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Rezension Too Late von Colleen Hoover

Titel: Too Late

Autorin: Colleen Hoover

Verlag: dtv Bold

ISBN: 9783423790444

Seiten: 464

Erscheinungsdatum: 22. März 2019

Preis: 14,90€ 

Kurzbeschreibung Too Late von Colleen Hoover

Sloans Leben ist nicht ganz das einer durchschnittlichen Studentin. Sie lebt mit dem Drogendealer Asa zusammen, erträgt es, dass er sie mies behandelt und immer wieder zu Dingen zwingt, die sie nicht will. Erträgt es, dass das Haus voll mit Drogen und windigen Gestalten ist, dass sie keine Nacht genug Schlaf bekommt, weil so viel gefeiert wird. Der Undercoverpolizist Carter, der Beweise gegen Asa sammeln soll, versteht nicht, warum sie das tut. Aber er weiß, dass er seit dem ersten Moment, als er sie gesehen hat, in sie verliebt ist und sie da raus holen will. Aber wie soll er das schaffen, ohne von Asa umgebracht zu werden? Und was ist mit seinem Auftrag als Polizist?


Rezension Too Late von Colleen Hoover

Wichtig: Wer andere Bücher von Colleen Hoover kennt, wird über dieses hier vermutlich überrascht sein. Es ist brutal und düster, sowohl Gewalt- als auch Sexszenen werden sehr explizit beschrieben und sind sicher nichts für diejenigen unter den LeserInnen, die sich eine romantische Liebesgeschichte vorgestellt haben. Dabei ist es eigentlich genau das: eine unheimlich romantische Liebesgeschichte – nur eben unter sehr widrigen Umständen. Aber von Anfang an:

Sloan

Sloan, aus deren Sicht gut die Hälfte der Kapitel in Ich-Form geschrieben sind, ist eine junge Frau, Studentin, und in einer Beziehung mit Asa. Aber Asa ist kein Mann wie jeder andere. Obwohl er offiziell auch Student ist, sieht man ihn am College nur sehr selten, weil er damit beschäftigt ist, mit Drogenhandel im großen Stil viel Geld zu verdienen. Genug, um sich ein tolles Haus mit Pool zu leisten, ständig für alle seine “Freunde” Parties zu schmeißen und Sloan mit diversem Luxus zu verwöhnen. Obwohl Sloan nichts davon gut findet, erduldet sie es. Erst im Laufe der Geschichte erfährt man von Sloans jüngerem Bruder, der behindert ist, weil die Mutter in der Schwangerschaft Alkohol und Drogen zu sich genommen hat. Nachdem Sloan die High School abgeschlossen hatte, kümmerte sie sich um einen Heimplatz für ihren  Bruder, damit sie studieren gehen kann – denn bei der Mutter konnte sie ihn nicht lassen. Doch als eines Tages die Nachricht kam, dass der Staat nicht mehr für das Heim aufkommt, blieb Sloan kaum eine andere Wahl, als Asa zu bitten, für den Platz aufzukommen. Und so bleibt sie bei ihm, um ihren geliebten Bruder davor zu schützen, alleine bei der Mutter bleiben zu müssen und hält dafür Asas Misshandlungen aus.

Asa

Asa nutzt das schamlos aus. Obwohl er immer wieder beteuert, wie sehr er Sloan liebt – was vermutlich sogar wahr ist – , behandelt er sie wirklich mies. Er erzwingt Sex, setzt sie psychisch unter Druck, überwacht und kontrolliert sie, lässt sie immer wieder für sich und seine Freunde kochen und putzen. Asa ist eigentlich ein tragischer Charakter, der selbst aus einer schlimmen Familie kommt, der Vater mit psychischen Störungen, Depressionen und Panikattacken, die Mutter meistens durch Medikamentenmissbrauch ausgeschaltet. Seine Art, das was er heute ist, wurde ihm von seinem Vater vorgelebt und indoktriniert. Immer öfter driftet er selbst in Wahnvorstellungen ab. Ein Teil der Kapitel ist auch aus Asas Sicht geschrieben, was einem interessante Einblicke in dessen Psyche gibt.

