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Rezension Kingsbridge-Saga von Ken Follett (Hörbuch)

Kürzlich ist ein neues Hörbuch bei mir eingezogen –  “Kingsbridge – der Morgen einer neuen Zeit” von Ken Follett. Wie sicherlich viele von euch bin ich ein großer Fan der Kingsbridge-Saga. Ich kann mich auch noch sehr gut erinnern, wann mir “Die Säulen der Erde” zum ersten Mal begegnet sind (abseits davon, dass ich den Titel natürlich schon öfter im Regal zuhause gesehen habe). Ich war 25 Jahre alt und machte gerade ein Praktikum in Heidelberg (interessanterweise beim gleichen Unternehmen, für das ich später noch einige Jahre gearbeitet habe) und damit mir an den langen Abenden alleine in der Übergangs-WG nicht langweilig wurde, hatte meine Mutter mir das Hörbuch “Die Säulen der Erde” geschenkt. Das Praktikum dauerte fünf Wochen und ungefähr so lange habe ich auch fürs Hören gebraucht. Selbst in der gekürzten Version, wie ich sie hatte, sind es stolze 13 Stunden und 45 Minuten. Ich habe meistens auf dem Weg zur und von der Arbeit gehört und das Kingsbridge-Fieber hat mich total gepackt. 

Der zweite Teil, “Die Tore der Welt”, war gleich als Nächstes an der Reihe (war ja zum Glück schon erschienen), wieder als Hörbuch. 2017 erschien “Das Fundament der Ewigkeit” und auch dieses Mal zögerte ich nicht lange. Und nun gibt es also einen neuen Teil der Saga, auf den ich mich sehr freue. 

Ungefähr eine Stunde davon habe ich bereits gehört und es klingt wie immer sehr vielversprechend. Das Besondere an diesem vierten Teil ist nicht nur der Untertitel “Kingsbridge 0.5”, sondern vor allem dass er ein Prequel zu den anderen Teilen ist, sprich ein ganzes Stück davor spielt. Um genau zu sein: knapp 150 Jahre vor dem ersten Teil! Hier wird also die Geschichte erzählt, wie Kingsbridge überhaupt entstand.

Aber davon mehr in der entsprechenden Rezension, die dann folgen wird. 

Jetzt erstmal zu den zuvor erschienen Teilen der Kingsbridge-Reihe. Mir selbst ist es nämlich ganz schön schwer gefallen, mich wieder zu erinnern, was da so alles passiert ist, wer wer war und wie das alles zusammenhängt. Wirklich hilfreich fand ich dabei einen Beitrag im Audible Magazin, der sowohl die Personen in den einzelnen Bänden kurz erklärt, als auch eine Timeline zur Verfügung stellt, die die Abläufe in einen zeitlichen Zusammenhang bringt. Schaut dort gerne mal rein, wenn es euch so geht wie mir und ihr nicht mehr alles im Kopf habt.

 

Die Säulen der Erde

Der 1989 erschienene erste Teil der Kingsbridge-Saga, der zu einem riesigen Erfolg wurde, erzählt die Geschichte des Baus einer gewaltigen Kathedrale im kleinen (fiktiven) Örtchen Kingsbridge im Südengland des 12. Jahrhunderts. Einer der Protagonisten, Tom Builder, ist der Baumeister der Kathedrale. Seine Geschichte und die seiner Familie stehen im Vordergrund. Der Bauherr, Prior Philip, hat große Visionen von einem allumfassenden Bau, der da einst die größte Kathedrale Englands sein soll. Überschattet wird dies vom “Die Anarchie” betitelten Bürgerkrieg zwischen 1135 und 1154. Da der Ort Kingsbridge nicht umsonst nach dem König benannt wurde, laufen hier immer wieder wichtige Fäden zusammen. Tom, dessen Frau bei der Geburt des dritten Kindes stirbt, verliebt sich in die unabhängige Ellen, die wiederum ihren Sohn Jack mit in die Beziehung bringt. Im Gegensatz zu Toms eigenen Kindern tut Jack alles, um in Toms Fußstapfen als Baumeister zu treten und hat dafür großes Talent. Doch das führt natürlich zu Zwist mit Toms leiblichen Kindern, besonders mit seinem Sohn Alfred. Auch in der Liebe sind Alfred und Jack Rivalen um die Gunst der schönen Adligen Aliena.

