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Rezension: Meine geniale Freundin & Die Geschichte eines neuen Namens von Elena Ferrante

Infos zu Meine geniale Freundin & Die Geschichte eines neuen Namens

Titel: Die Neapolitanische Saga Band 1 & 2; Meine geniale Freundin & Die Geschichte eines neuen Namens

Autorin: Elena Ferrante

Verlag: Suhrkamp

ISBN: Band 1: 9783518425534; Band 2: 9783518425749

Seitenanzahl:  Band 1: 422; Band 2: 623

Erscheinungsdatum: Band 1: 29. August 2016; Band 2: 10. Januar 2017

Preis: Band 1: 22,00 €; Band 2: 25,00 €


Kurzbeschreibung Band 1 – Meine geniale Freundin

Rino, der Sohn von Elenas Jugendfreundin ruft diese verzweifelt an, um ihr mitzuteilen, dass seine Mutter verschwunden ist. Doch Raffaella Cerullo, genannt Lina oder Lila wäre nicht sie, wenn sie ihr Verschwinden nicht auf die Spitze getrieben hätte. Rino berichtet Elena am Telefon, dass seine Mutter scheinbar versucht hat, sich gänzlich aus dem Leben zu löschen, indem sie ihr Gesicht selbst aus Fotos herausgeschnitten und auch sonst keinerlei Dokumente über ihre Identität zurückgelassen hat. Dann folgt ein großer Zeitsprung.

Die brave Ich-Erzählerin Elena und ihre unberechenbare Freundin Lila wachsen im Stadtteil Rione im Neapel der fünfziger Jahre auf. Dieser Teil der Stadt am Fuße des Vesuv ist durch Armut geprägt. Elenas Vater ist Pförtner und Lilas Vater der Schuster des Rione. Die Kinder des Viertels wachsen mit Gewalt und ohne viel Zuneigung auf. Beide Mädchen verbindet von Beginn an eine komplizierte Freundschaft, die geprägt ist von Neid und dem Übertrumpfen der jeweils anderen. Elena fühlt sich stets im Schatten von Lila und zieht ihre Motivation zu Lernen aus dem Verlangen ihre Freundin zu beeindrucken, um somit ein unverzichtbarer Teil deren Lebens zu sein. Solange die Beiden noch jung sind, klappt diese merkwürdige Beziehung ganz gut, aber je älter die Beiden werden, desto verstrickter wird ihr Verhältnis zueinander und auch zu den anderen Mitbewohnern im Rione.


Rezension Meine geniale Freundin

Ferrante? Nichts für mich oder vielleicht doch?!

Um dieses Buch habe ich lange einen Bogen gemacht, weil mich der Titel “Meine geniale Freundin” und auch der Klappentext schlicht nicht gefesselt haben. In meinen Ohren klang die Story langweilig. Was mich schließlich doch dazu bewogen hat, das Buch zu lesen, ist meine Begeisterung für Italien. Die Tatsache, dass es sich um eine vierbändige Saga handelt, fand ich eher irritierend, zumal es sich bei einer Saga laut Wikipedia eher um “eine Gattung altnordischer Erzählungen” handelt – und dazu liegt Neapel nun wirklich zu weit im Süden. Aber nun gut, die Autorin hat immerhin genug Material für vier Bücher zusammen bekommen, da kann der erste Teil ruhig etwas unspektakulär beginnen. Nach den ersten paar Seiten hätte ich das Buch dann beinahe wieder weggelegt, denn es fiel mir schwer mich an den nüchternen, tagebuchartigen Erzählstil von Elena Ferrante zu gewöhnen. Zudem habe ich lange gebraucht, um für die Ich-Erzählerin Elena Sympathie zu entwickeln. Kurzum, mit mir und dem ersten Buch der Neapolitanischen Saga war es also ein ständiges Auf und Ab. Letztendlich haben wir uns aber doch angenähert und waren für etliche Lesestunden unzertrennlich.

Das Phantom von Neapel

Vor allem fasziniert hat mich die Tatsache, dass der Vorname des Hauptcharakters und der Vorname der Autorin derselbe sind. Vielleicht handelt es sich bei dem Buch um die Biografie der Autorin und sie ist selbst in diesen Verhältnissen im damaligen Neapel aufgewachsen. Bis heute herrscht Unklarheit darüber, wer sich hinter dem Pseudonym Elena Ferrante verbirgt. Ist es ein Mann oder eine Frau? Handelt es sich um den fiktiven Namen einer bekannten Autorin? Oder will die Person, die sich hinter Elena Ferrante verbirgt, einfach ihr normales Leben weiterführen und deshalb unerkannt bleiben? Wenn ich die Wörter “Elena Ferrante Pseudonym” in die Google Suche eingebe, erscheinen zahlreiche Artikel über ihre vermeintliche Identität. Ein Journalist ist sich besonders sicher das Rätsel gelöst zu haben und vermutet eine Übersetzerin aus Rom hinter dem Namen. Ich persönlich bin der Meinung, man sollte den Willen der Autorin einfach akzeptieren und sich über ihre guten Bücher freuen, anstatt eine Hexenjagd nach ihrer wahren Identität zu veranstalten.