Carter

Undercover-Polizist Luke, der als Carter im Einsatz ist, lernt Sloan im Spanisch-Unterricht am College kennen. Er hat keine Ahnung wer sie ist. Die Funken zwischen den Beiden sprühen sofort. Alles könnte so schön sein, wenn er sie nicht noch am gleichen Abend in Asas Küche antreffen würde und schockiert feststellen muss, dass sie Asas Freundin ist. Er ist hin und her gerissen zwischen seinen Gefühlen und seiner Arbeit. Und er kann Sloan nicht richtig einschätzen: wie viel weiß sie von Asas Geschäften? Steckt sie vielleicht selbst mit drin? Liebt sie Asa wirklich? Oder erwidert sie Carters Gefühle? Nach und nach nähern sich die Beiden aneinander an und wissen doch, dass es mit dem gewalttätigen Asa als Bedrohung kaum eine Chance für sie gibt.

Liebe und Abhängigkeit

Carters Kapitel sind das Gegenstück zu Sloans’. Man erlebt, wie die Beiden ihre Liebe zueinander entdecken, zu unterdrücken versuchen, ihr aber doch immer wieder nachgeben, sich der Gefahr bewusst, in die sie sich damit begeben. Und genau das ist die romantische Liebesgeschichte, die ich oben erwähnte: Die Beiden scheinen von Anfang an füreinander bestimmt, in jedem Satz spürt man die starke Liebe zwischen ihnen. Ich habe mehr als mitgefiebert, als Carter und Sloan sich ineinander verlieben und versuchen, eine Lösung zu finden. Ich habe aber auch mit Sloan gelitten, als Colleen Hoover sehr eindrücklich und brutal beschreibt, wie Asa mit ihr umgeht. Dieses Buch ist wirklich ein 18+ Buch, das mir an manchen Stellen echt Gänsehaut bereitet hat.

Obwohl ich es sehr beeindruckend finde, was Sloan alles tut, um für ihren Bruder zu sorgen, dachte ich lange, dass es doch eine andere Möglichkeit für sie geben müsste, als diesen Weg. Sich so von Asa misshandeln und unterdrücken zu lassen, scheint mir ein harter Preis. Aber nach und nach wird klar, dass sie es eigentlich schon sehr früh gar nicht mehr selbst in der Hand hatte; wie perfide und psychopathisch Asa in Wahrheit ist und bis zum Ende des Buchs bleibt.

Kein Standard-Roman

Colleen Hoover hat hier ein interessantes Buchprojekt zum Abschluss gebracht. Wie sie selbst berichtet, gab es erst nur ein paar einzelne Kapitel von Too Late, bevor sie es eine Weile zur Seite legte. Dann folgten wieder einzelne Kapitel. Sie veröffentlichte all diese Kapitel online, so dass ihre Fans bereits mitlesen konnten – und mitdiskutieren durften, wie es weiter geht. Das erklärt auch, warum die Kapitel in ihrer Reihenfolge manchmal ein wenig durcheinander erscheinen, Sprünge in der Zeit sind, immer wieder Perspektivwechsel stattfinden. Aber diese Vorgehensweise macht es keineswegs schwer lesbar, sondern im Gegenteil äußerst spannend. Hoover sagt selbst*, dass nach Kapitel 45 eigentlich Schluss sein sollte mit dem Roman. Doch dann merkte sie, dass sie nicht einfach aufhören konnte und es folgte ein Epilog. Und dann noch einer. Und noch einer. Und wieder gibt es Sprünge in der Geschichte, wieder Rückblenden und Erklärungen. Und ganz am Ende scheint das Buch tatsächlich perfekt abgeschlossen. Vielleicht wird es ja künftig noch öfter solche Schreibprojekte geben, bei denen die Leser mitdiskutieren dürfen?!

*das ganze Statement von Colleen Hoover zu Too Late könnt ihr hier lesen.

Fazit

Da ich selbst kein Problem mit den “harten Stellen” hatte, war ich wie erwartet mehr als begeistert von Too Late. Ich habe keine zwei Tage bzw. Nächte gebraucht und konnte kaum aufhören zu lesen. Ihrem Stil ist Colleen Hoover treu geblieben und wer vor den ausführlichen Gewalt- und Sexbeschreibungen nicht zurückschreckt, wird sicherlich ebenso begeistert sein wie ich.

 

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Category:Drama, Roman, Young Adult

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