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Rezension Ein Bild von dir von Jojo Moyes (Hörbuch)

Titel: Ein Bild von dir

Autorin: Jojo Moyes

Verlag: Argon hörbuch

ISBN:978-3-8398-1385-0

Länge:  8 Stunden 49 Minuten (gekürzte Fassung)

Erscheinungsdatum: 23. Januar 2015

Preis: UVP 19,95 €


Kurzbeschreibung Ein Bild von dir von Jojo Moyes (Hörbuch)

Mitten im Ersten Weltkrieg versucht die junge Sophie gemeinsam mit ihrer Schwester und deren Kindern gegen die Deutschen, die ihr kleines französisches Heimatdorf besetzen, Widerstand zu leisten. Die Männer der beiden Schwestern sind irgendwo im Krieg, sie führen alleine den elterlichen Gasthof, wo sich bald deutsche Soldaten einquartieren. Der Kommandant der Truppe hat besonderen Gefallen an Sophie und einem Porträt von ihr gefunden, das ihr Mann Édouard gemalt hat. Was hat es mit diesem Bild auf sich?

Anfang des 21. Jahrhunderts hängt eben dieses Bild bei Liv an der Wand. Es ist für sie eine kostbare Erinnerung an ihren verstorbenen Mann David. Nach dessen Tod 4 Jahre zuvor ist sie nicht wieder richtig auf die Beine gekommen. Und jetzt kommt die Familie des Künstlers und möchte das Bild wieder haben.


Rezension Ein Bild von dir von Jojo Moyesn (Hörbuch)

Sophie

Ich mag Geschichten, die in den Weltkriegen spielen und bewundere, wie stark die Menschen damals sein mussten um all dieses Leid zu ertragen. Auch in dieser Geschichte ist die Französin Sophie stärker, als ich es jemals sein musste. Nicht nur, dass ihr Mann, Édouard, irgendwo in den Wirren des Ersten Weltkriegs verschollen ist, vermutlich in einem Gefangenenlager, nein, sie muss sich auch noch um den Gasthof der Eltern, ihre Schwester, deren Kinder und bald auch um die junge Édith, deren Mutter von den Deutschen gefangen genommen wurde, kümmern. Als eines Tages ein deutscher Kommandant vor ihr steht und ihr eröffnet, dass er künftig jeden Tag mit seinen Soldaten in ihrem Gasthof die Mahlzeiten einnehmen möchte, ist es für sie der reine Horror, den verhassten Feind in ihrem Haus zu haben. Auch von den anderen Dorfbewohnern schlägt ihr eine Welle von Hass entgegen. Aber sie hat kaum eine andere Wahl.

Von Anfang an bewundert der Kommandant ein Porträt Sophies, das an der Wand hängt. Ein Porträt aus besseren Zeiten, von einer stolzen und wilden Sophie, so wie ihr Mann Édouard sie erlebt und kennengelernt hat. Nach und nach bekundet der Kommandant aber auch immer mehr Interesse an Sophie selbst und als schließlich die Nachricht durchdringt, dass Édouard in einem Gefangenenlager ist und dort zu sterben droht, beschließt Sophie, einen verzweifelten Schritt zu gehen.

Sophie lebt unter Bedingungen, die ich mir glücklicherweise nicht mal annäherungsweise vorstellen kann. Sie ist mir sehr sympathisch, auch wenn ich nicht weiß, ob ich mich so verhalten hätte wie sie. Die Stimmung in dem kleinen französischen Dorf wird gut eingefangen, die Feindseligkeit gegenüber den Deutschen und jedem, der mit ihnen in Verbindung gebracht wird, aber auch der Zusammenhalt unter den Dorfbewohnern.


