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Blogparade Literarische Weltreise Australien & Neuseeland

Australien und Neuseeland sind für viele Menschen Traumziele und Sehnsuchtsländer. Ich weiß nicht, ob es an der Entfernung liegt und der Vorstellung, dass man wirklich am anderen Ende der Welt ist, oder ob es einfach so exotisch und anders auf uns wirkt. Ich bin sehr großer Australien-Fan und habe auch schon Einiges von dort gesehen. Viele weitere Besuche sind geplant und auch Neuseeland steht auf der Liste. Dementsprechend können wir zu diesem Teil der Literarischen Weltreise von Hundertmorgenwald auch mit einigen Titeln aus den unterschiedlichen Genres antreten.


Lest hier die bisherigen Teile der Literarischen Weltreise:

Teil 1: Literarische Weltreise Europa

Teil 2: Literarische Weltreise Afrika

Teil 3: Literarische Weltreise Asien


Literarische Weltreise Teil 4: Australien & Neuseeland

Australien

Sarah: Ich fange mit einem Klassiker an. Ok, nicht ein Klassiker im traditionellen Sinne, sondern ein Klassiker für mich, weil es ein Buch ist, das ich schon recht früh gelesen habe und das im besten Sinne die Kategorie “Australische Schmöker” vertritt. “Matildas letzter Walzer” von Tamara McKinley erzählt die Geschichte von Jenny, die überraschend eine Schaffarm, Chirunga, erbt. Allein der Name der Farm klingt doch herrlich, oder? In Chirunga findet sie ein altes Tagebuch von Matilda, der die Farm früher gehörte. Ich liebe Bücher, in denen sich Gegenwart und Vergangenheit abwechseln, so wie in diesem hier, und man nach und nach die ganze Geschichte erfährt. Natürlich ist Matildas Geschichte dann auch wichtig für Jennys Leben.

“Matildas letzter Walzer” schildert einem so eindrücklich das Leben auf einer australischen Farm, dass man fast das Gefühl hat, selbst dort zu sein. Ich liebe solche Bücher und Tamara McKinley hat noch weitere tolle Australien-Schmöker geschrieben, von denen jedoch keins an dieses rankommt, finde ich. Auf jeden Fall ein Roman, der mit Australien als Handlungsort schmackhaft gemacht hat, auch wenn er natürlich ein wenig kitschig ist. 

PS: Den kleinen Scherz mit Matildas Walzer und „Waltzing Matilda“ habe ich dann erst verstanden, als ich mich näher mit Australien beschäftigt habe

Matildas letzter Walzer von Tamara McKinley, Bastei Lübbe, 2001


Sarah: Als dann mein Interesse an Australien geweckt war (nicht ganz unschuldig waren die vielen netten Australier, die ich 2006 bei der Fußball WM in Kaiserslautern kennen gelernt habe), habe ich mir Bill Bryson vorgenommen. Sein Buch “Frühstück mit Kängurus” beschreibt auf sehr humorvolle Art und Weise seine Reise durch Australien. Ich lese Bill Bryson eigentlich immer gerne, ich mag seine Art zu schreiben. Er reist natürlich nicht ganz so wie ihr und ich, sondern liebt es, außergewöhnliche Dinge und Orte auszuprobieren, mit den Einheimischen zu reden und das lokale Essen zu testen. Er findet an jedem Ort interessante und teilweise auch sehr skurrile Begebenheiten und lässt den Leser daran teilhaben.

Für mich war es vor allem eine gute Vorbereitung bei der Ideensammlung für unseren Australien-Urlaub. An dem ein oder anderen Ort musste ich dann schmunzeln, als ich erkannt habe, dass auch Bill Bryson schon darüber geschrieben hat.

Frühstück mit Kängurus von Bill Bryson, Goldmann Verlag, 2000

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Sarah: Ein Buch, das mich wirklich sehr beeindruckt hat, ist “Nur eine Ohrfeige” von Christos Tsiolkas. Es spielt in Melbourne und beginnt mit einer eigentlich ganz ungezwungenen Gartenparty. Aus verschiedenen Perspektiven wird erst das Geschehen auf der Party kommentiert und man bekommt Einblicke in die einzelnen Charaktere, die ganz und gar nicht so harmlos sind, wie man erst annimmt. Sticheleien, Affären, Alkohol, Streitereien – nach und nach erfährt man immer mehr über die anwesenden Gäste.

Dann kommt es zum Eklat, als der dreijährige Hugo mit einem Cricketschläger auf einen älteren Jungen losgeht. Dessen Vater ärgert sich sehr über Hugo und verpasst ihm eine Ohrfeige. Und ab da bricht ein einziges Chaos aus. Während die einen den Vater verstehen, der seinen Sohn verteidigen wollte, finden die anderen es ein Unding, ein fremdes Kind zu schlagen. Natürlich geht es bald nicht mehr nur um die Ohrfeige, sondern alle Probleme und Kränkungen aus der Vergangenheit kochen hoch. Erst recht, als Hugos Eltern im Nachgang Anzeige erstatten.