Ein Buch voll von Liebe, Abenteuer, Intrigen und Macht. Die Geschichte ist spannend, wenn auch eher langatmig, da sie sich einfach über so viele Jahre zieht. Das wirklich Besondere an der Kingsbridge-Reihe – und speziell am ersten Teil – ist aber das Thema Architektur. Mit viel Liebe zum Detail und basierend auf langen Recherchen beschreibt Ken Follett hier wie die Kathedrale gebaut wird, welche Techniken es zu dieser Zeit gab, welche Stile. Ich fand es toll, so viel darüber zu lernen und muss zugeben, dass ich mir vorher noch nie Gedanken gemacht hatte, wie genau so eine Kathedrale gebaut wird – vor allem ohne moderne Gerätschaften wie wir sie heute haben.

 

Die Tore der Welt

Knapp 20 Jahre nach dem ersten Teil wagte sich Ken Follett an den zweiten Band der Reihe. Obwohl auch hier wieder Kingsbridge im Mittelpunkt steht und die Handlungsstränge bzw. Stammbäume bis zu “Die Säulen der Erde” reichen, gibt es doch einen gewaltigen Zeitsprung von etwa 200 Jahren zwischen beiden Büchern. 

Hier sind die wesentlichen Hauptrollen die von Merthin, der ein Nachkomme von Jack aus “Die Säulen der Erde” ist und ebenfalls als Zimmermann im Bauhandwerk arbeitet, und die von Caris, seiner großen Liebe. Obwohl die beiden sich lieben, möchte Caris kein Leben als untergeordnete Ehefrau führen und als sie gezwungen ist, ins Kloster zu gehen, übernimmt sie dort die Krankenpflege und arbeitet sich bis ganz nach oben. Merthin ist über ihre Ablehnung so verletzt, dass er England für lange Zeit verlässt und erst Jahre später mit seiner Tochter zurückkehrt. Er nimmt sich vor, den maroden Kirchturm der Kathedrale zu ersetzen und stattdessen den höchsten Turm Englands zu bauen. 

Auch hier ist also wieder die Architektur das tragende Thema, ebenso wie die historische und politische Entwicklung in England. Zunehmend geht es um die (erste zaghafte) Emanzipation der Frau, wie man an Caris gut sehen kann, die sich nicht mit dem zufrieden gibt, was eigentlich für sie vorgesehen ist. Und auch in diesem Teil gibt es natürlich die “Guten” und die “Bösen”, so dass man sich vortrefflich über die Fieslinge, die ihre Macht ausnutzen, aufregen kann. Reale historische Persönlichkeiten wie König Edward III. spielen ebenfalls eine Rolle bei Ken Follett, aber die meisten Personen sind fiktiv – könnten aber in ähnlicher Weise trotzdem existiert haben.

 

Das Fundament der Ewigkeit

Weitere 10 Jahre später knüpft Ken Follett erneut an die Kingsbridge-Saga an. Im Gegensatz zur Jahrhundert-Saga ist es aber erneut kein direkt anschließendes Werk. Der Leser kehrt vielmehr an die alten Schauplätze zurück und man kann sich über Verknüpfungen zum vorherigen Teil freuen. 

“Das Fundament der Ewigkeit” spielt im 16. Jahrhundert, beginnend im Jahr 1558, und somit nicht länger im Mittelalter. Das politische Hauptthema sind die Religionskriege zwischen Katholiken und Protestanten, die Herrschaft von Elisabeth I. sowie die Entdeckung der “Neuen Welt” mit all ihren Verheißungen. Im Gegensatz zu den anderen Teilen steht hier die Architektur nicht im Vordergrund, sondern vielmehr der Konflikt zwischen Katholizismus, Inquisition und der protestantischen Bewegung, und auch das Set ist deutlich ausgedehnter – von Kingsbridge und London, über Paris und Sevilla bis in die Karibik und zurück in den Ärmelkanal zur entscheidenden Seeschlacht zwischen Elisabeths Flotte und der unbezwingbaren spanischen Armada. Zuletzt werden wir sogar noch Zeuge, wie das Attentat von Guy Fawkes auf das englische Parlament vereitelt wird – und das fand immerhin erst im 17. Jahrhundert statt! So gab es nicht umsonst einige Kritik, das Buch sei zu lang, enthalte zu viele Personen und Persönlichkeiten und lasse seine Charaktere nicht zur Entfaltung kommen. Ich persönlich finde das nicht; ganz im Gegenteil, aber urteilt selbst (und nun ja, Guy Fawkes hätte unter Umständen tatsächlich mehr als nur eine Rolle als Anhängsel ausfüllen können).

