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Rezension Eine irische Familiengeschichte von Graham Norton

Titel: Eine irische Familiengeschichte

Autor: Graham Norton

Verlag: Kindler

ISBN: 9783463407203

Seitenzahl: 352

Erscheinungsdatum: 26. März 2019

Preis: 22,00 €


Kurzbeschreibung Eine irische Familiengeschichte von Graham Norton

Elisabeth kommt zurück in ihre Heimat, ein kleines irisches Städtchen, um den Besitz und das Haus ihrer kürzlich verstorbenen Mutter zu veräußern. Während sie von Erinnerungen heimgesucht und von der Familie bedrängt wird, plagen sie Sorgen um ihren (fast) erwachsenen Sohn, der eigentlich zu seinem Vater fahren sollte, dort aber nie angekommen ist. Und dann tauchen Briefe von Elisabeths verstorbenem Vater auf, an ihre Mutter gerichtet, und Elisabeth bekommt die Chance, endlich etwas über ihre Vergangenheit zu erfahren, auch wenn sie irgendwann nicht mehr weiß, ob sie diese Geheimnisse wirklich ans Licht holen will.


Rezension Eine irische Familiengeschichte von Graham Norton

Elisabeth, Mitte 40, hat den Weg von ihrer neuen Heimat New York zurück nach Irland auf sich genommen. Sie will das Haus ihrer verstorbenen Mutter, das Haus in dem sie selbst aufgewachsen ist, leer räumen und verkaufen. Sie versucht dabei, ihre leicht nervige Verwandtschaft zu vermeiden, was nur bedingt klappt. Dann stößt sie im Kleiderschrank auf ein Kästchen mit vergilbten Briefen und einem Babyschuh. Sie wird neugierig und beginnt zu lesen…

Gleichzeitig, immer in wechselnden Kapiteln, liest man die besagten Briefe. Sie sind von Edward, Elisabeths Vater, an ihre Mutter Patricia gerichtet. Nach und nach enthüllt sich die Geschichte, wie die beiden sich kennengelernt haben: Patricia hat bis in ihre frühen Dreißiger ihre kranke Mutter gepflegt und dann, nach deren Tod, Sorge, sie könnte keinen Mann mehr finden. Als sie gegenüber ihrer besten Freundin Rosemary den Wunsch äußert, einen netten Mann kennen zu lernen, um mit ihm auf einem Bauernhof zu leben, hat diese die Idee, in einem Landwirtschaftsmagazin zu inserieren. Und dann meldet sich Edward. Wortgewandt, zärtlich und einfühlsam schreibt er ihr mehrmals, bis es zu einem ersten Treffen kommt, dann zu noch einem, bei dem sie zu ihm nach Hause fahren soll.

Hier enden die Briefe und Elisabeth ist neugierig was danach passiert ist, denn sie selbst hat ihren Vater nie kennengelernt und von der Mutter nur erfahren, dass er gestorben ist. Als sie dann auch noch Post vom Anwalt erhält und überraschend das Haus ihres Vaters erbt, wobei der Anwalt ihr eröffnet, dass dieser keineswegs tot ist, ist sie mehr als erstaunt und beginnt, zu forschen.

Patricia hingegen, deren Geschichte man parallel liest, stellt bei Edward angekommen schnell fest, dass etwas ganz und gar nicht stimmt. Doch dann ist es zu spät und die Geschichte verwandelt sich in einen echten Krimi.

Was ich erwartet habe, als ich dieses Buch begonnen habe?

Eine eher ruhige Familiengeschichte, die die Atmosphäre in Irland aufgreift und auf das Leben von Elisabeth und Patricia eingeht. Was ich gefunden habe? Eine spannende, gleichzeitig schockierende wie rührende Geschichte, die schlicht und dabei sehr einfühlsam geschrieben ist.

Ich habe dieses Buch in einem Rutsch gelesen, fasziniert von der Geschichte und neugierig darauf, wie es weiter geht. Elisabeth ist eine sympathische Person, die mit ihrer Vergangenheit zu kämpfen hat, ebenso wie mit der Gegenwart und am Ende auch mit der Zukunft. Sie lebt mit ihrem fast erwachsenen Sohn alleine in New York seit ihr Mann gemerkt hat, dass er homosexuell ist. Zu ihrer Mutter hatte sie ein eher gespaltenes Verhältnis, hat sich oft eingeengt gefühlt, da die Mutter nicht loslassen konnte. Die Abwesenheit eines Vaters im Irland der 1970er Jahre war sehr hart und Elisabeth hatte immer unter Gerüchten und dem Getuschel der Anderen zu leiden. Ich verstehe daher ihre gemischten Gefühle. Trotz allem ist ihre Art, um die Mutter zu trauern, für mich schwer nachvollziehbar, sehr gefasst und kühl wirkt sie in diesen Momenten. An anderen Stellen der Geschichte jedoch zeigt sie sehr viele Emotionen.

Patricia hingegen, die in einer ganz anderen Zeit aufgewachsen ist, ist auch ein komplett anderer Typ. Sehr beherrscht, oft ernüchtert durch das bisher Erlebte und die lange Zeit, in der sie sich um ihre Mutter gekümmert hat. Sie ist eine mutige Frau, die für ihr Glück kämpft, aber auch ein wenig naiv darin, wie sie an die Geschichte mit Edward heran geht. Zwei sehr unterschiedliche Frauen, die so vieles verbindet. Die Zeitsprünge sind gut gewählt und bauen die nötige Spannung auf, und obwohl es ja gar kein Thriller sein soll, liest es sich an manchen Stellen so. Durch den Verzicht auf Horror-Elemente oder Ähnliches bleibt es dann aber doch bei „nur“ einem Drama.

Erstaunlich finde ich, dass ein männlicher Autor einen Roman schreibt, in dem es zwei weibliche Protagonisten gibt. Graham Norton schafft es auf für mich beeindruckende Weise, sich in Patricia und Elisabeth hinein zu versetzen. Irland als Kulisse bietet einen interessanten Hintergrund, da hier ja Religion und Konventionen noch deutlich länger im Fokus standen, als in anderen Ländern Europas. Man kann sich also die Gerüchteküche um die alleinerziehende Patricia vorstellen.

Das Ende gerät ein wenig dramatisch, aber überzeugt euch wie immer selbst.


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Danke an die Bücherinsel für dieses kostenlose Leseexemplar! Für das Verfassen der Rezension wurde ich nicht bezahlt.

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Category:Drama, Roman

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