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Rezension Heimliche Versuchung. Commissario Brunettis siebenundzwanzigster Fall

Infos Heimliche Versuchung. Commissario Brunettis siebenundzwanzigster Fall

Titel: Heimliche Versuchung. Commissario Brunettis siebenundzwanzigster Fall
Autorin: Donna Leon
Verlag: Diogenes
ISBN: 978-3-257-07019-4
Seitenanzahl: 336
Erscheinungsdatum: 20. März 2018
Preis: 24,00 €


Kurzbeschreibung Heimliche Versuchung. Commissario Brunettis siebenundzwanzigster Fall

Commissario Guido Brunetti wird in der Questura von einer Kollegin Paolas aufgesucht. Professoressa Crosera hat die Befürchtung ihr Sohn sei drogenabhängig und an seiner Schule werde gedealt. Brunetti versucht sie zu beschwichtigen, womöglich habe sie keinen Grund zur Sorge. Kurz darauf wird der Ehemann der Professoressa nach einem nächtlichen Überfall schwer verletzt ins Krankenhaus eingeliefert. Waren ihre Sorgen also doch begründet und hat ihr Ehemann sich mit der hiesigen Drogenszene angelegt? Commissario Brunetti taucht, gemeinsam mit seiner kongenialen Kollegin Claudia Griffoni, mal wieder in die venezianische Unterwelt ein.


Rezension Heimliche Versuchung. Commissario Brunettis siebenundzwanzigster Fall

Wie in meiner Sommer-Leseliste 2018 bereits erwähnt, freue ich mich immer auf das Erscheinen des alljährlichen Brunettis. Es versteht sich von selbst, dass der diesjährige Fall dort Erwähnung findet. Wenn ich einen neuen Brunetti aufschlage und zu lesen beginne, dann ist es jedes Mal so, als wäre ich zu Besuch bei alten Freunden, die weit weg wohnen und die ich deshalb nur einmal im Jahr besuche. Ich ziehe dann für die Länge eines Kriminalfalls bei Familie Brunetti ein und sitze gemeinsam mit ihnen am Tisch, wenn Paola ihre unglaublich lecker-klingenden italienischen Speisen auftischt, trinke das ein oder andere Gläschen Wein mit und lausche den angeregten stets idealistischen Diskussionen der vier Familienmitglieder. Ich bevorzuge Krimis, bei denen man immer mal wieder Auszeiten von den zu lösenden Gräueltaten nimmt und nicht auch noch das Privatleben des ermittelnden Kommissars von Trostlosigkeit durchzogen ist.

Der siebenundzwanzigste Fall von Commissario Brunetti beginnt vielversprechend vermeintlich im venezianischen Drogenmilieu. Leider nimmt er dann doch eine ungeahnte und wenig spannende Wendung. Brunetti tappt zum überwiegenden Teil der Geschichte im Dunkeln, der einzige Lichtblick ist sein kluger Sidekick Claudia Griffoni. Während des Lesens habe ich mich immer wieder gefragt, wann Brunetti endlich auf die richtige Spur kommt, denn die verbleibenden Seiten wurden immer weniger. Statt eines Drogendeliktes, kommen die beiden Kommissare einer Betrugsserie an alten und demenzkranken Menschen auf die Schliche, die völlig unglaubwürdig und schlecht konstruiert ist. Da helfen auch Brunettis Ausflüge in Sophokles‘ Tragödie Antigone nichts, die den Krimi an manchen Stellen mit passenden Zitaten ausschmücken sollen.

Auch merkt man Autorin Donna Leon ihren Frust über die dramatische Entwicklung ihres geliebten Venedig an, wofür ich grundsätzlich Verständnis habe. So mokiert sich Brunetti immer mal wieder stellvertretend für die Autorin über die Horden an Touristen, die jetzt schon im November in die Stadt einfallen und auch das dilettantische MOSE Projekt, zum Schutz vor Hochwasser, findet kurz Erwähnung. Warum ersinnt sie nicht einen politischen Kriminalfall, wenn diese Themen sie so beschäftigen? Ein solcher wäre bestimmt spannender, als dieser Fall, bei dem zudem die wichtigen Fragen vom Anfang der Geschichte offen bleiben: Was ist mit dem Sohn von Professoressa Crosera? Erwacht ihr Mann aus dem Koma? Das Drogenproblem, weswegen die Frau anfangs bei Brunetti vorstellig wird, wird gegen Ende des Buches von den Carabinieri gelöst, was Brunetti durch einen Artikel in der Zeitung erfährt (Seite 303). Der Drogenring wurde ratzfatz zerschlagen und die Dealer, alles Illegale, aufgefordert das Land zu verlassen, fertig. Das wirkt doch eher kurz abgehandelt, als wäre der Autorin am Ende eingefallen, dass da ja noch eine andere Ermittlung war.

Neben der langweiligen Kriminalgeschichte habe ich mich über die Übersetzung von Werner Schmitz geärgert, die teilweise sehr merkwürdig war. So heißt es auf Seite 158: “Am nächsten Morgen gürtete Brunetti seine Lenden, griff zum Telefon und fragte seinen Vorgesetzten, ob er ihn kurz sprechen könne.” Das mag ja grundsätzlich nicht falsch sein, aber diese eher altertümliche Sprache wird im Buch sonst nicht verwendet und passt meiner Ansicht nach überhaupt nicht zum Rest des Satzes. Auch einige andere Stellen lesen sich etwas holprig.


Fazit Heimliche Versuchung. Commissario Brunettis siebenundzwanzigster Fall

Donna Leons bildhafte Beschreibungen von Brunettis Streifzügen durch Venedig, Paolas detailliert beschriebene Kochkünste und die lebhaften politischen Diskussionen der verschiedenen Protagonisten, versetzen mich jedes Mal für die Dauer eines Buches in die Lagunenstadt. Leider ist die Kriminalgeschichte viel zu künstlich und zusammengeschustert, um mich mitzureißen, in diesem Buch ist sie eher eine Marginalie. Wer überlegt das Buch zu lesen, dem empfehle ich die Lektüre in der Originalsprache Englisch, damit wird die Story zwar nicht spannender, man umgeht aber zumindest die merkwürdige Übersetzung.

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Category:Krimi

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