3 Monate nach der Geburt des kleinen Max eskaliert, sucht er wieder die Schuld bei ihr. Wer selbst schon ein Kind geboren hat, weiß vielleicht, wie sehr man sich in den Wochen um die Geburt herum im Ausnahmezustand befinden kann; dass man kaum Zeit zum duschen, essen oder schlafen hat, dass die Hormone alles durcheinander wirbeln und das eigene Leben irgendwie komplett Kopf steht. Paige ist alleine in diesem Moment, das ständige Weinen von Max lässt sie glauben, sie sei eine schlechte Mutter, sie sei dessen nicht würdig und Max wäre ohne sie besser dran. 

Das sind natürlich sehr extreme Gedanken, aber wohl nicht so außergewöhnlich wie man denken mag, auch wenn die wenigsten Frauen darüber reden. Paige klammert sich an den Gedanken, dass alles anders werden kann, wenn sie nur ihre eigene Mutter findet und das Loch in ihrer Seele heilen kann. Ob es wirklich so einfach ist? Und ob es danach ein Zurück gibt?


Kaufen könnt ihr das Buch hier. (allerdings leider nur noch als eBook)

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