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Rezension Capsule Wardrobe – Das Nähbuch von Henrike Domin

Titel: Capsule Wardrobe – Das Nähbuch

Autorin: Henrike Domin

Verlag: Edition Michael Fischer

ISBN: 9783960934240

Seitenzahl:  160

Erscheinungsdatum: August 2019

Preis: 24,99 €


Kurzbeschreibung Capsule Wardrobe – Das Nähbuch von Henrike Domin

Capsule Wardrobe ist ein Trend, der momentan viele Menschen begeistert. Henrike Domin vom Label „Hilli Hiltrud“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, eben diesen Trend umzusetzen, indem sie zehn Schnitte zum selber Nähen entwickelt hat, die es ermöglichen, sie untereinander zu kombinieren und so eine einzigartige Garderobe zu schaffen. Mit viel Design-Gespür und leicht verständlichen Erklärungen findet man in diesem Buch tolle Ideen für eine individuelle Capsule Wardrobe, die man sich komplett selbst nähen kann.


Rezension Capsule Wardrobe – Das Nähbuch von Henrike Domin

Capsule Wardrobe

Eine Capsule Wardrobe, was ist das überhaupt? Während viele Modebegeisterte sich mit diesem Thema auseinandersetzen und den Trend aufleben lassen, ist es für andere komplettes Neuland. Zugegeben, bei mir ist es auch noch nicht so lange her, seit ich darüber gelesen habe, aber ich finde es einen spannenden Ansatz. In ihrem Buch erklärt Henrike Domin, die studierte Designerin ist und unter dem Label “Hilli Hiltrud” arbeitet, das System so:  “Eine Capsule Wardrobe ist eine Garderobe, bestehend aus wenigen Kleidungsstücken, die harmonisch zueinander passen und (fast) alle untereinander kombinierbar sind.” (Capsule Wardrobe – Das Nähbuch von Henrike Domin)

Jede Frau träumt von einem perfekten Kleiderschrank, einem in dem man immer das richtige Teil findet und der immer aufgeräumt ist. Die wenigsten von uns haben das wirklich. Das Prinzip der Capsule Wardrobe soll hierbei eine Hilfe bieten, denn dadurch, dass man im Schrank nur Teile hat, die man miteinander kombinieren kann, erleichtert es einem die Auswahl enorm.

Interview mit Henrike Domin

Aber was genau hat Henrike dazu gebracht, dieses Buch zu schreiben? Und hat sie wirklich eine reine Capsule Wardrobe in ihrem Kleiderschrank? Sie war so nett, mir diese und weitere Fragen zu beantworten: 

Sarah von Lesen ist Luxus: Henrike, wie bist du zum Nähen gekommen? Bücher Rezension Capsule Wardrobe - Das Nähbuch von Henrike Domin

Henrike: Schon immer war ich jemand, der durch und durch kreativ durchs Leben wanderte. Mit etwa 11 oder 12 Jahren wollte ich dann individuelle Kleidung für mich nähen, die ich vor allem aus alten Kleidungsstücken fertigte. Zum 12. Geburtstag habe ich eine Nähmaschine bekommen und ab da ging es quasi los :-).

Sarah von Lesen ist Luxus: Wie kamst du auf die Idee zu diesem Buch? 

Henrike: Nachdem ich jahrelang nach meinem eigenen Stil nähte und quasi eine Capsule Wardrobe hatte (nur, dass es damals noch nicht diese Bezeichnung hatte), ließ ich mich von Social Media anstecken, immer wieder Neues und vor allem auch Buntes zu nähen. Einer der Gründe, weshalb ich plötzlich ganz entgegen meines eigentlich Stils und Vorhabens nähte, war, dass es für Buntes und Neues mehr Aufmerksamkeit und Anerkennung gab. Klingt blöd, aber tatsächlich war das der Hauptgrund. Nach einiger Zeit wurde mir aber bewusst, dass diese Art des Nähens eigentlich nicht meiner Grundhaltung entspricht und ich eine Schrankleiche nach der anderen produzierte. Nach und nach versuchte ich also wieder meinen eigenen Stil zu finden und wollte dies innerhalb eines Buches verarbeiten. 

Sarah von Lesen ist Luxus: Wie viel Arbeit steckt in so einem Buch? 

