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Rezension Die Rivalin von Michael Robotham

Titel: Die Rivalin

Autor: Michael Robotham

Verlag: Goldmann

ISBN: 9783442314096

Seitenzahl: 512

Erscheinungsdatum: 27. Dezember 2017

Preis: 14,99 €


Kurzbeschreibung Die Rivalin von Michael Robotham

Zwei Frauen, die auf den ersten Blick nicht unterschiedlicher sein könnten: Agatha und Meghan. Während Agatha als Aushilfe in einem Supermarkt arbeitet und zurückhaltend und vielleicht etwas schrullig wirkt, ist Meghan erfolgreiche Bloggerin und Mutter zweier Kinder. Die Beiden begegnen sich in ihrem Heimatort immer wieder. Während Agatha begierig jedes Detail aus Meghans Leben in sich aufsaugt, beachtet diese sie kaum. Erst als beide Frauen gleichzeitig schwanger sind, baut sich ein zarter Kontakt auf. Doch das reicht Agatha nicht. Sie will nicht nur Meghans Freundin sein, sondern ihr Leben leben!


Rezension Die Rivalin von Michael Robotham

Michael Robotham ist einer meiner absoluten Lieblingsautoren. Ich liebe die Reihe um den Psychologen Joe O’Loughlin und habe jeden Teil gelesen. Einige der Bücher wurden übrigens auch im ZDF verfilmt (beispielsweise Amnesie und Adrenalin), mit Ulrich Noethen in der Hauptrolle und ich fand sie für eine Literaturverfilmung ziemlich spannend (was keine Kritik an Literaturverfilmungen allgemein ist, aber ihr kennt das ja; man liest ein Buch, hat Bilder dazu im Kopf, und dann kommt der Film und ist ganz anders. Oder Details, die einem selbst wichtig waren, wurden weggekürzt. Das ZDF hat das schlau gelöst, indem es gar nicht erst versucht hat, das Buch genau abzubilden, sondern sich lieber ein wenig künstlerische Freiheit herausnimmt). Als ich von diesem Thriller gehört habe, war ich dementsprechend sehr gespannt, ob mich auch andere Protagonisten so überzeugen können und soviel vorab: ich wurde nicht enttäuscht.

Zwei ganz verschiedene Frauen…

Die Rivalin wird aus zwei unterschiedlichen Perspektiven erzählt: aus der Sicht von Agatha und Meghan, jeweils in Ich-Form. Schon beim Lesen der ersten Seiten zu jeder Person merkt man, wie unterschiedlich die Beiden sind. Robotham schafft es schon alleine durch den Schreibstil eine Stimmung zu erzeugen, die zu den Figuren passt. Während auf den ersten Blick in Meghans Leben alles perfekt erscheint (verheiratet, zwei Kinder, mit dem dritten schwanger, eigenes großes Haus, erfolgreicher Blog), wirkt Agathas Leben sehr trist. Die schwierigen Bedingungen bei ihrer Arbeit als Aushilfe im Supermarkt, wo sie trotz fortgeschrittener Schwangerschaft Aufgaben erledigen muss, die gesetzlich nicht erlaubt wären, die Tatsache, dass das Baby in ihrem Bauch bei einer kurzen Affäre mit einem Navy-Soldaten entstanden ist und unklar ist, wie es mit ihm weitergeht, die Geldsorgen. Agatha scheint eine sehr unglückliche Person zu sein, sie hat oft das Gefühl, entweder übersehen oder mit abschätzigen Blicken gemustert zu werden. Das Einzige, was sie glücklich macht, ist die Vorfreude auf ihr Baby.
Nach und nach erfährt man viel über die Beiden und mit jeder Seite hat mich ein wenig mehr das Gefühl beschlichen, dass etwas nicht stimmt. Erst konnte ich nicht ganz fassen, was es ist, aber dann verdichteten sich die Hinweise. Agatha sieht Meghan immer wieder, bewundert und beneidet sie. Irgendwann wird sie mutiger und versucht sie kennenzulernen. Allerdings nicht auf eine Weise, auf die ich das vermutlich tun würde – Agatha beobachtet Meghan immer wieder und taucht überall auf, wo sie auch ist, bis sich ein Gespräch fast nicht mehr vermeiden lässt. Natürlich geht es dabei viel um die Schwangerschaften der Beiden. Agatha verstrickt sich jedoch immer wieder in Widersprüche. Nicht gegenüber Meghan, aber dem Leser verrät sie damit nach und nach, dass etwas faul sein muss an allen ihren Geschichten.

Jetzt wird es richtig spannend…

Im zweiten Teil des Buchs ist dann Schluss mit Beschreibungen der beiden Leben, es folgt Action pur. Ich kann und will hier nicht zu viel verraten, aber Agatha mischt sich auf eine Weise in Meghans Leben ein, die sehr drastisch ist. Man neigt dazu, sie dafür zu verurteilen, was sie tut; dafür, dass sie Meghan und ihre Familie mit ihren Handlungen massiv bedroht und verletzt. Aber ich habe mich damit schwer getan, denn hinter allem steht ein wirklich trauriges Schicksal und in vielen Momenten konnte ich Agatha auch verstehen. Und so fiebert man einerseits mit Meghan mit, die am Boden zerstört ist und deren Familie (die nämlich doch nicht so perfekt ist, wie es zu Beginn scheint) daran zu zerbrechen droht, während man gleichzeitig für Agatha hofft, dass es irgendeine Möglichkeit gibt, wie sie halbwegs unbeschadet wieder aus der Sache herauskommt.

Meine Meinung

Michael Robotham schreibt – wie ich es von ihm kenne – mit einem beeindruckenden Schreibstil, der es erlaubt, sich komplett in die Protagonistinnen und die Geschichte hinein zu versetzen. Obwohl mein Leben von dem beider Frauen weit entfernt ist, konnte ich nachvollziehen, was sie denken und fühlen. Ich habe Seite für Seite verschlungen und gehofft, dass es irgendeinen magischen Schlüsselmoment gibt, der am Ende beide Frauen wieder glücklich macht.
Wie in allen Büchern Robothams sind die psychologischen Hintergründe – meiner Laien-Meinung nach – gut herausgearbeitet und keine der Personen ist nur schwarz oder weiß dargestellt. Das mag ich an seinem Schreibstil wirklich gerne, denn so erlebt man es ja auch im echten Leben. Bei ihm gibt es keine grundlosen bösen Killer oder den immer guten Polizisten oder Ähnliches: jeder hat seine guten und seine schlechten Seiten, niemand ist perfekt und die meisten Wesenszüge lassen sich erklären bzw. nachvollziehen. Ich freue mich deshalb schon auf viele weitere Bücher von ihm!


Dieses Buch wurde mir von meiner Lieblingsbuchhandlung, der Bücherinsel in Durmersheim, kostenlos zur Verfügung gestellt. Für das Verfassen der Rezension wurde ich nicht bezahlt.

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Category:Drama, Thriller

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