15 49.0138 8.38624 1 0 4000 1 https://www.lesenistluxus.de 300 true

Rezension Über den wilden Fluss von Philip Pullman

Infos zu Über den wilden Fluss

Titel: Über den wilden Fluss

Autor: Philip Pullman

Verlag: Carlsen

ISBN: 9783551583932

Seiten: 560

Erscheinungsdatum: 17. November 2017

Preis: 24,00 €


Kurzbeschreibung Über den wilden Fluss

Mit dem Fantasyroman Über den wilden Fluss, hat Autor Philip Pullman den Auftakt zu einer weiteren Trilogie geschaffen. Ähnlich wie bei den Star Wars Filmen ist dieses Buch eine nachgereichte Vorgeschichte und zwar die der Bücher Der goldene Kompass, Das magische Messer und Das Bernstein Teleskop, im englischen Original heißt die Reihe His Dark Materials. Alle drei Bücher habe ich damals, um das Jahr 2000 herum, geradezu verschlungen.

Auch im neuen Roman, finde ich mich als Leser in einem fiktiven England mit viktorianischem Charakter wieder. Der Junge Malcolm Polstead lebt ein behütetes Leben in der Gaststätte seiner Eltern, die am Fuße eines Klosters nahe Oxford liegt. Dieses Leben wird durch mehrere merkwürdige Ereignisse durcheinander gebracht. Er findet eine geheime Botschaft, dessen Überbringer unter mysteriösen Umständen ums Leben kommt und erfährt so von der Existenz eines Geheimdienstes. Zur gleichen Zeit stiftet eine obskure kirchliche Organisation, Malcolm und seine Mitschüler an, jedes Verhalten zu melden, das wider die kirchlichen Regeln ist. Zu guter Letzt nehmen die Nonnen im Kloster nebenan ein Baby in ihre Obhut, von dem Malcolm von der ersten Minute an fasziniert ist. Bei diesem Baby handelt es sich um keine Geringere, als Lyra Belacqua, die unerschrockene Heldin der drei vorangegangenen Romane. Doch Baby Lyra ist in großer Gefahr und als dann auch noch eine Flut mit biblischen Ausmaßen über England hereinbricht, liegt ihr Leben plötzlich in den Händen von Malcolm, seiner Gefährtin Alice und deren Dæmonen Asta und Ben.


Rezension Über den wilden Fluss

Als ich die ersten drei Bücher über Lyra, ihren Dæmon Pantalaimon und deren Abenteuer gelesen habe, war ich noch ein Teenager, nun achtzehn Jahre später, lese ich den nächsten Teil und werde wieder genauso von Pullmans Erzählung mitgerissen, wie damals. Der Zauber ist also mit den Jahren keinesfalls verflogen. Pullman schafft es mit seinen Erzählungen, sowohl Kinder, als auch Erwachsene anzusprechen. Einige Stellen sind zwar recht grausam, doch nie so, dass es Jugendlichen Alpträume Alpträume bescheren würde. Auch die, für Erwachsene doch recht deutliche Kritik an der Kirche, ist für jüngere Leser nicht so hervorstechend – zumindest habe ich das damals nicht so wahrgenommen.

Ein bisschen ärgere ich mich, dass ich das Buch im Sommer gelesen habe, passt die Geschichte doch viel besser in die dunkle, kalte Jahreszeit, wenn man es sich mit einer Decke auf dem Sofa gemütlich macht. An Dunkelheit spart Pullman in seiner Erzählung nicht, so müssen die beiden Freunde Lyra in der Nacht aus dem halb eingestürzten Kloster retten und vor dem irren Gerard Bonneville und seinem brutalen Dæmon, einer dreibeinigen Hyäne, in Sicherheit bringen. Wobei von Sicherheit nicht die Rede sein kann, in der reißenden Strömung, die durch die Überschwemmung entstanden ist und die Malcolms Boot “La Belle Sauvage” mitsamt ihren Insassen flussabwärts in Richtung London trägt. Auf ihrer Reise begegnen die Kinder allerlei merkwürdiger Gestalten und nicht alle davon sind ihnen wohlgesonnen. Auch Bonneville mitsamt seiner Hyäne, sowie Vertreter des GD, das so genannte “Geistliche Disziplinargericht”, sind ihnen immer wieder dicht auf den Fersen. Zum Glück gibt es in dieser Geschichte aber auch die gute Seite, allen voran Lord Asriel, Lyras Vater, zu dessen Londoner Wohnsitz Malcolm das Baby bringen will, damit es in Sicherheit ist.

Die spannende Geschichte, Pullmans Erzählkunst und nicht zuletzt seine zahlreichen Anlehnungen an Homer und weitere Klassiker der Weltliteratur, sorgen für ein Lesevergnügen von der ersten bis zur letzten Seite. Schon damals war ich ein großer Fan von der Figur der Lyra Belacqua, einem intelligenten Mädchen mit großem Freiheitsdrang, dem so schnell niemand etwas vormacht, ähnlich Lindgrens Charakteren Ronja Räubertochter oder Pippi Langstrumpf. Auch in diesem Buch gefallen mir die beiden Protagonisten, zum einen der praktisch veranlagte, kluge Malcolm, der den Menschen hilft, wo er nur kann und zum anderen die energische Alice, hinter deren harter Schale sich ein weicher Kern verbirgt. Ich freue mich bereits auf den nächsten Teil der Geschichte in Pullmans grandiosem Fantasy Epos und wenn es im Sommer erscheinen sollte, werde ich mit dem Lesen warten, bis es draußen kalt und ungemütlich ist.

Share:
Category:Fantasy, Young Adult

0 Comment

    LEAVE A REPLY