Henrike: Diese Frage kann ich nur ganz individuell für mein Buch beantworten. Da ich nicht nur die Texte und Entwürfe der Modelle, sondern auch die Schnittmuster und Fotos selbst gemacht habe, habe ich mehr an dem Buch gearbeitet, als es wahrscheinlich regulär der Fall ist. Insgesamt hat sich diese Arbeit über ca. ein halbes Jahr gezogen. Da ich selbst Modell gestanden habe, gab es außer mir einen Fotografen und eine Stylistin, mit denen ich zwei Tage nur die Aufmacherfotos geshootet habe. Das Korrekturlesen hat ein Lektor übernommen. Gesetzt wurde das Buch durch die Grafikabteilung des Verlags. Als Sprachrohr zwischen mir und dem Verlag fungierte immer meine Lektorin. 

Sarah von Lesen ist Luxus: Welcher Schnitt aus dem Buch ist dein Lieblingsschnitt?

Henrike: Einen einzigen Lieblingsschnitt kann ich gar nicht genau nennen, aber zu meinen Favoriten gehören definitiv der ZeroWasteSkirt, das Top, das TieDress und der Pullover. 

Sarah von Lesen ist Luxus: Was denkst du, welcher Schnitt am „universellsten“ ist, also den meisten Frauen, unabhängig von ihrer Figur, steht?

Henrike: Der Backbag 😉 Taschen sind wie Schuhe – sie stehen jeder Frau! Und wenn es um ein Kleidungsstück geht, würde ich tatsächlich die LeggingPants nennen. Eine schlichte Leggings kann man ganz Figur unabhängig wunderbar stylen.

Sarah von Lesen ist Luxus: Ganz ehrlich: wie sieht dein eigener Kleiderschrank aus? Wirklich streng nach dem Capsule Wardrobe-Prinzip?

Henrike: Nein, absolut nicht. Die Capsule Wardrobe aus dem Buch ist nur ein Teil meiner eigenen Garderobe und insgesamt lassen sich auch sehr viele Teile meiner Garderobe untereinander gut kombinieren. Morgens blind in den Schrank greifen könnte ich aber vermutlich trotzdem nicht, da ich ein Fan davon bin, weite und enge Teile zu kombinieren und ich sowohl weite als auch enge Hosen sowie Oberteile im Kleiderschrank habe. Muster- und farbtechnisch zieht sich aber tatsächlich ganz klar ein roter Faden durch meine Garderobe, sodass ich fast alles untereinander kombinieren kann.

Was findet man in “Capsule Wardrobe – Das Nähbuch”?

Das Buch von Henrike Domin beginnt mit dem jeweils eigenen Kleiderschrank, den man gründlich unter die Lupe nehmen soll. Henrike gibt konkrete Infos dazu, wie man dabei am besten anfängt und nach welchen Kriterien man vorgehen soll. Ein bisschen ähnelt das System dem von Marie Kondo, ist aber nicht ganz so streng. 

Dann gibt Henrike Tipps, wie man seinen eigenen Stil entwickelt und welche Farben am besten zu einem passen. Dabei finde ich besonders einen Hinweis von ihr spannend, an den ich bisher so noch nie gedacht habe: sie rät, eine dieser Rettungsdecken, die auf der einen Seite silber, auf der anderen Seite gold sind, ans Gesicht zu halten und im Spiegel zu betrachten, was diese beiden Farben mit dem eigenen Aussehen machen. So soll man sehr leicht feststellen können, welche Farbfamilien einem stehen. Das werde ich sicherlich mal ausprobieren!

Auch das Thema Proportionen und Stoffarten wird erläutert, so dass man am Ende auf zwei Seiten seine eigenen Vorlieben zusammenfassen kann und damit eine Orientierung hat, wie man künftig seine Capsule Wardrobe gestalten kann.

Bücher Rezension Capsule Wardrobe - Das Nähbuch von Henrike Domin

Dann geht es an den praktischen Teil: Henrike erläutert die Passform, die man wählen kann und gibt äußerst hilfreiche Hinweise zu Schnittanpassungen, abhängig von der eigenen Figur. Das ist wirklich super, denn mir persönlich geht es oft so, dass es an der Brust zu eng oder an den Schultern zu weit ist.

Es folgt eine Übersicht über die Grundausstattung, die man zum Nähen der Schnitte braucht, eine sehr umfangreiche Stoffkunde, wie ich sie bisher noch in keinem Buch gefunden habe sowie ein Hinweis, wo man die Stoffe kaufen kann. Dabei berücksichtigt Henrike das Thema Nachhaltigkeit, was ich wirklich toll finde!

