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Ein Hoch auf Horst

Wenn die Feiertage und das alte Jahr vorbei sind und das neue Jahr begonnen hat, beginnt für mich auch die schlimmste Zeit des Jahres. Die Monate Januar und Februar können weg, die braucht doch keiner mit all ihren grauen, trüben, kalten Tagen. Alle Menschen sind müde und griesgrämig, vielleicht sieht es aber auch einfach nur so aus, weil ihre Gesichter hinter dicken Schals und hoch geschlagenen Kragen verschwinden, sodass nur noch Stirn und Augen zu sehen sind und bei manch Einem eine rote verschnupfte Nase. In dieser schrecklichsten aller Zeiten im Jahr, in der ich an mindestens 80 Prozent der Tage schlechte Laune habe, brauche ich etwas, um diese schlechte Laune zu vertreiben. Zu den Menschen, die es jedes Mal schaffen mich selbst trotz schlechter Laune zum Lachen zu bringen, gehört Horst Evers. Also habe ich meinem Freund zu Weihnachten Karten für den Kabarettistischen Jahresrückblick im Januar geschenkt, bei dem auch Horst Evers mit von der Partie war.

Jedem, der wie ich ab und an mal unter schlechter Laune leidet und auch allen anderen Menschen, empfehle ich eine regelmäßige Dosis Evers’schen Humors. Wenn er gerade nicht durch die Bühnen nahegelegener Kabaretts tourt, dann kann man auch seine Bücher lesen. Diese bestehen zum Teil aus Kurzgeschichten, die sich wie ein etwas kurioses Tagebuch lesen, nur mit vielen, vielen guten Pointen, also quasi direkt aus dem Berliner Alltag gegriffen. In der Drogerie, im Gespräch mit Freunden und Nachbarn oder bei seiner Ärztin, Horst Evers macht aus scheinbar langweiligen Situationen lustige Anekdoten. Er hat auch Romane, wie Der König von Berlin geschrieben. Das Buch ist auf dem Titelbild leider nicht zu sehen, weil ich es glaube ich mal wieder verliehen und nicht zurückbekommen habe. Wieder so ein Vorsatz für dieses Jahr – keine Bücher mehr verleihen. Dieses Buch ist ein Kriminalroman, der weniger düster, dafür aber umso wortwitzreicher mit einem Hang ins Überspitzte geschrieben ist. Das Buch wurde zwar auch verfilmt, der Film ist aber, wie bei so vielen anderen Buchverfilmungen, lange nicht so gut wie das gedruckte Wort.

Seine Bühnenprogramme waren für mich bisher immer Garant für einen gelungenen Abend. Was mir an Horst Evers’ Humor besonders gut gefällt ist, dass er niemals auf Kosten anderer geht, was heute ja leider eher eine Seltenheit ist. Die einzige Person, die er regelmäßig aufs Korn nimmt, ist er selbst. Bashing gibt es schließlich schon genug auf dieser Welt und in den sozialen Netzwerken. Bei Horst Evers ist das immer mehr so auf diese sympathische “du-glaubst-nicht-was-mir-neulich-wieder-passiert-ist-Art”. Auch kommt er ganz ohne großes Tamtam auf der Bühne aus, sein Markenzeichen sind das rote Cordhemd mit den hochgekrempelten Ärmeln und ein gelegentliches Kichern, das ihm beim Vortragen seiner Geschichten manchmal rausrutscht. Für mich ist ein Abend bei einer Lesung mit Horst Evers wie ein gemütlicher Abend mit guten Freunden, ein paar Gläschen Wein und netten Gesprächen und man geht beschwingt und mit einem Lächeln im Gesicht nach Hause.

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1 Comment

  • 4. April 2019 at 9:53

    Oh den Horst mag ich auch sehr gerne. Ich habe mir auch gerade 2 Hörbücher von ihm gekauft. Leider habe ich es noch zu keiner Show von ihm geschafft. Mein Mann war aber vor 2 Wochen und war total begeistert.

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