Aber worum geht es nun? Die Hauptfigur, Ned Willard, ist Protestant und verliebt in die Katholikin Margery. Da ihre unterschiedlichen Konfessionen es den beiden nicht gestatten, als Mann und Frau zusammen zu sein – ganz besonders Margery kann nicht aus ihrer Haut – bleibt ihre Liebe unerfüllt. Sie hören jedoch nie auf, sich zu lieben; auch nicht, als Margery den Adelsspross Bart Shiring heiraten soll und dies auch tut. Man wünscht Ned und Margery das ganze Buch über, dass sie doch noch zusammenfinden – und so oft sind sie auch nah dran. Hier findet sich ein typisches Motiv der vorangegangenen Romane – das der verbotenen Liebe, die gegen allerlei Widerstände ankämpfen muss.

Neben Ned, der am Hofe Elisabeths Karriere als Berater und Agent macht und schließlich die Untergrundkämpferin Sylvie heiratet, die er in Paris kennenlernt, wo in einem weiteren Handlungsstrang die Hugenottenverfolgung thematisiert wird, spielen Margerys Bruder Rollo sowie Neds Bruder Barney wichtige Rollen. 

Rollo wird als fanatischer religiöser Eiferer zum größten Gegenspieler Neds, der eine Absetzung Elisabeths zugunsten Maria Stuarts verhindern und Rollo das Handwerk legen muss. Natürlich kommt es hier zum Konflikt mit Margery, die sich entscheiden muss: zwischen Religion, ihrem Herzen und der Liebe zu ihrem Bruder. Mit Barney wieder herum umsegelt der Leser die halbe bekannte Welt bis nach Hispaniola und kehrt schließlich zurück in den Ärmelkanal, wo Barney eine wichtige Rolle in der Seeschlacht um England einnimmt – an der Seite von Francis Drake wohlgemerkt, der sich so gar nicht wie ein Sir aufführt. Natürlich erfährt man auch sonst wieder eine Menge geschichtliches Wissen – über Elisabeth, Maria Stuart, die Armada, die Inquisition und die religionspolitische Spaltung der Großmächte. Das ganze nach bewährtem Rezept verwoben mit den fiktiven Charakteren, denen man ein ganzes Leben lang folgt – und auch die Liebe, moralische Zwickmühlen, politische Intrigen, Finstermänner und ein Happy End kommen nicht zu kurz – schließlich blickt der greise Ned am Ende voller Stolz auf seinen Enkel Jack, der Segel gen Amerika setzt und mit seinem Namen die verwandtschaftliche Brücke zurück zum großen Baumeister der Kathedrale von Kingsbridge schlägt.

 

Fazit

So, wer sich jetzt denkt “Wow, das ist ganz schön viel Lese- bzw. Hörstoff”, der hat natürlich recht. Ken Follett liebt es, gemeinsam mit einem ganzen Team, richtig gut über historische Ereignisse zu recherchieren und diese den Lesern in Romanform näher zu bringen. Wie ich euch bereits in meinem Beitrag über die Jahrhundert-Saga berichtet habe, lernt man wirklich viel – tausendmal mehr als im Geschichtsunterricht, wenn ich ehrlich bin. Er versucht, das Ganze so  ausführlich und genau darzustellen wie möglich. Im Umkehrschluss bedeutet das natürlich auch, dass es sich stellenweise ein wenig ziehen kann. Ich ganz persönlich bin kein großer Fan von ausschweifenden Beschreibungen. Wenn es nach mir ginge, könnte in dem einen oder anderen Buch alles etwas schneller gehen und ich gebe ehrlich zu, dass ich – nicht speziell in dieser Reihe, sondern generell – gerne mal langatmige Landschaftsbeschreibungen oder Ähnliches überblättere. Vielleicht ist deshalb für mich die gekürzte Hörbuch-Fassung genau die Richtige, denn vieles “Unnötige” wird da einfach weggekürzt und sich auf das Wesentliche konzentriert. Wie ist das bei euch? Liebt ihr ausführliche Beschreibungen und lest jedes einzelne Wort in einem Roman, oder überspringt ihr auch gerne mal unwichtige Stellen? 

Die Kingsbridge-Saga ist auf jeden Fall toll und wer sich für historische Romane, gepaart mit Politikwissen und Architektur begeistern kann, ist hier richtig. Ken Folletts Schreibstil ist wie immer fesselnd und detailreich.

Ich bin jetzt sehr gespannt auf die Fortsetzung / das Prequel “Der Morgen einer neuen Zeit”, vor allem weil ich noch selten historische Romane gelesen bzw. gehört habe, die so früh spielen (Ende des 10. / Anfang des 11. Jahrhunderts). Die erste Stunde als Hörbuch lässt mich hoffen, dass es wieder genauso gut wird, wie der Rest der Reihe – ich werde euch berichten!


Diese Rezension wurde in Zusammenarbeit mit Audible erstellt.

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