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Rezension Die Jahrhundert-Saga von Ken Follett (Hörbuch)

Titel: Sturz der Titanen (Band 1), Winter der Welt (Band 2), Kinder der Freiheit (Band 3)

Autor: Ken Follett

Verlag: Bastei Lübbe

ISBN: 9783785744000 (Band 1), 9783785746875 (Band 2), 9783785750049 (Band 3)

Dauer:  37 Stunden und 2 Minuten (Band 1), 35 Stunden und 50 Minuten (Band 2), 42 Stunden und 11 Minuten (Band 3)

Erscheinungsdatum: 28. September 2010 (Band 1), 14. September 2012 (Band 2), 16. September 2014 (Band 3)

Preis: je 15,99 €


Kurzbeschreibung Die Jahrhundert-Saga von Ken Follett

Die Welt im 20. Jahrhundert war geprägt von Kriegen und Konflikten, aber auch von Veränderung und Revolution. Ken Follet beschreibt auf unvergleichliche Art und Weise, wie diese Ereignisse unsere Welt verändert und zu der gemacht haben, die sie heute ist. Beginnend kurz vor Ausbruch des 1. Weltkriegs, über drei Bände verteilt hin bis zur Maueröffnung begleiten wir gemeinsam mit ihm mehrere Personen und Familien in Deutschland, Großbritannien, den USA und Russland und lernen so auf spannende und mitreißende Art, was die Menschen im vergangenen Jahrhundert bewegt hat.


Rezension Die Jahrhundert-Saga von Ken Follett

In den letzten Wochen hatte ich mir ein großes Hörbuch-Projekt vorgenommen, nämlich die Jahrhundert-Trilogie von Ken Follett. Diese Saga ist äußerst ambitioniert, und genauso ist es vermutlich auch, eine Rezension über alle drei Teile zu schreiben, ohne zu spoilern und gleichzeitig dem Werk gerecht zu werden. Aber ich gebe mein Bestes 😉

Die Jahrhundert-Saga

Ken Follett hat es sich zur Aufgabe gemacht, ein Abbild der Gesellschaft im 20. Jahrhundert zu schaffen. Beginnend kurz vor dem 1. Weltkrieg, bis hin zur Maueröffnung am Ende des Jahrhunderts begleiten wir gemeinsam mit ihm mehrere Personen, Familien in verschiedenen Ländern der Welt, die maßgeblich an den Ereignissen dieses Jahrhunderts beteiligt waren. Vieles davon ist dementsprechend fiktiv, mit erfundenen Personen, aber trotzdem kommen auch reale historische Personen zu Wort und spielen eine wichtige Rolle.

Sturz der Titanen

Im ersten Band der Saga lernen wir die Protagonisten der Reihe kennen. Als Hörbuch war das zugegegeben ein wenig schwierig, da es echt eine Menge Personen sind. In den Büchern – wurde mir erzählt – gibt es ein sehr gutes Personenverzeichnis, das einem ein bisschen weiterhilft.

Beginnend kurz vor dem 1. Weltkrieg begleitet man die Familie von Ethel und Billy, die in England aus einer armen Bergarbeiterfamilie stammen. Während der junge Billy im Bergbau arbeitet, wie alle in seiner Familie zuvor, ist Ethel als Hausmädchen beim reichen Earl Fitzherbert angestellt. Als sie ungeplant von diesem schwanger wird, flieht sie mit dem Ungeborenen nach London, wo der Earl sie weiterhin finanziell unterstützt. Ethel engagiert sich in der Sufragetten-Bewegung und gründet gemeinsam mit der rebellischen Schwester des Earls eine Zeitung zur Stärkung des Frauenrechte.

Auch der Earl und seine russische Ehefrau spielen eine wichtige Rolle in diesem Roman, ebenso wie dessen Schwester Maud, die in den deutschen Walter von Ulrich verliebt ist – nicht die beste Konstellation zu Zeiten, in denen England und Deutschland kurz vorm Krieg stehen.

Ein weiterer Handlungsstrang spielt in Russland, wo die beiden Brüder Lew und Grigori Peschkow unter ärmsten Umständen in einer Fabrik arbeiten und immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Während Grigori davon träumt, nach Amerika auszuwandern, und fleißig Geld dafür spart, hat Lew nichts als Unsinn im Kopf. Es gipfelt darin, dass er einen Polizisten tötet und fliehen muss. Grigori weiß sich nicht anders zu helfen, als Lew sein Ticket für die Passage nach Amerika zu überlassen. Erst danach stellt er fest, dass sein Bruder zudem noch eine junge Frau verführt hat und diese ein Kind von ihm erwartet. Ob es Zufall oder Schicksal ist, dass es die gleiche Frau ist, von der Grigori schon so lange träumt? Eine große Chance bietet sich ihm.

