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Rezension Umweltliebe von Jennifer Sieglar

Titel: Umweltliebe: Wie wir mit wenig Aufwand viel für unseren Planeten tun können

Autorin: Jennifer Sieglar

Verlag: Piper Paperback

ISBN:978-3492061469

Seiten: 272

Erscheinungsdatum: 19. März 2019

Preis:16,00 €

Kurzbeschreibung Umweltliebe von Jennifer Sieglar

Umweltschutz ist ein wichtiges Thema – und vor allem eines, das in den letzten Jahren immer mehr in den Fokus der Gesellschaft gerät. Doch was genau bedeutet Umweltschutz? Jeder kennt den Begriff, aber kaum jemand weiß, was wirklich dahinter steckt, wo jeder von uns selbst etwas für den Umweltschutz tun kann. Und genau hier setzt das Buch von Jennifer Sieglar an, die uns in insgesamt 12 Kapiteln aufzeigt, in welchen Bereichen wir unser Verhalten ändern können, um unsere Umwelt nachhaltig zu schützen. In einer lockeren und sehr angenehmen Schreibweise nimmt die Autorin uns mit in ihr Jahr des Umweltschutzes und liefert wertvolle Tipps zur Eigeninitiative.


Rezension Umweltliebe von Jennifer Sieglar

Jennifer Sieglar ist Moderatorin bei der Hessenschau und bei der ZDF Kinder-Nachrichtensendung logo!. Sie hat es sich zum Ziel gesetzt, ein ganzes Jahr lang in verschiedenen Bereichen möglichst umweltfreundlich und nachhaltig zu leben. Dafür hat sie sich jeden Monat ein bestimmtes Thema vorgenommen und es sich selbst als Challenge gesetzt, im entsprechenden Monat möglichst viel zu dem Thema zu recherchieren und dann auch entsprechend umzusetzen. Die Themen sind: Plastik, Fortbewegung, Mikroplastik, Kleidung, Palmöl, Essen, Reise, Holz und Papier, Garten und Balkon, Wohnen, Weniger ist mehr sowie Weihnachten.

Das Problem

In jedem dieser Kapitel beschreibt sie zuerst das Problem dahinter, liefert Zahlen und Fakten, erklärt Zusammenhänge. Und genau hier ist für mich eines der großen Mankos des Buchs: es gibt kaum Quellen. Zwar wird immer mal wieder erwähnt, wer welche Studien gemacht hat, aber ich fände das alles deutlich besser, wenn man direkt am Ende jedes Kapitels Quellen und Links finden könnte. Vielleicht denke ich da zu wissenschaftlich – ich arbeite schließlich an einer Uni und hier geht gar nichts ohne Quellen – aber das würde für mich den großen Unterschied zu den Texten gewisser Organisationen und Personen machen (die wohl allerdings eher die entgegengesetzte Meinung zum Thema Umweltschutz hätten). Nicht, dass ihr mich falsch versteht: ich bin mir sehr sicher, dass Jennifer Sieglar gut recherchiert hat und glaubwürdige wissenschaftliche Quellen nutzt, aber man kann es eben nicht auf den ersten Blick erkennen oder die Links zum Ansatz nehmen, sich selbst weiter zu informieren. Und das finde ich ein wenig schade.

Die Lösung

Aber weiter in den Kapiteln: nach der Darstellung der Situation zum jeweiligen Thema stellt Jennifer Sieglar ihre Lösung für das Problem dar. Sie beschreibt sehr anschaulich, in welchen Bereichen ihres Lebens das Thema sie betrifft, zeigt auf, wo man die Probleme vielleicht selbst gar nicht vermutet und macht auf Missstände aufmerksam. Sie versucht natürlich auch, eine möglichst gute Lösung zu finden, gibt Anleitungen und Tipps. Das Ganze beschreibt sie auf eine humorvolle, aber trotzdem sachliche Art und Weise, die es einem sehr leicht macht, die Texte zu lesen und trotzdem etwas zu lernen. Ich mag den Schreibstil sehr gerne und habe nach dem Lesen dieses Buchs tatsächlich das Gefühl, Jennifer Sieglar ganz gut zu kennen, so lebendig beschreibt sie ihren Alltag.