Elena Ferrante erzählt auf ihre ganz eigene Art von Liebe, Elend, Streit, Betrug, Leben und Tod in einem Land, an das viele von uns meist nur schöne Urlaubserinnerungen haben. Beide Mädchen wollen sich, jede auf ihre Weise, den Weg raus aus dem Elend des Rione kämpfen. Zu dieser Zeit ist Schulbildung für einige Bevölkerungsschichten alles andere als selbstverständlich. Geld für Schulbücher ist nicht da und die Familien sind darauf angewiesen, dass ihre Kinder so früh wie möglich Geld zum Familieneinkommen beisteuern. So kommt es, dass Lila, die stets in allem besser war als Elena, nach der Grundschule aufhört, um in der väterlichen Schusterei zu arbeiten, während die fleißige Elena, gefördert von ihrer Lehrerin, weiter zur Schule gehen darf. Beide Mädchen machen gleichzeitig auch die ersten Erfahrungen mit der Liebe. Und auch hierbei fühlt sich Elena stets von Lila abgehängt, besonders, als diese verkündet mit sechzehn Jahren zu heiraten. Sie hat sich im Laufe des ersten Buches von einem hässlichen, stets zu dünnen Entlein, zu einem schönen Schwan entwickelt, der eine ganze Schar Bewunderer hat. Sogar die gemeinen Solara-Brüder machen ihr den Hof. Lilas Hochzeit wird mit einem rauschenden Fest gefeiert, droht jedoch in einem Eklat zu enden.


Kurzbeschreibung Band 2 – Die Geschichte eines neuen Namens

Die Saga um Elena, Lila und die Bewohner des Rione geht weiter. Lila ist frisch verheiratet, merkt jedoch schnell, dass sie einen großen Fehler gemacht hat und beginnt ein leidenschaftliches Verhältnis mit einem alten Bekannten. Für den gleichen Jungen schwärmt eigentlich ihre Freundin Elena – Freundschaft sieht für mich eigentlich anders aus, aber gut. Die fleißige Elena hingegen geht weiter zur Schule und vergräbt sich in ihren Lehrbüchern. Sie fühlt sich hässlich mit Brille, pickelig, zu füllig – typisch Pubertät eben. Jedes der beiden Mädchen erkämpft sich seinen Weg in die Unabhängigkeit, die eine mit Bildung und die andere, indem sie sich von allen löst, die sie in ihrer Freiheit beschneiden. Am Ende des zweiten Teils ist eine ganz oben und die andere ganz unten und spätestens jetzt muss der dritte Band her, um zu erfahren, wie es mit dem Leben und der Freundschaft von Elena und Lila weitergeht…


Rezension Die Geschichte eines neuen Namens

Angesteckt mit dem Ferrante- Fieber

Ich gebe es zu, bereits nach der Lektüre des ersten Bandes, hat auch mich das Ferrante-Fieber gepackt und ich wollte unbedingt wissen, wie es mit den beiden Freundinnen und ihren Verwandten und Freunden im Rione weitergeht. Die Figuren gehen mir zwar mitunter tierisch auf die Nerven, aber gerade diese Tatsache macht die Figuren in den Büchern so real. Zudem gefällt mir die deutsche Übersetzung sehr gut. Okay ich habe keinen Vergleich mit dem Original, da ich kein Italienisch spreche, aber die deutsche Ausgabe ist einfach schön geschrieben. Die Übersetzerin Karin Krieger, hat meiner Ansicht nach einen großartigen Job gemacht. Immer wenn die Bewohner des Rione in ihren derben Dialekt verfallen, kündigt sie diesen Wechsel an, ohne jedoch den Sprachstil des Buches zu ändern, denn diese dialektale Sprache funktioniert sicherlich nur im Italienischen. Diese Stellen umgeht sie sehr geschickt, indem sie schreibt: “Sie sagte im Dialekt, sie habe sich noch nie im Leben so gelangweilt.” Das zweite Buch, Die Geschichte eines neuen Namens, gefällt mir noch besser als das erste Buch. Nicht das es spektakulärer wird, nein es passiert nichts weltbewegendes, aber gerade das macht es für mich so lebensnah und nachvollziehbar. Nach den ersten beiden Büchern freue ich mich mit dem dritten Band in den Rione zurückzukehren und zu erfahren, wie die Geschichte weitergeht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es jemanden gibt, der nach dem ersten Band nicht weitergelesen hat. Falls doch, kann er hier erfahren wie es weitergeht, denn in meiner nächsten Rezension befasse ich mich den beiden letzten Bänden der Neapolitanischen Saga.

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Category:Drama, Roman

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