Und schließlich bekommt man natürlich auch die Sicht der USA geschildert: der junge Diplomat Gus Dewar ist bemüht, die politischen Verflechtungen des 1. Weltkriegs im Blick zu behalten und dem Krieg ein Ende zu setzen. 

Die Schicksale all dieser Personen sind auf die eine oder andere Art und Weise miteinander verknüpft. Jeder spielt seine Rolle im großen Ganzen und schildert eine andere Sichtweise der Geschehnisse. Intelligent verwoben sind dabei die realen Ereignisse und die fiktiven Geschichten der einzelnen Personen, die stellvertretend für so viele andere Personen stehen sollen. Follet betont selbst, die realen Charaktere seien historisch so genau wie möglich eingebettet; was sie sagen, ist teils original, entstammt Zitaten aus historischen Niederschriften und Protokollen. Falls es keine Quellen gab, sagt oder tut keine historische Persönlichkeit Dinge, die sie in real nicht auch hätte sagen oder tun können. Tatsächlich hat man am Ende das Gefühl, manche Zusammenhänge und Beweggründe besser verstanden zu haben als nach all den Jahren des Geschichtsunterrichts an der Schule.

Winter der Welt

Im Jahr 1933 beginnt der zweite Teil von Ken Folletts Saga. Wieder folgt man den gleichen Personen bzw. deren Nachkommen, wie im ersten Band, wieder erlebt man die Geschehnisse der kommenden Jahre, bis kurz nach Kriegsende, in den verschiedenen Ländern: in Deutschland, Großbritannien, Russland und den USA. 

Während der junge Lloyd in England gegen die rechten Bewegungen kämpft, die es auch dort lange Zeit gegeben hat, tut die deutsche Carla das gleiche in ihrer Heimat. Während sich jedoch in Deutschland Hitler durchsetzen kann und sich die Situation für Carla und ihre Familie immer weiter zuspitzt, steht England plötzlich auf der anderen Seite des Krieges. 

Die Amerikanerin Daisy heiratet einen englischen Lord, liebt jedoch einen anderen. Und auch in Russland tut sich Einiges, auf dem Weg hin zum Kommunismus.

Die Gräueltaten des 2. Weltkriegs werden hier zwar teilweise sehr drastisch beschrieben, im Großen und Ganzen aber nur angerissen.

Kinder der Freiheit

Die beiden Weltkriege sind überstanden und die Welt im Begriff, sich wieder aufzubauen. Doch noch sind wir meilenweit entfernt von dem, wie wir es heute kennen: der Mauerbau in Berlin und Deutschland, der kalte Krieg, die Bedrohung durch Atombomben, aber auch die Freiheitsbewegung der 70er Jahre, Musik und Drogen prägen die Welt. Zum ersten Mal in der Jahrhundert-Saga spielt auch ein großer Teil der Geschichte auf amerikanischem Boden, wo es um die Bürgerrechte der Schwarzen geht, ebenso wie um die Verwicklungen um die amerikanischen Präsidenten. Personen, deren Basis bereits in den anderen beiden Bänden gelegt wurden, spielen hier auf einmal eine sehr wichtige Rolle, wie beispielsweise der junge schwarze George, der sich politisch stark engagiert. 

In Deutschland, das durch die Mauer gespalten ist, gelingt es Rebecca und auch ihrem Bruder Walli zu flüchten, nicht ohne Opfer zu bringen – so wird Rebeccas Mann schwer verwundet und sitzt fortan im Rollstuhl, Walli wiederum muss seine Freundin und das ungeborene Kind zurücklassen, wo sie und der Rest der Familie von Rebeccas Ex-Mann, einem DDR-Funktionär, drangsaliert werden. Walli hingegen begibt sich zu seinem Großcousin Dave nach London und gemeinsam gründen sie eine sehr erfolgreiche Band. Und so kann Walli wenigstens musikalisch seine Tochter erreichen, die er noch nie gesehen hat.

