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Rezension Erbsünde von Faye Kellerman

Titel: Erbsünde

Autorin: Faye Kellerman

Verlag: Harper Collins

ISBN: 9783959672863

Seiten: 448

Erscheinungsdatum: 2. Mai 2019

Preis: 14,99 €


Kurzbeschreibung Erbsünde von Faye Kellerman

Detective Peter Decker soll eigentlich nur einen Fall von Vandalismus aufklären, als er eine Leiche findet. Was erst ganz einfach wirkt, wird zunehmend komplizierter, als Decker herausfindet, dass der Vater des Opfers wegen Raubüberfalls mit Doppelmord seit 20 Jahren im Gefängnis sitzt. Bei der Recherche im Umfeld des Opfers fallen Decker immer mehr Ungereimtheiten auf und als dann auch noch sein Freund und Kollege verschwindet und dessen Mutter schwer verletzt aufgefunden wird, in einem Haus voll Blut und Verwüstung, ist das ganze Greenbury Police Department in Aufruhr.

Peter Decker ermittelt, wie immer unterstützt von seiner Frau Rina und dem jungen Tyler McAdams. Aber können Sie den Fall lösen, trotz der vielen Steine, die ihnen in den Weg gelegt werden?


Rezension Erbsünde von Faye Kellerman

Die Bücher von Faye Kellerman lese ich seit vielen Jahren, erst aus dem Bücherschrank meiner Eltern geklaut, weil ich unbedingt ein “Erwachsenen-Buch” lesen wollte, später haben wir uns dann darum gestritten, wer den jeweils neu erschienenen Band als erstes lesen darf. Die Reihe um Peter Decker und Rina Lazarus gibt es seit 1986 (als ich gerade mal 3 Jahre alt war) und von Anfang an kann man die Geschichte der Beiden mitverfolgen. Obwohl natürlich jedes Buch für sich ein spannender Krimi ist, ist es vor allem die Familiengeschichte im Hintergrund, die bei uns alle fesselt.

Wer ist Peter Decker? Wer ist Rina Lazarus?

Peter Decker ist ein sympathischer Polizist, der am Anfang der Buchreihe noch ein ziemlicher Frischling ist. Er ermittelt in einem Mordfall im jüdischen Milieu und lernt dabei seine spätere Frau Rina kennen. Decker hat eine Tochter mit seiner Ex-Frau, während Rina die beiden kleinen Söhne nach dem Tod ihres Mannes alleine aufzieht. Schnell entwickelt sich etwas zwischen den Beiden und Peter Decker muss sich auf einige Veränderungen einstellen. Nicht nur sind plötzlich zwei Kinder in sein Haus eingezogen, die sich natürlich etwas schwer mit dem neuen Mann an der Seite ihrer Mutter tun, noch dazu ist Rina praktizierende Jüdin und Decker muss sich, da er selbst Baptist ist, erstmal ziemlich umgewöhnen. Später folgt noch eine gemeinsame Tochter. Genau das macht für mich auch die Reihe wirklich außergewöhnlich, denn selten habe ich in einem Krimi so viel gelernt, was nicht direkt mit Kriminalität und Ermittlungen zu tun hat. Ich finde es immer wieder extrem spannend, zu sehen, wie anders das Leben der Beiden mit der jüdischen Religion im Hintergrund ist, aber auch wie anders der Alltag in den USA. Ständig sind die beiden in koscheren Restaurants und Geschäften, ich bezweifle, dass es das hier in Deutschland so gibt.

Während in den ersten Bänden die Familie noch sehr im Vordergrund steht, rückt sie in späteren Bänden, so auch in diesem, oft etwas in den Hintergrund. Rina ist ein helles Köpfchen und hält nicht nur die Familie zusammen, sondern gibt Decker auch noch nützliche Tipps und hilft fleißig bei den Ermittlungen. Die beiden scheinen ein absolutes Dream-Team zu sein.

Seit einigen Jahren haben Peter und Rina ihrer alten Heimat Los Angeles den Rücken gekehrt. Peter hat sich ein ruhigeres Leben gewünscht und deshalb einen neuen Job in Greenbury im Staat New York angenommen. Doch auch dort häufen sich die Morde und die Kollegen sind sehr froh, so einen erfahrenen Chef zu haben.

Worum geht es in Erbsünde?