Schließlich erläutert die Autorin noch ihre Schnittmuster und was man berücksichtigen kann, erklärt die Basics zum Schneidern und zeigt uns dann Beispiele ihrer Outfit-Kombinationen. Das ist wirklich ein tolles Beispiel dafür, wie man mit nur 10 Teilen ganz unterschiedliche Outfits kombinieren kann.

Die Nähprojekte

Und dann kommen endlich die versprochenen 10 Schnitte: 

  • TieDress (ein Kleid mit Gürtel, das man in verschiedenen Längen nähen kann und somit auch in eine Tunika verwandeln kann)
  • BasicShirt
  • WidePants (die man auch wieder zu kurzen Hosen abwandeln kann)
  • Leggingpants
  • 2Sidetunic (eine Tunika, die man ohne festgelegte Vorder- oder Rückseite nähen kann)
  • Top
  • Cardigan (auch wieder mit verschiedenen Längen)
  • Pullover
  • Backbag (eine Tasche, die man auch als Rucksack tragen kann) und 
  • ZeroWasteSkirt (für den man Stoffreste im Patchworkstil verwenden kann).

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Bei jedem der Projekte erklärt Henrike als erstes, welche Stoffarten man verwenden kann, welche Stiche man dafür benötigt, was für unterschiedliche Nähvarianten es gibt, wie die Passform ist und welche Teile man zuschneiden muss. Manchmal werden auch noch Besonderheiten erwähnt, wie eben, dass man bei der Tunika Vorder- und Rückseite frei wählen kann. Es folgt eine ausführliche Anleitung, die toll bebildert ist. Ich selbst kann ja auch ein bisschen nähen und finde die Erklärungen absolut ausreichend und gut umsetzbar, würde aber vermuten, für blutige Anfänger sind die Projekte doch ein bisschen schwierig, zumindest wenn man die Kleidung  wirklich danach anziehen will 😉

Im Anschluss werden Beispiele der Probenäherinnen gezeigt. Man kann wunderbar erkennen, wie viele Unterschiede es gibt, je nach Figur der Probenäherinnen, nach gewähltem Material, Muster und Nähvariante. Das finde ich wirklich hilfreich, um zu sehen, wie das fertige Projekt am Ende aussehen kann. Die Schnittmuster gehen laut Henrike von Größe 32 bis Größe 50, wobei weder die ganz kleinen noch die ganz großen Größen vertreten sind, was ein wenig schade ist. 

Meine Meinung

Ich denke, die Idee einer Capsule Wardrobe ist grundsätzlich toll. Ich selbst habe immer wieder festgestellt, dass ich mir ein Teil gekauft habe und es dann nur mit einem einzigen anderen Teil kombinieren konnte. Natürlich habe ich es dann nicht allzu oft angezogen, weil ich ja nicht immer das gleiche Outfit tragen wollte. Ich bin deshalb in vielen Bereichen zu unifarbenen Oberteilen übergegangen, die man dann wiederum mit beliebigen Röcken oder Cardigans kombinieren kann (von Hosen will ich mal nicht reden, die besitze ich nicht in bunt). Von daher finde ich das Prinzip wirklich sinnvoll. Ein paar Ausreißer muss es dann aber doch geben, wie Henrike selbst ja auch zugibt. Ein Kleid in wildem Muster oder ein Oberteil, das wirklich bunt ist, geht auch mal. Ich werde sicherlich in Zukunft auch noch mehr selbst nähen und mir den einen oder anderen Schnitt aus diesem Buch gönnen. Besonders die vielen Infos und Tipps abseits vom eigentlichen Nähprojekt finde ich toll. Die Farben, die Henrike gewählt hat, sind leider nicht so meine (was ja nur normal ist, jeder hat andere Vorlieben), aber bei einigen der Probenäherinnen habe ich tolle Inspirationen gefunden.

Liebe Henrike, ich wünsche dir viel Erfolg mit dem Buch und hoffe, noch weitere tolle Anleitungen lesen zu dürfen!


Kaufen könnt ihr das Buch hier.

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Von diesem Nähbuch habe ich übrigens über den Instagram-Account meiner ehemaligen Nachbarin Magdalena erfahren, die selbst einen Nähblog hat. Sie war eine der Probenäherinnen für dieses Buch und hat mir nicht nur ihre Version des Buchs ausgeliehen, sondern für mich freundlicherweise den Kontakt zu Henrike hergestellt und mir so die Chance gegeben, ihr diese Fragen zu stellen.


Tolle Nähideen für Kinderkleider findet ihr übrigens auch in unserer Rezension zu Kinderkleider.

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Category:Nähbuch, Ratgeber, Woman

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