Liv

Auf der anderen Seite ist da heute Liv, im gleichen Alter wie Sophie damals. Livs Mann David ist vier Jahre zuvor gestorben, woran und unter welchen Umständen erfährt man erst recht spät im Buch. Liv hat hohe Schulden, kaum Freunde und vor allem keinerlei Lebensfreude mehr. Sie lebt im ehemals gemeinsamen Haus voller Erinnerungen. Dann lernt Liv in einer Schwulenbar (wo sie hingeht um nicht angesprochen zu werden und trotzdem an Davids Todestag nicht alleine zu sein) Paul kennen. Er ist ihr Retter in der Not, als ihr die Handtasche geklaut wird. Nur weil sie denkt, er wäre schwul (naheliegend, wenn man sich in einer Schwulenbar kennen lernt), geht sie mit ihm mit und verbringt die Nacht bei ihm weil ja mit der Handtasche auch ihr Schlüssel weg ist. Schnell macht er ihr klar, dass er keineswegs schwul ist und eine zarte Romanze bahnt sich an.


Die “Jeune femme”

Doch dann kommt die Nachricht, dass die “Jeune femme”, das Gemälde in Livs Schlafzimmer, das ihr David während der Hochzeitsreise geschenkt hat und von dem er immer sagte, es erinnere ihn an sie, eventuell gestohlene Beutekunst aus dem Ersten Weltkrieg ist. Ausgerechnet Paul ist derjenige, der das Bild aufspüren sollte und der jetzt schwer mit sich hadert, wem er sich mehr verpflichtet fühlt, Liv oder seinem Job.

Liv ist stinksauer auf Paul und kämpft wie eine Löwin für ihr Bild, entgegen jeglicher Vernunft, obwohl sich viele Menschen von ihr abwenden und obwohl der Fall komplett aussichtslos scheint.

In der Geschichte schwingt unheimlich viel Traurigkeit mit. Jojo Moyes schafft es, so zu schreiben, dass man sich komplett in Liv hineinversetzen kann; traurig, hoffnungslos, verzweifelt, resigniert, ein Leben ohne jegliche Freude. Umso mehr habe ich mich gefreut, als sie mit Paul zum ersten Mal wieder ein wenig Hoffnung verspürt und aus ihrem tristen Leben ausbricht. Und dann der Schock, auch für Paul, als er feststellt, dass das Gemälde, das er aufspüren soll, bei Liv an der Wand hängt. Liv reagiert unvernünftig, bockig, will dieses besondere Geschenk ihres Manns nicht hergeben. Ich selbst war hin- und hergerissen. Natürlich kann ich sie verstehen, aber Édouards Familie, die das Bild zurück haben möchte, natürlich auch. Es folgt eine Reihe von Recherchen und Gerichtsverhandlungen. Immer wieder gibt es Rückblenden zu Sophie oder zu wichtigen Zeitzeugen; und immer wieder gibt es Überraschungen.


Meine Meinung

Ich habe von Jojo Moyes schon Einiges gelesen und in letzter Zeit auch als Hörbuch gehört. Manchmal hat mich dabei die nicht ganz so emotionale Stimme von Luise Helm gestört, zu dieser Geschichte allerdings, mit der ganzen Traurigkeit, hat sie perfekt gepasst.

“Ein Bild von dir” war für mich vor allem interessant, weil ein Teil der Geschichte im Ersten Weltkrieg spielt. Meistens geht es in Romanen eher um den 2. Weltkrieg und zu lesen, wie die Leute im Heute das durcheinander werfen, war spannend. Als Liv ihr Bild nicht hergeben will, wird sie immer wieder angefeindet, ein “Nazi” zu sein, obwohl es die ja unter dem Namen im Ersten Weltkrieg noch gar nicht gab. Man sieht aber auch wieder, was für ein empfindliches Thema das ist.

In vielen Geschichten, in denen es um Beutekunst geht, hört man die Geschichte derjenigen, denen die Kunst gestohlen wurde. Hier ist es andersrum und ich fand es gut, mal diese Seite zu hören. Natürlich möchte ich den Raub von Kunst während eines Krieges nicht verherrlichen, aber es gibt eben manchmal nicht nur die eine Wahrheit… wie in diesem Fall.

Alles in allem eine schöne Geschichte für’s Herz, die mich für einige Stunden gefesselt und berührt hat!

 

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Category:Roman

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