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Rezension Auris von Vincent Kliesch

Titel: Auris

Autor: Vincent Kliesch

Verlag: Droemer Taschenbuch

ISBN: 9783426307182

Seiten:  352

Erscheinungsdatum: 2. Mai 2019

Preis: 12,99 €


Kurzbeschreibung Auris von Vincent Kliesch

Professor Matthias Hegel ist ein forensischer Phonetiker, ein Stimm-Profiler, einer, der aus einer Stimme unendlich viele Details über einen Menschen heraushören kann. Er unterstützt mit seiner Expertise die Polizei und ist hochgeschätzt. Bis er einen Mord gesteht und dafür ins Gefängnis wandert. Die junge Reporterin und Podcasterin Jula kann das nicht glauben und vermutet einen Justizirrtum. Sie möchte Hegel helfen, wieder freizukommen, sammelt Hinweise, doch dieser weigert sich beharrlich, mit ihr zu reden – bis Jula selbst in Gefahr gerät.


Rezension Auris von Vincent Kliesch

Auris hat ein sehr spannendes Konzept. Die Idee dazu hatte Sebastian Fitzek, als er während einer Autofahrt ständig nur die Hälfte eines Telefonats verstehen konnte und sich fragte, ob man denn aus einer Stimme wirklich so viele Informationen herauslesen kann. Er dachte dabei sofort an ein Hörbuch, denn was könnte man besser vertonen als eine Geschichte über einen Stimm-Profiler. Das Projekt wurde umgesetzt und es entstand ein Hörspiel. Doch es gab kein Buch dazu und als das Vincent Kliesch mitbekam, der ein Freund von Fitzek ist, begann dieser, das Buch zur Idee zu schreiben. Also ein durch und durch ungewöhnliches Projekt. Was dabei herausgekommen ist, ist spannend und toll zu lesen!

Worum geht es?

Die Geschichte beginnt mit Matthias Hegel. Er wird zu einer Geiselnahme hinzugerufen. Ein Mann hat zwei Kinder in ihrem Haus in seine Gewalt gebracht, während die Mutter kurz beim Einkaufen war. Alle sind alarmiert und das SEK kurz davor, das Haus zu stürmen. Da kommt Hegel und hört sich eine Aufnahme an, von einem Anruf des Geiselnehmers. Im Anschluss ist ihm alles klar. Er spaziert seelenruhig ins Haus und holt die Kinder raus. Was ist passiert? Hegel hat anhand der Stimme erkannt, dass der Mann, der eigentlich nur in guter Absicht ins Haus gegangen war, um den Strom abzulesen, plötzlich einen Schlaganfall und eine halbseitige Gesichtslähmung erlitten hatte und schlichtweg in Panik geraten war, weil er nicht wusste, was los war und noch dazu die Hälfte seines Blickfeldes verloren hatte.

Dann geht Hegel aus dem Haus und gesteht einen Mord.

So beginnt Auris und man ist erstmal leicht geschockt. Es folgt ein großer Sprung und die Geschichte von Jula wird erzählt (ja, Jula ohne i). Sie hat in ihrer Vergangenheit Schlimmes erlebt und immer noch nicht richtig verarbeitet. Körperlich und seelisch leidet sie darunter und hat begonnen das Vergangene zu bewältigen, indem sie einen Podcast über True Crime Stories betreibt, neben ihrem normalen Radiomoderationsjob. Von ihrem Freund hat sie sich gerade frisch getrennt und ihr neuestes Projekt ist Matthias Hegel. Sie kann nicht glauben, dass ein Mensch wie er, der normalerweise auf Seiten der Polizei steht, einen Menschen umbringt. Angeblich hat er eine Obdachlose brutal ermordet. Für Jula ergibt das keinen Sinn. Sie recherchiert, auch auf etwas illegalen Wegen, und wünscht sich nichts mehr als ein Interview mit Hegel. Der lässt sie über seinen Anwalt wieder und wieder abblitzen. Bis er mitbekommt, dass Jula Drohungen erhält. Endlich ist er bereit, mit ihr zu sprechen, ja mehr noch, die Stimme des Drohanrufers zu analysieren. Aber ist das genug oder kommt diese Hilfe zu spät?

Meine Meinung

Als ich den Klappentext gelesen habe, dachte ich Matthias Hegel wäre der Protagonist des Buchs. Tatsächlich ist er das nur im ersten Kapitel so richtig. Ansonsten liegt der Fokus auf Jula, deren Gedanken man mitverfolgen kann. Hegel bleibt distanziert und bis zum Ende ist nicht ganz klar, was von dem, was er sagt, die Wahrheit ist und was nicht. Es erstaunt also nicht, dass dieses Buch als Auftakt einer Reihe gedacht ist, denn einige Fragen bleiben ungeklärt. Dementsprechend kann ich gar nicht richtig sagen, ob ich ihn sympathisch fand oder nicht.

Jula ist eine schwierige Person. Sie hat in der Vergangenheit viel Schlimmes durchgemacht, wirkt dadurch verbittert und erschöpft. Trotzdem kniet sie sich mit Feuereifer in die Reportagen für ihren Podcast, recherchiert im Dark Net, lässt sich auch von den Drohanrufen nicht aus der Fassung bringen. Erst als es wirklich persönlich wird, gerät sie ein bisschen in Panik. Statt zur Polizei zu gehen, versucht sie der Sache selbst auf den Grund zu gehen. Obwohl sie ein wenig verkorkst ist – oder gerade deshalb – ist sie eine sehr interessante Person mit einer starken Persönlichkeit. An manchen Stellen vielleicht ein wenig zu stark. Nicht für den Leser, aber bezogen auf ihre Leichtsinnigkeit.

Gemeinsam sorgen die beiden Protagonisten für interessante Kontraste. Hegel so ruhig und professionell, schweigsam und distanziert. Jula impulsiv und emotional, unbeherrscht und leidenschaftlich. Sollte es hier wirklich noch weitere Fälle für beide zusammen geben, wird das sicherlich spannend.

Die Story ist originell und besonders, wer dahinter steckt, ist lange nicht klar (seehhr lange!). Die Idee mit dem Stimm-Profiler finde ich interessant, denke aber, sie hätte noch mehr zur Geltung kommen können. Vielleicht kommt das ja noch. Der Schreibstil von Vincent Kliesch ist ganz nach meinem Geschmack. Nicht zu viel Blabla, sondern klar, schnell und spannend,  sehr gut lesbar. Ich bin gespannt, wie es mit Jula und Hegel weitergeht!


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Category:Krimi, Thriller

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