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Rezension Der Fund von Bernhard Aichner

Titel: Der Fund

Autor: Bernhard Aichner

Verlag: btb Verlag

ISBN:978-3442757831

Seitenzahl:  352

Erscheinungsdatum: 30. September 2019

Preis: 20,00 €


Kurzbeschreibung Der Fund von Bernhard Aichner

Eine tote Supermarktverkäuferin, verbrannt in ihrem Auto. Ein Racheakt? Eine Hinrichtung? Wer war Rita Dalek? Ein Polizist auf der Suche nach Antworten, eine Suche, die sich schwerer gestaltet, als gedacht, denn wer kannte Rita Dalek wirklich? Wer wusste, was sie in den letzten Wochen vor ihrer Ermordung erlebt hat und was der Auslöser für den Mord gewesen sein könnte? Und wer kann den entscheidenden Hinweis auf den oder die Täter geben?


Rezension Der Fund von Bernhard Aichner

Bernhard Aichner, ein österreichischer Autor, steht schon wirklich lange auf meiner Liste. Was ein Zufall, dass mir dann direkt sein neuestes Werk in die Hände gefallen ist.

“Der Fund” beginnt mit einer Befragung durch die Polizei. Die Vernommene ist eine alte Schulfreundin von Rita Dalek, die von deren Leben berichtet und davon, welche Träume Rita hatte. Sie erzählt auch vom plötzlichen, viel zu frühen Tod der Eltern und dass sie danach keinen Kontakt mehr zu Rita hatte. 

Dann folgt das erste Kapitel von Rita selbst, in dem man ihre aktuelle Geschichte erfährt, ab etwa drei Wochen vor dem Mord. Die Geschichte ist aus wechselnden Perspektiven geschrieben. Verhöre, Ritas Geschichte, Verhöre, usw.. In jedem Kapitel erfährt man ein bisschen mehr über Rita: Dass sie Schauspielerin werden wollte, aber wegen des Todes ihrer Eltern nicht mit der Schauspielschule weitergemacht hat. Dass sie dann eine tolle Krankenschwester war, geheiratet, ein Kind bekommen hat. Dass dieses Kind mit 12 Jahren bei einem Unfall ums Leben gekommen und ihr Mann seitdem Alkoholiker ist. Dass sie selbst in einem Supermarkt an der Kasse arbeitet, obwohl sie so viel mehr drauf hätte.

Ritas Mann, ihre Schwiegermutter, ihre Nachbarn, ihre Kollegen: alle werden sie verhört und kommen zu Wort. Jeder von ihnen liefert ein Puzzleteilchen und man bekommt ein zunehmend besseres Bild von dieser Frau, auch wenn sich dieses Bild mit jedem Verhör stetig verändert. 

Ritas Geschichte, die man währenddessen liest, ergänzt diese Puzzleteilchen. Sie macht in einer Bananenkiste im Supermarkt einen außergewöhnlichen Fund; einen, der ihr Leben durcheinander bringen wird. Noch weiß sie nicht, wie genau sie es anstellen soll, aber sie weiß, dass dieser Fund alles verändern wird. Gemeinsam mit ihrer sterbenskranken alten Nachbarin Gerda (die mal Richterin war) heckt sie einen Plan aus. Doch diese zwei eigentlich so unbescholtenen Bürgerinnen geraten an die falschen Personen, rechnen nicht mit der Niederträchtigkeit anderer Menschen und schweben plötzlich in großer Gefahr.

Rita ist eine bedauernswerte Person. Sie hat schon so viele Schicksalsschläge in ihrem Leben erlitten, dass sie eigentlich keine Kraft mehr für irgendetwas hat. Deshalb ihr trauriges Los als Supermarktverkäuferin. Längst hätte sie Karriere machen können, hatte Angebote dazu, aber sie hat einfach keine Energie, keine Leidenschaft. Der Fund hingegen verändert alles. Man fühlt mit Rita mit, als sie wieder ein kleines bisschen Mut schöpft, als sie daran zu glauben beginnt, dass die Welt vielleicht noch mehr für sie bereithält. Trotzdem wollte ich sie oft genug durchschütteln und ihr sagen, dass sie so einen gefährlichen Unsinn doch bitte lassen soll. Aber vermutlich kann ich mich  – glücklicherweise – nicht in ihre Situation versetzen.

Aichner zeigt hier ein Gesellschaftsbild auf, dass es sicherlich viel zu oft in unserer westeuropäischen Welt gibt, das Gefälle von Arm zu Reich, die Dramen, die Menschen jeden Tag erleiden müssen, ob jetzt Knall auf Fall wie der Unfalltod von Ritas Sohn, oder leise und schleichend wie der Alkoholismus ihres Mannes. Manchmal braucht es vielleicht einen Auslöser, um einen wachzurütteln und das Leben nochmal neu in die Hand zu nehmen.

So gut ich die Story eigentlich fand, so wenig war der Schreibstil von Bernhard Aichner mein Fall. Obwohl die Geschichte toll ist, die Dramaturgie super aufgebaut, bin ich mit seiner Art zu schreiben, nicht klar gekommen. Die Befragungen werden einfach mit Spiegelstrichen aufgeführt, man muss also ständig aufpassen, ob der Polizist (wobei man zu Beginn gar nicht sicher weiß, dass es ein Polizist ist) oder der/die Vernommene spricht. 

Die Kapitel von Rita Dalek sind in einer sehr knappen Sprache gehalten. Viele Sätze enthalten nur zwei oder drei Worte, sind streng genommen keine richtigen Sätze. Und ja, ich mache das auch manchmal. Aber eben nicht ausschließlich. Diese kurzen Sätze werden in ihrer Abgehaktheit noch dadurch unterstützt, dass für jeden Satz ein neuer Absatz verwendet wird. Für mich sehr schwer lesbar. 

Dialoge gibt es in Ritas Kapiteln quasi nicht. Natürlich wird gesprochen, aber meistens liest man nur, was die eine der Personen spricht, das auch nicht in Anführungszeichen, sondern kursiv und eingerückt. Es kommt eigentlich keine Antwort zurück, immerwährende Monologe…

Alles in allem wird das, sollten die anderen Bücher im gleichen Stil geschrieben sein, mein letzter Aichner gewesen sein. Das tut mir sehr leid, weil ich die Story wirklich toll fand. Aber die Art, wie das Buch geschrieben ist, hat es mich ein paar Mal beinahe weglegen lassen.

Macht euch aber am besten selbst ein Bild, ich freue mich auf eure Meinung!


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Category:Krimi, Thriller

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