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Rezension Alles was ich dir geben will von Dolores Redondo

Titel: Alles was ich dir geben will

Autorin: Dolores Redondo

Verlag: btb

ISBN: 9783442757657

Seiten: 608

Erscheinungsdatum: 25. März 2019

Preis: 22,00€

Kurzbeschreibung Alles was ich dir geben will von Dolores Redondo

Manuel wird mit der Nachricht des Unfalltodes seines Mannes Álvaro konfrontiert. Als er erfährt, wo der Unfall passierte, ist er irritiert – sollte Álvaro nicht ganz woanders sein? Nach und nach kommt heraus, dass sein Mann ein Leben hatte, von dem Manuel nichts ahnte, das Leben eines reichen Grafen in Galicien. Schwer verletzt und traurig macht sich Manuel auf die Suche nach den Gründen für diese Lügen – und erfährt dabei Geheimnisse, die er sich nie hätte vorstellen können.


Rezension Alles was ich dir geben will von Dolores Redondo

Ein spanischer Roman. Obwohl ich Spanien wirklich liebe, tue ich mich mit spanischen Büchern oft etwas schwer. Nicht so mit diesem hier. Ich muss die Übersetzerin, Lisa Grüneisen, wirklich sehr loben, denn sie hat es geschafft, das Buch so zu übersetzen, dass es sich auch auf Deutsch richtig gut liest.

Manuel, ein etwas weltfremder aber sehr erfolgreicher Autor, ist gerade mit den letzten Seiten seines neuen Romans beschäftigt, als die Polizei an der Tür klingelt und ihm mitteilt, dass sein Ehemann, Álvaro, bei einem Unfall ums Leben gekommen ist, mitten in Galicien. Manuel wundert sich, fährt aber direkt zum Unfallort und erfährt dort unglaubliche Dinge: Álvaro hat anscheinend über Jahre ein heimliches Doppelleben geführt: eins mit Manuel in Madrid und eins bei seiner Familie, wo er als Graf die Geschäfte der adligen Familie leitete, seit sein Vater gestorben war. Manuel ist fassungslos und will am liebsten sofort wieder weg. Als er erfährt, dass er als Alleinerbe eingesetzt wurde und noch dazu erleben muss, wie ihm der Hass von Álvaros Mutter und Bruder entgegenschlägt, beschließt er, das Erbe auszuschlagen und wieder nach Hause zu fahren. Doch dann packt ihn die Neugier: was hat Álvaro dort gemacht? Warum hat er ihm nie etwas davon erzählt? Was sagt das über ihre Ehe aus? Was für ein Mensch war Álvaro wirklich? Manuel spricht mit den Menschen, die Álvaro dort kannten und weiß überhaupt nicht mehr, was er denken soll.

Bis hierhin klingt alles nach einem Liebes-/Familiendrama. Toll geschrieben, man versinkt gemeinsam mit Manuel in Trauer, Wut und Verzweiflung. Aber dann taucht der gerade frisch pensionierte Kommissar Nogueira auf und erklärt Manuel, dass er sich sicher ist, dass Álvaros Tod gar kein Unfall war. Und ab hier entwickelt sich das Buch nach und nach zu einem echten Krimi. Manuel lässt sich überreden, gemeinsam mit Nogueira der Sache auf den Grund zu gehen und sie beginnen zu recherchieren. Gar nicht so einfach, da Nogueira ja offiziell nicht mehr ermitteln darf. Gemeinsam mit Pater Lucas, der ein guter Freund Álvaros seit Kindertagen ist, machen sie sich auf die Suche nach der Wahrheit. Denn nicht nur Álvaros Tod stellt ein Rätsel dar, sondern auch viele andere Ereignisse in der Familie, wie Jahre zuvor der Tod von Álvaros Bruder Fran.

Dolores Redonda erschafft in ihrem Roman lebendige und gleichzeitig sehr tragische Personen. Manuel selbst, der weltfremde Bestsellerautor, der ohne seinen Álvaro kaum im Alltag überleben kann, der traurig, verletzt und wütend ist, der aber auch in dieser tragischen Situation die Inspiration für einen neuen Roman findet und sich die Finger wund schreibt. Álvaro, der hin und her gerissen war zwischen seinem glücklichen Leben mit Manuel und den alten Traditionen, den Pflichten, der Verantwortung für seine zerrüttete Familie. Nogueira, der sich in diesem Fall festbeißt, teils aus persönlichen Gründen, die in seiner Kindheit liegen und in ihm einen tiefen Hass auf die Grafenfamilie schürten, teils aber auch um jetzt, frisch pensioniert, nicht Zuhause bei seiner Familie sein zu müssen, in der in den letzten Jahren irgendwie alles schief gelaufen ist. Die Charaktere dieses Romans sind fein ausgearbeitet, ohne plump dargestellt zu werden. Durch Dialoge, und vor allem erst nach und nach, erfährt man immer mehr über die Protagonisten. Der Kriminalfall, der dahinter liegt, geht tiefer und weiter zurück, als man zu Beginn vermutet und erklärt Vieles, was in der völlig zerrütteten Grafen-Familie passiert.

Man kann sich kaum vorstellen, dass es in Spanien immer noch solche adligen Familien gibt, die wie aus der Zeit gefallen scheinen – mit Bediensteten, Intrigen und Geheimnissen und vor allem der Überzeugung, etwas Besseres zu sein als die normale Bevölkerung. Ich fand diese Beschreibungen deshalb sehr interessant, auch gerade im Kontrast zu vielen anderen vorkommenden Personen, die ein eher tristes, ärmeres Leben führen. Und das Ganze ist natürlich auch meilenweit weg von dem liberalen Autorenleben, das Manuel führt und in dem es weder nennenswerte Vorurteile Schwulen gegenüber, noch solch einen Standesdünkel gibt.

Durch kleine Details wie die genaue Beschreibung der gräflichen Villa und der umgebenden Gärten oder auch den verstümmelten und hässlichen Hund Café, den Álvaro vor seinem brutalen Besitzer gerettet hatte und dessen Herz jetzt an Manuel hängt oder die lebhafte Beschreibung der Landschaft, der Weinberge, hat man das Gefühl, mit Manuel in Spanien zu sein. Nicht in dem sonnigen Urlaubsspanien, das man sich gemeinhin vorstellt, sondern in einem verregneten, aber dadurch sehr grünen Galicien, das ich nach dem Lesen dieses Romans unbedingt mal sehen möchte.

Wer einen schnellen, Action-geladenen Thriller erwartet, ist hier natürlich falsch. Aber wer wie ich auch gerne tiefer in die Seelen der beschriebenen Personen schaut und sich für spanische Kultur und einen Krimi der besonderen Art begeistern kann, wird dieses Buch lieben. Ich fand es richtig toll geschrieben und es ist mal wirklich etwas ganz Anderes, Besonderes!


Danke an die Bücherinsel für dieses Leseexemplar!


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Category:Drama, Krimi

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