Fazit, Politik und Tipps

Es folgt in jedem Kapitel noch ein kurzes Fazit und dann zwei sehr spannende Unterkapitel: “Das könnte die Politik tun” und “Meine Tipps”. Die Hinweise an die Politik finde ich super. Sie machen aber auch schnell klar, dass die Politik – meiner Meinung nach – noch viel zu wenig tut; oft vermutlich, weil die Wirtschaft nicht mitzieht und die Politik diese auch nicht verprellen will. Die Tipps, die die Autorin liefert, sind nochmal eine knackige Zusammenfassung aus dem vorangegangenen Kapitel und liefern gute Anreize, sie selbst umzusetzen.

Veränderung!

Ich kann tatsächlich guten Gewissens sagen, dass dieses Buch mein Leben verändern wird. Das klingt jetzt dramatisch, aber es ist wirklich so. Natürlich wusste ich schon Einiges über Umweltschutz und es ist ein Thema, dass wir immer mal wieder auch Zuhause angesprochen haben, aber in diesen Details war mit Vieles nicht bewusst. Gerade das Thema Mikroplastik und in welchen Produkten dieses enthalten ist, hat mich sehr geschockt und mich dazu bewegt, erstmal meinen halben Badinhalt auszusortieren. Ich schaffe es gerade nicht, durch den Supermarkt zu gehen und einfach normal einzukaufen, weil ich ständig an die Probleme denken muss, die im Buch beschrieben sind und an die Tipps, die Jennifer Sieglar gibt. Genau das ist es natürlich, was das Buch bezwecken soll, aber es macht das Leben auch ein wenig kompliziert – zumindest bis man sich mal mit allen Themen beschäftigt und herausgefunden hat, wie man künftig leben will und kann.

Was können wir tun? Und was nicht?

Natürlich sind die Challenges sehr extrem. Niemandem wird es gelingen, für immer komplett auf Plastik zu verzichten und auch die Autorin selbst schreibt, dass sie natürlich im entsprechenden Monat die extreme Variante ausprobiert, um dann möglichst viel davon weiter umzusetzen. Ich denke, viele Tipps kann man wirklich leicht umsetzen und mit Hilfe verschiedener Apps, die im Buch genannt werden, kann man beispielsweise Produkte auf ihre Umweltverträglichkeit scannen. Das hilft schon sehr.

Aber – und hier kommt ein, denke ich, wichtiger Punkt – Jennifer Sieglar schreibt auch selbst, dass sie zu den eher überdurchschnittlichen Verdienern gehört. Und Umweltschutz ist in manchen Bereichen leider echt teuer. Es ist schön und gut, wenn die Autorin bei der Fortbewegungschallenge ein Elektroauto kauft. Aber das ist nicht unbedingt ein profaner Umweltschutztipp, den jeder umsetzen kann. Trotzdem fand ich es interessant, darüber zu lesen. Auch das Thema Öffentlicher Nahverkehr ist natürlich ein Wichtiges, aber oft auch ein Schwieriges: ich würde auch gerne mit der Bahn zur Arbeit fahren, bräuchte dafür allerdings fast anderthalb Stunden, statt einer halben mit dem Auto, und vor allem könnte ich meine Tochter nicht rechtzeitig von der Kita abholen. Mal ganz davon zu schweigen, dass es mich auch ein Vielfaches an Geld kosten würde. Oder beim Thema Einkaufen: ich habe direkt mal einen ihrer Tipps umgesetzt und uns eine Biokiste liefern lassen. Nur regionale Produkte, alle Bio, in einer wiederverwendbaren Kiste geliefert. Es schmeckt auch wirklich lecker und ich bin mir sicher, dass wir da noch öfter bestellen werden. Aber es kostet auch gut doppelt so viel wie im Supermarkt. Und das kann sich einfach nicht jeder und immer leisten. Leider. Das scheint Umweltschutz zu einem Privileg zu machen, dass sich nur Besserverdiener leisten können.