In Russland sind die Zwillinge Dimka und Tanja hin und hergerissen zwischen der Liebe zu ihrem Land, dem Glauben an den Kommunismus und den Schrecken, den die Russen verbreiten. Während Dimka im Staatsdienst ist und versucht, dort Einfluss zu nehmen, ist Tanja deutlich revolutionärer und engagiert sich für eine Untergrund-Zeitung und die geheime Verbreitung von anti-kommunistischer Literatur. 

Meine Meinung

Erstmal: Wow! Trotz so vieler Seiten (oder in meinem Fall Minuten) und so viel Wissen, das vermittelt wurde, war keines der Bücher in irgendeiner Form langweilig. Im Gegenteil: obwohl gerade die deutsche Geschichte während der beiden Weltkriege ein wesentliches Thema in unseren Schulen ist und ich mich durchaus für dieses Thema interessiere, habe ich noch selten so eine gute Darstellung der historischen Ereignisse, gepaart mit spannenden persönlichen Schicksalen gelesen. Besonders aufgefallen ist mir das im ersten Teil, in dem der 1. Weltkrieg so eindrücklich beschrieben wird, dass man das Gefühl hat, selbst dabei zu sein. Warum es überhaupt soweit kommen konnte und was das für die Menschen bedeutet hat, wurde mir hier nochmal viel klarer als vorher. Im zweiten Teil muss ich gestehen, ging mir dann alles etwas schnell. Ob ich ohne meine Vorkenntnisse wirklich alle Zusammenhänge so gut verstanden hätte, weiß ich nicht. Natürlich wurde hier bereits ein deutlich längerer Zeitraum beschrieben, aber etwas verschwommen blieb es meiner Meinung nach doch. Besonders wenn man weiß, was da noch alles gelaufen ist, wird einem klar, wie viel auch ausgelassen wurde. Der dritte Teil beschreibt ja dann einen Zeitraum von ca. 40 Jahren, da ist es natürlich nochmal anders. Allerdings kamen die Ereignisse natürlich nicht so knall auf Fall wie in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Ich weiß nicht, ob es der Saga gut getan hätte, das nochmal in zwei Bände zu teilen und lieber auch die ersten Jahre nach der Maueröffnung noch mit einzuschließen. So gab es doch auch oft größere Zeitsprünge.

Die persönlichen Geschichten, die Ken Follett in sein historisches Wissen mit einbindet, haben mir sehr gut gefallen. Trotz der vielen Personen, die hier vorkommen, gelang es mir soweit ganz gut, den Überblick auch im Hörbuch zu behalten. Die meisten Protagonisten sind sympathisch, aber natürlich gibt es auch hier diejenigen, die sich nicht so toll verhalten. Davon lebt ja eine spannende Geschichte schließlich. Auf seine Art hat aber jeder auch wieder etwas Gutes in sich – spätestens dann wenn er oder sie dann älter ist. Natürlich spiegeln die beschriebenen Personen nur bedingt die tatsächliche Bevölkerung wieder, denn sie sind alle auf die eine oder andere Art politisch engagiert und bemüht, das Zeitgeschehen mitzugestalten. Das repräsentiert natürlich nicht den Großteil der Bevölkerung, macht es aber umso spannender. 

Alles in allem war die Jahrhundert-Saga für mich eine extrem spannende und lehrreiche Buchreihe, die mich für viele Stunden gefesselt hat. Ich habe von Ken Follett schon Einiges gelesen, aber ich fand das historische Wissen in diesem Fall wirklich beeindruckend – vielleicht sollte man die Bücher zur Pflichtlektüre im Geschichtsunterricht machen? 

Besonders in der aktuellen Situation, in der sich unsere Welt ja auch irgendwie im Ausnahmezustand befindet und ich persönlich seit 4 Wochen kaum mehr vor die Tür gegangen bin, macht mir diese Saga aber auch sehr deutlich bewusst, wie viele schlimme Zeiten die Menschheit schon durchgestanden hat, bzw. wie schlimm die Zustände in vielen Ecken dieser Welt noch immer sind. Wir kämpfen gegen ein Virus, aber wir kämpfen in großem Komfort. Wir müssen keinen Hunger leiden, haben Strom und Wasser, eine warme Wohnung. Es fallen nachts keine Bomben und wir werden nicht von unserer Regierung unterdrückt. Und wir haben die Möglichkeit mit unseren Lieben, die wir so sehr vermissen, zu kommunizieren, müssen nicht wochenlang auf Post warten und uns bis dann fragen, ob die Familienmitglieder noch leben oder nicht. 

Also optimistisch bleiben!


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