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Rezension Töchter von Lucy Fricke

Titel: Töchter

Autorin: Lucy Fricke

Verlag: Rowohlt Verlag

ISBN: 9783498020071

Seitenzahl: 235

Erscheinungsdatum: 29. Januar 2018

Preis: 20,00 €


Kurzbeschreibung Töchter

Die Handlung des Romans Töchter scheint schnell zusammengefasst: Ein Roadtrip mit dem Ziel zu sterben. Ganz so simpel ist die Story dann doch nicht gestrickt. Martha bittet ihre beste Freundin und Ich-Erzählerin Betty sie und ihren Vater Kurt in die Schweiz zu begleiten. Kurt möchte dort aktive Sterbehilfe in Anspruch nehmen, denn er leidet an Krebs im Endstadium. Also machen sich die beiden kurzum in Kurts altem Auto auf den Weg, jede zusätzlich noch mit ihrem ganz eigenen Päckchen Probleme im Schlepptau. Doch die Reise endet keineswegs in der Schweiz, sondern nimmt einen völlig unvorhergesehenen Verlauf. Der führt kreuz und quer durch Italien und endet schließlich auf einer kleinen griechischen Insel.


Rezension Töchter

Neben der Bürde, ihren todkranken Vater, zu dem sie ein schwieriges Verhältnis hat, bis zum Schluss zu begleiten, ist Martha auch noch ungewollt kinderlos und unterzieht sich seit geraumer Zeit einer Hormonbehandlung. Doch ihre Ehe steht immer mal wieder auf der Kippe, jedes Mal verlässt Martha ihren Mann, kehrt aber doch immer wieder zu ihm zurück. Auch Betty ist “vatertechnisch” nicht ganz unbelastet, denn ihre Mutter hatte ständig wechselnde Beziehungen, was bei ihr selbst offenbar zu einer Beziehungsunfähigkeit führt. Beide Frauen haben also mit den Folgen ihrer komplizierten Kindheit zu kämpfen.

Als die drei auf Kurts Wunsch hin nach Italien weiterfahren, beschließt auch Betty sich auf die Spuren des Mannes zu begeben, der einem Vater für sie am nächsten kam. Nachdem Kurt bei seiner ersten großen Liebe, der Besitzerin eines kleinen Hotels am Lago Maggiore, abgesetzt wird, machen sich Betty und Martha kurzerhand auf den Weg nach Bellegra, einem kleinen Dorf, mitten in der italienischen Provinz. Bei kaum einem Buch hatte ich jemals das Dilemma mich zwischen lachen und weinen nicht entscheiden zu können, dieses Buch steckt voller tragikomischer Momente. Als Betty nach einer nächtlichen Grabschändung erfährt, dass Ziehvater Ernesto gar nicht seit zehn Jahren tot ist, sondern vom gesamten Dorf inklusive seiner eigenen Schwester lediglich totgeschwiegen wird, beschließt sie sich auf die Suche nach ihm zu machen. Der italienische Dorfpolizist, der sie zu der Grabschändung vernimmt, fragt unvermittelt, ob sie “normale, deutsche Frauen” seien, worauf Betty nur versichert, sie beide seien “aus Berlin. Hauptstadtnormal.”

Wenn Lucy Fricke Betty und Martha nicht so viel Coolness verpasst hätte, würde ihre ständige Verzweiflung vermutlich anstrengend wirken, aber so muss ich beim Lesen immer wieder schmunzeln. Am Ende stranden alle Protagonisten auf besagter griechischer Insel, auch Kurt, dessen Gesundheitszustand diese Reise überraschenderweise noch zugelassen hat. Betty findet dort schließlich auch den totgesagten Ernesto, denn wie heißt es so schön: Totgesagte leben länger. Das Buch endet so tragikomisch, wie die gesamte Geschichte geschrieben ist und ich finde es großartig.

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Category:Allgemein, Drama, Roman, Woman

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