In diesem Roman wird auf sehr eindrückliche Weise dargestellt, wie viele Risse es in der australischen Mittelschicht gibt und nicht zu Unrecht wurde dieses Buch in Australien zum absoluten Bestseller und sogar als mehrteilige Serie verfilmt. Es geht um die Unterschiede zwischen arm und reich, um unterschiedliche Hautfarben und Ethnien, um Herkunft und Berufsstände.

Nur eine Ohrfeige von Christos Tsiolkas, Klett-Cotta, 2012

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Sarah: Die Drillinge Cat, Lynn und Gemma feiern ihren 34. Geburtstag. Dabei lesen sie gemeinsam Briefe, die sie im Alter von 14 Jahren geschrieben haben und plötzlich kommen Gefühle und Geschichten ans Licht, die ihr Leben durcheinander wirbeln. Die drei sympathischen Schwestern mit all ihren Eigenheiten und den daraus entstehenden Dramen zeigen einem ein buntes, lustiges, liebenswertes, manchmal auch trauriges und berührendes Familienleben mit einem einzigartigen Zusammenhalt.

Ein wunderschönes, wenn auch eher entspanntes Buch, das ich gerne gelesen habe, genau wie alle anderen Bücher von Liane Moriarty, die mit ihrere Familie in Sydney lebt.

Drei Wünsche frei von Liane Moriarty, Bastei Lübbe, 2007

 

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Sarah: Kate Grenville ist eine beeindruckende australische Autorin, deren Roman “Der verborgene Fluss” mich sehr nachdenklich gestimmt hat. Sie erzählt darin die Geschichte von William, der Anfang des 19. Jahrhunderts in armen Verhältnissen in London aufwächst und nach einem Diebstahl (Brot, um zu überleben) zusammen mit seiner Frau nach Australien deportiert wird. Sie bekommen dort recht bald Land zum Siedeln zugewiesen, nicht ahnend, welche Konflikte es dadurch mit den Aborigines geben wird.

Im Gegensatz zu vielen anderen Australien-Romanen ist dieser hier sehr viel ehrlicher, manchmal auch recht brutal. Er beschreibt deutlich, wie schlimm die Siedler mit den Aborigines umgegangen sind und welche Auseinandersetzungen es deshalb gab. Genau deshalb mochte ich das Buch aber auch so sehr. Hier wird (denke ich) wenig beschönigt und das Leben von William und seiner Familie so hart dargestellt, wie es tatsächlich war. Sie kämpfen sich durch und versuchen, sich mit den Aborigines zu vertragen, bekommen aber von den anderen Siedlern immer wieder Steine in den Weg gelegt. Man fiebert die ganze Zeit über mit und hofft, dass alles ein gutes Ende nehmen wird.

Der verborgene Fluss von Kate Grenville, 2005


Sarah: Jetzt mal noch etwas ganz Anderes: “In deinen schlimmsten Träumen” ist ein harter Thriller, der mich ein paar Nächte lang in meinen Träumen verfolgt hat. Die Pathologin Anya Crichton arbeitet in einem Zentrum zur Behandlung von Opfern sexueller Gewalt indem sie Beweise sammelt und diese vor Gericht darlegt. Jetzt gibt es einen Serienvergewaltiger in Sydney, der seine Opfer brutal vergewaltigt und ihnen immer wieder ins Ohr flüstert “ohne Schmerz keine Liebe”. Obwohl die Polizei schnell einen Verdächtigen hat, glaubt Anya nicht so recht daran. Der Verdächtige war bereits wegen sexueller Gewalt im Gefängnis und sie deckt auf, dass damals bei seiner Verurteilung nicht alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Sie beginnt deshalb selbst zu ermitteln und gerät plötzlich ins Visier des Täters.

In deinen schlimmsten Träumen von Kathryn Fox, Blanvalet, 2007

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Neuseeland

Sarah: ich liebe die Neuseeland-Romane von Sarah Lark. Ja, ich weiß, sie sind ziemlich kitschig und teilweise auch etwas langatmig, aber sie sind gleichzeitig auch wunderschön und romantisch. Sarah Lark ist eine deutsche Autorin, die unter verschiedenen Pseudonymen schreibt, je nachdem welches Genre sie gerade bedient. Als Sarah Lark, mit den historischen Romanen in Übersee, lese ich persönlich sie am liebsten.

Ich weiß gar nicht genau, welches meine Lieblings-Reihe von ihr ist (es sind fast immer mehrere Bände einer Reihe oder Saga). Aktuell höre ich als Hörbuch die Feuerblüten-Trilogie und bin mitten in Teil 2. Es beginnt in dieser Buchreihe mit Ida, die 1837 mit ihrem Vater und den Geschwistern nach Neuseeland auswandert. Dort wird sie bald verheiratet, aber ihr Mann stellt sich schnell als gewalttätig, brutal und vorallem sehr hinterlistig heraus. Ida träumt derweil immer noch von ihrem Jugendschwarm aus Deutschland, Karl, der (ganz zufällig natürlich) ebenfalls nach Neuseeland ausgewandert ist.

