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Rezension: Die Geschichte der getrennten Wege von Elena Ferrante

Infos zu Die Geschichte der getrennten Wege

Titel: Die Geschichte der getrennten Wege

Autorin: Elena Ferrante

Verlag: Suhrkamp

ISBN: 978351842575

Seitenanzahl: 540

Erscheinungsdatum: 28. August 2017

Preis: 24,00 €

Kurzbeschreibung Die Geschichte der getrennten Wege


Die Wege, die die beiden Freundinnen zu Beginn des dritten Bandes eingeschlagen haben, könnten unterschiedlicher nicht sein. Lila hat sich gänzlich aus ihrem goldenen Käfig und dem Rione befreit, lebt mit ihrem kleinen Sohn in ärmlichen Verhältnissen und schuftet tagein tagaus in der Fabrik eines alten Bekannten. Auch Elena hat den Absprung aus dem Rione geschafft, ihr Studium erfolgreich beendet und feiert den Erfolg ihres ersten Buches. Zudem ist sie verlobt mit ihrem Studienfreund Pietro, der aus einer bekannten intellektuellen Familie aus Norditalien kommt. Beide Freundinnen geraten mit den politische Querelen der 1970er Jahre in Berührung, Lila eher unfreiwillig, Elena hingegen aus Neugier und auf der Suche nach Material für neue Geschichten. Beide Freundinnen stoßen auf ihrem jeweiligen Lebensweg an ihre Grenzen.


Rezension Die Geschichte der getrennten Wege

Auch Ferrantes dritter Band, Die Geschichte der getrennten Wege, ist in seiner eigentümlich nüchternen Erzählweise Seite für Seite ungeheuer spannend, ohne im eigentlichen Sinne spannend zu sein. So sehr ich mich anfangs darüber aufgeregt habe, so sehr bin ich jetzt ein Fan davon. Die vernünftige Elena erntet endlich die Lorbeeren für ihre jahrelange hart erkämpfte Ausbildung. Sie steigt auf, aus dem von der Camorra beherrschten Elend im Rione, in die intellektuellen Kreise von Florenz. Das ist das Leben, welches Elena sich erträumt hat, doch wie Lila, stellt auch sie schon bald fest, dass nicht alles Gold ist, was glänzt. Lila und Elena leben inzwischen in völlig unterschiedlichen Welten und dennoch bricht der Kontakt zwischen ihnen zu keiner Zeit ganz ab, auch wenn zeitweise Funkstille herrscht. Der große Wert ihrer Freundschaft und die Nähe zueinander geben den beiden Frauen ein ums andere Mal Halt.

Es tauchen auch all die alten Bekannten wieder auf. Denn im dritten Band von Elena Ferrante werden die Karten zwischen den Charakteren nochmal neu gemischt und es entstehen – von mir zumindest – ungeahnte Konstellationen. Nach den ersten paar Seiten dachte ich schon, die Geschichte ist erzählt, für die Eine gibt es ein Happy End und für die Andere nicht, was kann da noch groß kommen? Aufgrund der Wendung, die die Geschichte nimmt, ist der Dritte wohl mein Lieblingsband. Vermutlich liegt es aber auch daran, dass ich mich am besten in die Elena in diesem Altersabschnitt einfühlen kann – endlich habe ich einen Zugang zu ihr, es war ja nicht immer einfach mit uns. Die tiefe Freundschaft der beiden Frauen, finde ich nach wie vor seltsam und auch manchmal nervig, was das Buch für mich aber keinesfalls schlechter macht, im Gegenteil. Die Freundschaft der beiden ist, ebenso wie Lila und Elena selbst, erwachsener geworden, diese Entwicklung hat Ferrante sehr gut hinbekommen. Die Beziehung zwischen Lila und Elena hat meiner Ansicht nach noch mehr Dimensionen als in den Büchern zuvor, boshaft, eifersüchtig, manipulativ, gehässig und trotzdem unerschütterlich und ehrlich.

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Category:Drama, Roman, Woman

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