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Rezension The Rosie Project von Graeme Simsion

Titel: The Rosie Project

Autor: Graeme Simsion

Verlag: Penguin

ISBN: 9781405915335

Seiten: 368

Erscheinungsdatum: 2. Januar 2014

Sprache: Englisch 

Kurzbeschreibung The Rosie Project von Graeme Simsion

Don Tillmann ist Professor für Genetik an der Universität in Melbourne. Er liebt Pläne, Strukturen und Regeln, tut sich aber ein wenig schwer mit zwischenmenschlichen Dingen und Gefühlen. Als er beschließt, dass es an der Zeit ist, eine Frau zu finden, möchte er sich deshalb nicht auf den Zufall verlassen und beschließt, das Ganze wissenschaftlich anzugehen – wie sonst auch alles in seinem Leben. Mit Hilfe eines langen Fragebogens und seines Freunds Gene macht er sich auf die Suche nach der passenden Frau. Kann das funktionieren? Wird er eine “passende” Frau finden?


Rezension The Rosie Project von Graeme Simsion

Beim Weihnachtswichteln unseres Instituts (ihr wisst schon, jeder bringt etwas mit, was er zuhause nicht mehr braucht, schön verpackt, dann wird in großer Runde gewürfelt bis alle Päckchen ausgepackt und diverse Male um den Tisch gewandert sind und am Ende bekommt man etwas, was man vermutlich beim nächsten Mal direkt weiter wichtelt) gab es dieses Jahr eine Überraschung: ein Buch, das ich schon wirklich lange auf meiner Noch-zu-lesen-Liste stehen hatte. Ich war deshalb sehr bemüht, die richtigen Zahlen zu würfeln und “The Rosie-Project” zu mir zu bekommen. Hat leider nicht geklappt, es gab einen Mini-Tischkicker. Da der aber bei den Kollegen und Kolleginnen sehr beliebt war, konnte ich ihn am Ende des Abends doch noch gegen mein Objekt der Begierde eintauschen und ging somit als stolze Besitzerin des englischesprachigen Buchs nach Hause.

Ich lese immer mal wieder Bücher im Original auf englisch und tue mich, trotz ständigen Englisch sprechens und schreibens bei der Arbeit, unterschiedlich schwer. Manche Bücher sind super gut zu verstehen, an anderen bin ich aufgrund der komplizierten Fachbegriffe gescheitert (so ging es mir mal bei einem Buch von Jeffrey Deaver, die ganzen medizinischen und forensischen Begriffe haben mich fast in den Wahnsinn getrieben… aber das ist ja schon auf deutsch nicht ganz so leicht zu verstehen). Beim Rosie-Project ging es mir da zum Glück anders und das Verstehen war kein Problem.

Das ist sicherlich darauf zurückzuführen, dass das Buch in einer sehr schlichten und schnörkellosen Weise geschrieben ist, die perfekt zu Don Tillmann passt. Don ist nämlich… ein wenig anders. Es wird nie so richtig eindeutig gesagt, aber es klingt, als hätte er einen leichten Asperger-Autismus. Don liebt es, wenn alles immer gleich abläuft, geregelt, mit festen Zeiten und Terminen. Er hat einen festen Essensplan für jeden Tag der Woche. Die Tage laufen nach einen festen Schema ab, minutiös wird geplant, wie lange er mit dem Fahrrad zur Arbeit braucht, wie lange er kocht, wie viele Minuten man zum Duschen braucht, etc. Er hasst es wenn Menschen rauchen, sich ungesund ernähren, unpünktlich sind, und so weiter. Don, der in Ich-Perspektive schreibt, ist bei all dem sehr sympathisch und mehr als einmal dachte ich “Stimmt, (nonverbale) zwischenmenschliche Kommunikation ist manchmal ganz schön verwirrend”. Er tut sich schwer damit, wenn Menschen nicht das sagen, was sie meinen, wenn sie “normale” Macken im Alltag haben, die er sich mit seiner logischen Denkweise nicht erklären kann.

Don

Dons Leben läuft eigentlich auf den ersten Blick gut, so wie es ist. Erst im Lauf der Geschichte kriegt man mit, dass er schon Depressionen hatte, dass er in der Schule gemobbt wurde, dass auch mit seiner festen Struktur nicht alles perfekt ist.

