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Rezension Gefrorener Schrei von Tana French (Hörbuch)

Titel: Gefrorener Schrei

Autorin: Tana French

Verlag: Argon Hörbuch

ISBN: 978-3-8398-1524-3

Minuten:  16 h 47 min (gekürzte Lesung)

Erscheinungsdatum: 29. Dezember 2016

Preis: 9,99 € (UVP)

Kurzbeschreibung Gefrorener Schrei von Tana French

Ein neuer Fall für die Detectives Antoinette Conway und Stephen Moran in Dublin: die junge Aislinn Murray wird tot in ihrem Haus aufgefunden. Ein Unbekannter hat einen Notruf abgesetzt, doch sie kann nicht mehr gerettet werden. Alles sieht nach einer simplen Beziehungstat aus, denn das Opfer hatte an dem Abend ein Date. Aber ist das nicht alles ein bisschen zu einfach? Antoinette ist sich sicher, da steckt mehr dahinter… oder warum sonst sollten die Kollegen sich so merkwürdig verhalten?


Rezension Gefrorener Schrei von Tana French

Vor vielen Jahren habe ich mein erstes Buch von Tana French gelesen: Grabesgrün. Es war ein riesiger Wälzer und ich muss gestehen, dass ich mich an die Story nicht mehr wirklich erinnern kann, wohl aber daran, dass ich begeistert war und dementsprechend das Buch auch sehr gut verkauft habe, damals, als ich noch zu Studentenzeiten in der Buchhandlung meiner Mutter gearbeitet habe. Auf der Suche nach dem nächsten Hörbuch bin ich dann mehr zufällig auf sie gestoßen, weil ich dabei oft über die Hörbuch-Sprecher suche und dieses Mal über die Sprecherin Nina Petry auf sie gestoßen bin. Ich persönlich finde Hörbuch-Sprecher unheimlich wichtig. Es gibt da jemanden, der mir viele Stunden etwas vorliest, da sollte man die Stimme schon sympathisch finden. Und natürlich muss die Stimme auch zum Buch passen. Tana Frenchs Bücher werden jedes Mal von einem anderen Sprecher bzw. einer anderen Sprecherin vertont, was ich sehr interessant finde. Zu diesem Krimi hat Nina Petry für mich sehr gut gepasst. Sie ist nicht gerade die überschäumendste Sprecherin, aber genau deshalb ist sie für mich perfekt für Detective Antoinette Conway geeignet.

Detective Antoinette Conway…

Antoinette ist nämlich eine ganze spezielle Person. Sie ist ohne Vater aufgewachsen, wurde immer nur gehänselt, war eine Außenseiterin. Sie wirkt verbittert und besonders mit Männern tut sie sich echt schwer, hat aber auch ansonsten keine wirklichen Freunde. Eine absolute Einzelkämpferin. Auch auf ihrem Revier, dem Morddezernat in Dublin, eckt sie scheinbar nur an, wird gemobbt, ignoriert, bekommt keine guten Fälle (behauptet sie zumindest). Einzig ihr Partner Stephen scheint ihr zur Seite zu stehen und mit ihr zu kooperieren. Das allein macht das Buch für mich zu etwas Besonderem. Wie viele Krimis habe ich schon gelesen, wie viele Polizisten oder Ermittler erlebt? Ich habe die Ermittlungen aller möglichen Typen verfolgt, vom coolen Boss, der alles im Griff hat, bis hin zum blutigen Anfänger, der von nichts eine Ahnung zu haben scheint. Aber einen Detective, der gemobbt wird und dem überall Steine in den Weg gelegt werden? Das hatte ich bisher noch nie.

… eine recht spezielle Person

Man muss aber auch sagen, dass Antoinette es sich selbst nicht leicht macht mit ihrer Art. Sie ist verschlossen und wirkt fast schon ein wenig paranoid, weil sie hinter allem und jedem eine Verschwörung wittert. So auch in ihrem aktuellen Fall: für sie ist sehr schnell klar, dass hinter diesem Mord mehr stecken muss als nur ein verschmähter Lover, der im Eifer des Gefechts sein Date erschlägt. Die Kollegen verhalten sich merkwürdig, die beste Freundin des Opfers macht undurchsichtige Andeutungen, jemand hat im Polizeicomputer nach dem Namen des Opfers gesucht. Für Antoinette und Stephen steht fest, es muss hier um eine “Bandensache” gehen. Natürlich erzählen sie das niemandem, sondern ermitteln heimlich und hinter dem Rücken der anderen Ermittler weiter.

Ich musste zwischendurch fast ein wenig schmunzeln, denn oft erscheint es einem ein wenig an den Haaren herbei gezogen, was die Beiden sich da einreden. Man schwankt immer wieder, ob man jetzt auch an diese Verschwörung glauben soll oder nicht. Am Ende kommt alles anders als sie – und ich – dachten.

Ein ganz besonderer Schreibstil…

Tana French schreibt in einem sehr detaillierten Schreibstil, der sich an manchen Stellen ein wenig in die Länge zieht (und ich hatte ja schon die gekürzte Hörbuchfassung). Sie legt dabei viel Wert auf die Beschreibung der Charaktere. Durch raffinierte Dialoge und genaue Beobachtungen der Situation bekommt man einen tollen Einblick in Antoinettes Leben, aber auch in das ihrer Kollegen, des Opfers und der Verdächtigen. Manche Passagen sind schon quasi Echtzeitermittlungen, denn die Verhöre werden hier nicht abgekürzt sondern in allen Einzelheiten beschrieben. Mir das als Hörbuch anzuhören, mit der entsprechenden Betonung der Stimmen, war wirklich toll und ich hatte oft genug das Gefühl, mit im Verhörraum zu sitzen.

Der Fall selbst, die ermordete Aislinn, ihr Date Rory, ein ominöser Liebhaber (ein Bandenmitglied?), ihre beste Freundin, stehen stets im Fokus und man bekommt jedes Detail der Polizeiarbeit mit. Trotz der detailreichen Charakterisierung der Personen hatte ich nicht das Gefühl, dass vom eigentlichen Thema zu sehr abgeschweift worden wäre. Natürlich ist es am Ende wirklich nicht so simpel, wie es auf den ersten Blick scheint. Aber steckt dahinter wirklich die organisierte Kriminalität?

…und eine ganze besonderes Stimmung

Nämlich eine sehr kalte (es ist Winter), düstere und bedrückende Stimmung. Eigentlich nicht ganz das was zum Frühling passt, aber toll beschrieben. Ich war noch nie in Dublin, bin mir aber sicher, dass ich die Bilder aus “Gefrorener Schrei” im Hinterkopf haben werde, wenn ich hoffentlich eines Tages hinfahren darf.

Ich würde Antoinette wünschen, dass sie sich ein wenig mehr öffnet (noch nie bin ich einem Menschen begegnet, der sich so schwer damit tut, um Hilfe zu bitten) und ihrem Umfeld vertraut… aber dann wäre natürlich dieser Krimi gar nicht so geschrieben, wie er es jetzt ist. Und das wäre echt schade.

 

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Category:Krimi

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