Es scheint, als wäre es ein langweiliger Routine-Fall von Vandalismus, ein paar zerstörte Briefkästen. Doch bei der Suche nach Spuren findet Decker ganz unerwartet eine Leiche mit eingeschlagenem Kopf. Der junge Mann, Brady Neil, wurde dort anscheinend nur abgelegt und stammt aus dem benachbarten Städtchen Hamilton. Da beginnen auch die ersten Schwierigkeiten, denn streng genommen darf Decker in Hamilton nicht einfach so ermitteln. Unter der Auflage, dass Decker die Tochter des Hamiltoner Polizeichefs Baccus in sein Team mit aufnimmt, Lennie, darf er den Fall weiter verfolgen. Gemeinsam mit seinem jungen Kollegen McAdams, auch “Harvard” genannt (weil er dort Jura studiert), beginnen sie zu ermitteln und stoßen bald auf Interessantes in Neils Vergangenheit. Sein Vater wurde vor 20 Jahren gemeinsam mit einem Komplizen für einen bewaffneten Raubüberfall auf ein Juweliergeschäft verurteilt, bei dem die Eigentümer ermordet wurden. Ermittler in dem Fall war Chief Baccus. Als Decker anfängt, sich an Brady Neils Arbeitsstelle umzuhören, stoßen sie schnell auf Joseph Boch, der nicht zur Arbeit gekommen ist und eng mit Neil befreundet war. Als sie ihn befragen wollen, finden sie im Haus seiner Mutter ein Horrorszenario. Die Mutter schwer verletzt, das Haus voller Blut. Genug Blut, damit klar ist, dass das Opfer nicht überlebt haben kann. Aber ist es das Blut von Brady Neil oder von Joseph Boch? Als Chief Baccus dann noch seine Tochter von dem Fall abzieht, wird Decker mehr als nur misstrauisch. Die Arbeit wird ihm durch die verwirrenden Zuständigkeiten nicht gerade erleichtert, aber in altbewährter solider Ermittlungsarbeit, unterstützt von Rina und McAdams, der schon wie eine Art Sohn für die beiden ist, stellt sich Decker diesen Widrigkeiten und gibt nicht auf.

Meine Meinung

Was mit den üblichen, sorgfältigen und ordentlichen Ermittlungen beginnt, entwickelt sich schnell zu einem spannenden und schnellen Krimi. Decker hat ein untrügliches Gespür für Dinge, die nicht so sind, wie sie sein sollten. Einfühlsam und zielführend befragt er das Umfeld der Opfer. Decker ist ruhiger geworden. Viele Situationen in denen er früher hitzköpfig reagiert hätte, meistert er inzwischen souverän und mit mehr Kalkül. Auch als Mentor für Lennie und McAdams verhält er sich großartig, ohne spießig zu sein. Die Geschichte rund um Rina ist dieses Mal etwas im Hintergrund. Rina hilft zwar fleißig, aber im Vergleich zu manch anderem Band der Reihe gibt es keine größeren privaten Dramen, die Kinder werden nur kurz erwähnt. Das ist ein wenig schade, weil ich das immer sehr gerne mochte, hätte aber neben diesem großen Fall auch gar keinen Platz mehr gehabt. Die eher große Anzahl an Personen hat mich zu Beginn etwas verwirrt, wurde dann aber schnell übersichtlicher. Die Figur von Lennie fand ich interessant, aber nicht so gut beschrieben wie beispielsweise McAdams bei seiner Einführung. Der wiederum ist in diesem Fall im Vergleich zu den letzten sehr ruhig und vernünftig – hitzköpfig und ungestüm fand ich ihn ein wenig sympathischer.

Der Schreibstil von Faye Kellerman ist wieder immer toll, gründlich beschrieben ohne irgendwo unnötig auszuschweifen, viele Dialoge, genau so, wie ich es gerne mag. Der Fall selbst war spannend und die letzten 150 Seiten habe ich ohne Pause gelesen, noch nicht mal Zeit, etwas zu trinken war dabei. Es war einfach nur atemberaubend! Am Ende gab es sogar einen klitzekleinen Cliffhanger, mal sehen ob uns eine der Personen nochmal begegnet. Ich freue mich schon sehr darauf, noch möglichst lange von einem meiner absoluten Lieblingsermittler zu lesen!


Vielen Dank an das Harper Collins, über die ich dieses Buch freundlicherweise kostenlos zur Verfügung gestellt bekam. Für das Verfassen der Rezension wurde ich nicht bezahlt.

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Category:Krimi

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