Don hat nur wenige Freunde, im Wesentlichen Gene, der auch sein Kollege und 16 Jahre älter als er selbst ist, und dessen Frau Claudia. Die beiden führen eine sehr unkonventionelle Ehe in der – anscheinend – Gene eine offene Ehe führt, während Claudia keine Seitensprünge hat. Gene hat es sich zum Ziel gesetzt, mit einer Frau aus jedem Land der Welt zu schlafen. Eine etwas ungewöhnliche Art der “Forschung”, wie er selbst dieses Unterfangen bezeichnet. Aber die beiden kümmern sich liebevoll – jeder auf seine Art – um Don und ermutigen ihn, als er beschließt, dass er gerne eine Frau hätte. Nachdem Don es schon mit diversen Verkupplungsversuchen, Blind Dating und Online-Dating versucht hat, findet er die ständigen Missverständnisse nervig. Oder er stellt nach mehreren Stunden fest, dass die entsprechende Dame eine Eigenschaft hat, die er auf keinen Fall tolerieren kann.

Das „Ehefrauen-Projekt“

Um das zu vermeiden, beschließt er, die ganze Sache wissenschaftlich anzugehen und entwickelt einen Fragebogen mit Kriterien, die ihm wichtig sind. Dazu gehören unter anderem Nicht-Rauchen, Pünktlichkeit, aber auch die korrekte Reaktion auf gewisse Situationen. Damit ausgestattet macht er sich im Rahmen des “Ehefrauen-Projekts” mit Hilfe von Gene auf die Suche nach der richtigen Frau. Er stellt schnell fest, dass es nicht so einfach ist, eine Kandidatin zu finden, die alle seine Kriterien erfüllt. Als ihm dann Gene verspricht, eine viel versprechende junge Dame zu schicken, geht er wie selbstverständlich davon aus, dass Rosie, die eines Tages in seinem Büro steht, all seine Kriterien erfüllen wird. Er lädt sie zu einem Date ein. Doch dann kommt alles anders, denn Rosie ist ganz anders, als er erwartet hat. Rosie raucht, ist immer unpünktlich, Vegetarierin (Don liebt Fleisch), impulsiv und sowieso ganz anders als er selbst. Erst will er die Sache damit beenden, aber dann weckt Rosie etwas in ihm; er kann es selbst nicht so genau benennen…

Als Rosie Don erzählt, dass sie nicht weiß, wer ihr leiblicher Vater ist, aber einen Verdacht hat, beschließt Don, ihr – natürlich unter rein wissenschaftlichen Gesichtspunkten, wie er sich einredet – dabei zu helfen und, entgegen aller seiner Prinzipien, das Genetik-Labor an der Uni in dem er arbeitet dafür zu nutzen, Vaterschaftstests durchzuführen. Bald steckt er Hals über Kopf im “Vater-Projekt” und die wissenschaftliche Distanz schwindet zunehmend. Rosie bringt Dons Leben komplett durcheinander und er merkt selbst, wie er sich verändert und mit seinen gewohnten Mustern bricht.

Meine Meinung

Wie gehofft hat mich das Buch sehr begeistert. Eine total spannende Idee, ein “Ehefrauen-Projekt” – ich selbst bin privat und beruflich großer Fan von Listen und Fragebögen, also kann ich Don in einem gewissen Maß verstehen. Die Sichtweise von Don hat mir viele neue Einblicke eröffnet, über die ich vorher noch nicht nachgedacht habe. Wie schon oben erwähnt, fällt einem erst durch seine “Brille” auf, wie verwirrend wir Menschen doch oft sein können. Ich fand Don und auch Rosie sehr sympathisch und habe natürlich gehofft, dass Don erkennt und auch akzeptieren kann, dass jemand, der nicht in sein vordefiniertes Schema passt, trotzdem eine Option für ihn sein kann. Aber ich habe auch zu wenig Ahnung von Asperger, um beurteilen zu können, wie so jemand tickt. Don stößt immer wieder an Grenzen. Die Frage ist nur, ob er sie überwinden kann.

Kann so ein Ehefrauen-Projekt funktionieren? Das war ein Thema, dass mich auch danach, in Gesprächen mit Freunden, beschäftigt hat. Es gab geteilte Meinungen: natürlich ist die Chemie zwischen zwei Menschen durch mehr bestimmt, als harte Kriterien. Und nur weil jemand alle Kriterien erfüllt, heißt das nicht, dass man sich in denjenigen bzw. diejenige verliebt. Aber andererseits beruhen vermutlich viele Online-Dating-Plattformen auf einem ganz ähnlichen Algorithmus, der versucht, Menschen mit ähnlichen Werten und Eigenschaften zusammen zu bringen. Also vielleicht gar keine blöde Idee? Was meint ihr?

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Category:Roman

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