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Rezension Der Insasse von Sebastian Fitzek

Titel: Der Insasse

Autor: Sebastian Fitzek

Verlag: Droemer HC

ISBN:9783426281536

Seitenzahl: 384

Erscheinungsdatum: 24. Oktober 2018

Preis: 22,99 €


Kurzbeschreibung Der Insasse von Sebastian Fitzek

Till ist verzweifelt: vor über einem Jahr verschwand sein kleiner Sohn Max spurlos auf dem Weg zum Nachbarshaus. Der Täter scheint klar: Guido Tramnitz. Er wurde gefasst, nachdem er erst ein kleines Mädchen und dann ihre Mutter umgebracht hatte. Jetzt sitzt er in der Psychiatrie. Das einzige Problem: trotz Tills fester Überzeugung, dass Tramnitz der Täter ist, schweigt dieser im Fall Max. Kein Hinweis darauf, was mit ihm passiert ist, wo man ihn – ob nun tot oder lebendig – finden kann. Und das treibt Till in den Wahnsinn. Im  wahrsten Sinne des Wortes: er entwickelt den völlig verrückten (?) Plan, sich selbst in eben diese Psychiatrie einweisen zu lassen, um dem Täter das Geheimnis um Max zu entlocken. Ob das gut gehen kann?


Rezension Der Insasse von Sebastian Fitzek

Endlich! Endlich darf ich euch hier ein Buch meines Lieblingsautors Sebastian Fitzek vorstellen. Ich bin Fitzek-Fan von Anfang an und erinnere mich noch sehr gut an meinen ersten Fitzek: “Amokspiel” (eigentlich sein zweiter Thriller, aber eben MEIN erster). Ich habe dieses Buch damals als Hörbuch gehört, mit der fantastischen Lesestimme von Simon Jäger im Ohr, und bin durch die Straßen von Valencia gelaufen, wo ich damals ein Auslandssemester verbracht habe. Danach hatte mich das Fieber gepackt und ich habe alle seine Bücher bzw. Hörbücher verschlungen. Ende Oktober dann endlich sein neuer Thriller “Der Insasse”, der zum Glück vom Nikolaus in meinen Stiefel gesteckt wurde.

Jetzt aber endlich zum Inhalt:

Der Hintergrund

Wie immer gibt es bei Sebastian Fitzek eine männliche Hauptfigur. In diesem Fall Till, Brandmeister mit einem Problem seine Emotionen im Griff zu halten (gleich in der ersten Szene rammt er mit dem Krankenwagen mehrere Autos, weil die ihm im Weg zu einem Einsatz stehen. Und glaubt nicht, dass ich ihn in dieser Situation nicht absolut verstehen kann, aber leider bereitet einem so ein impulsives Verhalten doch meistens Probleme). Tills Sohn Max ist ein Jahr zuvor verschwunden. Dabei wollte er nur kurz dem Nachbarsmädchen sein neuestes Legobauwerk zeigen. Seitdem ist Tills Leben ein einziges Chaos. Nicht nur die Verzweiflung über Max’ Verschwinden, sondern dann auch noch seine Frau, die ihn mitsamt der jüngeren Tochter verlassen hat und ihm wohl die Mitschuld an der Tragödie gibt, weil er Max alleine aus dem Haus gelassen hatte.

Der Plan

Till ist so verzweifelt, dass er den Plan entwickelt, sich als Patient in die gleiche Psychiatrie wie Tramnitz einliefern zu lassen. Dabei hofft er auf die Unterstützung seines Schwagers, der Polizist ist.

Gesagt, getan – ohne große Überlegungen wird die Aktion durchgezogen und schon ist Till in der Psychiatrie. Er benutzt dabei den Decknamen Patrick Winter: ein Mann, der sich selbst angezündet hat und eigentlich gerade verstorben ist. Seine Tarnidentität bereitet ihm doch bald einige Probleme, denn anscheinend hat sein Schwager schlecht recherchiert, was die Person Patrick Winters angeht – Till schlägt an vielen Stellen blanker Hass entgegen. Er ist außerdem noch weit entfernt von Tramnitz, der ja in einer Hochsicherheitsabteilung untergebracht ist. Es passieren auf einmal lauter merkwürdige Dinge: Till wird angegriffen, verprügelt, aber auch unerwartet unterstützt auf seinem Weg zum Mörder seines Sohns. Doch irgendwann versteht er einfach nicht mehr, was um ihn herum passiert, warum sich die Personen in seinem Umfeld verhalten, wie sie sich verhalten. Und auch dem Leser geht es nicht anders.

Verwirrung pur

Aus verschiedensten Perspektiven wird hier geschrieben, mal aus Sicht von Till, dann aus Sicht eines behandelnden Arztes, aus Sicht von Tills Frau und aus der von Patrick Winter, aber auch Max’ Geschichte hört man ein Stück weit. Ein raffiniertes Konstrukt aus kleinen Stückchen der Realität (oder dessen, was sich der jeweilige Protagonist einbildet, was die Realität ist), die sich nach und nach zu einem Gesamtbild verdichten.  

Fitzek versteht es wieder einmal, einen absolut spannenden Thriller zu liefern, der einem nicht nur das Blut in den Adern gefrieren lässt, wenn man von den abscheulichen Taten von Guido Tramnitz oder anderer Insassen der Psychiatrie liest, sondern auch die nötige Portion Ungewissheit und  Verwirrung beisteuert. Ich saß kurz vor Ende mit dem Buch auf der Couch, habe meinen Mann ratlos angeschaut und mich gefragt, wie das alles sein kann und was da gerade passiert. Und genau das liebe ich so an den Fitzek-Büchern: dass sie nicht vorhersehbar sind. Dass man immer wieder überrascht wird, genau dann, wenn man denkt, man hätte alles verstanden. Dass man das Buch vor lauter Spannung nicht mehr aus der Hand legen kann.

Ganz schön heftig…

Ich mag den psychologischen Hintergrund in Fitzeks Büchern sehr gerne und finde das Spiel mit Realität und Einbildung sehr reizvoll. Das ist genau die Art von Thriller, die ich am liebsten lese. Aber ich merke auch, dass mich die letzten Jahre und die Geburt meiner Tochter in Sachen Empfindlichkeit sehr verändert haben. Früher hat es mir nicht so viel ausgemacht, von irgendwelchen brutalen Foltermethoden zu lesen. Da aber oft Kinder die Opfer in Fitzeks Thrillern sind, fällt es mir zunehmend schwerer, das zu lesen und dabei nicht an meine eigene Tochter zu denken. Ich weiß, dass Sebastian Fitzek selbst Kinder hat und frage mich, wie er es schafft, sich solche Szenarien auszudenken. Klar, es ist nur Fiktion, ein Buch, nicht die Realität, aber mir geht das inzwischen doch sehr nahe. Geht euch das auch so?

Trotzdem werde ich dem Fitzek-Fieber auch weiterhin verfallen sein und freue mich schon riesig auf sein nächstes Werk. Ich habe gelesen, dass Sebastian Fitzek auch Lese-Touren macht, weiß aber nicht, ob sich das wohl rentiert. Hat jemand von euch damit schon Erfahrungen gemacht?


PS: Hatte ich schon den tollen Einband erwähnt? Das Buch sieht nicht nur aus, wie man sich die „Gummizelle“ einer Psychiatrie vorstellt, sondern fühlt sich auch so an!

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Category:Thriller

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