Ein weiteres Problem sehe ich darin, dass es oft keine perfekte Lösung gibt. Am Beispiel Kleidung: Klar, Plastik ist nicht gut. Aber Baumwolle wegen der Anbaubedingungen eigentlich auch nicht. Tierische Produkte wegen Tierschutz auch oft nicht. Was also tun? Für mich klingt es leider in vielen Fällen so, als ob man dabei nur das geringere Übel wählen könnte, statt eine richtig gute Lösung zu finden. In diesem Fall wäre es vermutlich gut, nur bei Marken zu kaufen, die nachweisen können, dass sie den Tier- und Umweltschutz berücksichtigen und auch noch auf die Arbeitsbedingungen der Menschen achten. Ganz schön verzwickt.

Und was nehme ich selbst mit?

Es gibt aber natürlich auch viele tolle Tipps, die man selbst ohne großen Aufwand umsetzen kann. Was ich mir künftig wirklich zu Herzen nehmen möchte bzw. teilweise schon tue:

  • Leitungswasser trinken und meine eigenen Flaschen auffüllen, um sie unterwegs oder bei der Arbeit dabei zu haben.
  • Stoffbeutel mit zum Einkaufen nehmen.
  • Möglichst viel in Glasflaschen und -bechern kaufen, statt in Plastik.
  • Müll richtig trennen (obwohl hier bei uns komischerweise Papier, Pappe und Plastik alles in einer Tonne gesammelt wird).
  • “2 Minute Beach Clean” machen: das habe ich bisher noch nicht, finde es aber eine tolle Idee: an jedem Strand, an den man kommt, sammelt man erstmal für zwei Minuten Müll ein. Wenn das jeder macht, wird die Welt ein Stück sauberer.
  • Plastikverpackungen vermeiden (obwohl das wirklich schwierig ist).
  • Kaputte Kleidung reparieren (oder upcyclen, das mache ich gerade sehr viel, man kann ganz tolle Kinderkleidung aus alter Erwachsenenkleidung nähen!).
  • Secondhandkleidung kaufen (auch hier, besonders für Kinder toll).
  • Weniger Produkte mit Palmöl konsumieren.
  • Kaum Fertigprodukte kaufen, mit frischen Zutaten kochen, saisonale und regionale Lebensmittel bevorzugen, sparsamer einkaufen (ich erschrecke jedes Mal wieder, wenn ich verdorbene Lebensmittel im Kühlschrank finde, die wir einfach vergessen hatten).
  • Obst, Gemüse und Kräuter selbst anbauen (großer Plan von mir, jetzt wo wir zwei Balkone haben, mal sehen, ob ich das hinkriege).

Ich glaube, da kommt noch ganz viel. Also wirklich ein bewegendes Buch, das mich – hoffentlich – nachhaltig in meinen Verhaltens- und Konsummustern verändern wird. Aber ich bin auch ehrlich. Es wird sicherlich immer mal wieder Ausreißer geben und nicht alles lässt sich für mich wirklich umsetzen. Ich denke, das Bewusstsein für die Problematik ist wichtig und wird in diesem Buch toll kommuniziert. Wenn jeder von uns ein bisschen was in Sachen Umweltschutz tut, so, wie man eben kann, dann wird sich Einiges ändern. Aber ohne entsprechende Unterstützung und Regeln durch die Politik wird das nicht ausreichen.

Danke an Jennifer Sieglar für dieses beeindruckende Buch zum Thema Umweltschutz!

Wenn ihr noch weitere tolle Ideen sucht, könnt ihr auch mal in Sophies Rezension zur Zero Waste Küche schauen!

 

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Category:Ratgeber

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