Ein zweiter Handlungsstrang erzählt von Cat, die als Tochter einer alkoholabhängigen Prostituierten eigentlich keine Chance auf ein normales Leben hat und deshalb zu den Maori flüchtet. Nach ein paar Jahren treffen Ida und Cat aufeinander und werden beste Freundinnen, die gegen alle Probleme und Widrigkeiten dieser Zeit gemeinsam kämpfen.

Jetzt, in Band 2, stehen die Töchter von Ida und Cat im Fokus der Geschichte.

Wie in allen Sarah Lark-Büchern sind starke Frauen, die gegen die Konventionen der damaligen Zeit aufbegehren, im Fokus dieser Roman-Reihe. Man lernt viel über die Kultur der Maori und natürlich geben sich Ida und Cat immer Mühe, gut mit ihnen auszukommen, im Gegensatz zu vielen anderen.

Obwohl die Geschichte etwas schwarz-weiß dargestellt wird und Larks Hauptfiguren immer zu den Guten gehören und die Story dadurch etwas vorhersehbar wird, mag ich den Schreibstil und die Ideen, die Sarah Lark in ihre Romane steckt. Manchmal braucht man einfach ein bisschen was fürs Herz, eine Geschichte voller kleiner Dramen und noch mehr kleiner Happy Ends, die einen in eine fremde Welt entführen.

Weitere Reihen von Sarah Lark, die ich gelesen habe und die in Neuseeland spielen, sind übrigens “Die Weiße Wolke-Saga” und die “Kauri-Trilogie”.

Die Zeit der Feuerblüten, der Klang des Muschelhorns und die Legende des Feuerberges von Sarah Lark, Bastei Lübbe, 2013, 2014 und 2015


Sarah: Hier kommt gleich noch eine starke und unabhängige Frau: die junge deutsche Ricarda möchte unbedingt Ärztin werden. Ihre Eltern halten nichts von der Idee, Ende des 19. Jahrhunderts scheint ihr Plan also keinerlei Chancen zu haben. Und Ricarda sieht als einzigen Ausweg die Auswanderung nach Neuseeland, wo die Suffragetten gerade für mehr Rechte für Frauen kämpfen. In Tauranga angekommen ist leider nicht alles so einfach, wie erhofft und Ricarda muss sich ziemlich durchbeißen um ihren Traum verwirklichen zu können.

Natürlich gibt es auch in „Sterne über Tauranga“ wieder viel Wissen über die Maori und deren Heilkünste, eine romantische Liebesgeschichte und eine stimmungsvolle Atmosphäre.

Sterne über Tauranga von Anne Laureen, Bastei Lübbe, 2010


Das heutige Titelbild ist das Cover von Australien – Das Paradies am Ende der Welt von Bernadette Gilbertas und Olivier Grunewald, erschienen 2014 von National Geographic

Ein wundervoller Bildband mit beeindruckenden Fotografien rund um Australiens Schönheit. Ein paar weitere Bilder daraus stelle ich euch hier rein:

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Category:Blogparade

3 Comments

  • 11. September 2018 at 12:06
    monerl

    Liebe Sarah,
    da sind ein paar ganz feine Bücher dabei, die ich nicht kenne! „Nur eine Ohrfeige“ habe ich gleich mal auf meine WuLi gepackt! Der Thriller wäre auch was für mich.
    Sarah Lark habe ich auch in meiner Liste zu Neuseeland. Um diese Autorin kommt man ja nicht rum. 😉 Die Feuerblüten-Trilogie habe ich gehört und gelesen. Der erste Teil hatte mich total gepack. Band 2 mochte ich auch doch leider konnte mich der Abschlussband nicht mehr begeistern. 🙁
    HIER kannst du mal in meine Rezis reinlesen.
    GlG, monerl

    PS.: Kann man euren Blog nicht per Mail abonnieren? Ich brauche das immer unbedingt bei Blogs. 😛 Denn dann bekomme ich eine Mail und bin auf dem Laufenden. Alles andere ist jetzt für mich persönlich sehr unpraktisch… Denn ansonsten muss ich immer aktiv schauen, ob und was es Neues bei euch gibt und die Zeit hab ich leider so nicht.
    Ich hoffe, ihr versteht das nicht falsch. Ist nur ne kleine Anregung von mir, da ich euch über Meil total gerne folgen würde/möchte. :-*

    REPLY
    • 14. September 2018 at 9:54
      Sarah

      Liebe Monerl,
      Ja, Sarah Lark mag ich eigentlich sehr gerne aber ich muss auch gestehen, dass ich jetzt nach dem zweiten Band erstmal Pause gemacht habe. Ich höre sie gerne als Hörbuch weil es nicht so schlimm ist, wenn ich mal kurz abgelenkt bin (anders als bei einem Thriller). Aber ich wechsle dann auch gerne mal. Sicherlich werde ich Band 3 auch noch irgendwann hören. Hast du die beiden Bücher gelesen oder gehört, die auf Jamaika spielen? Die fand ich fast noch ein wenig besser. Und ich mag die Autorin auch sehr unter ihrem anderen Pseudonym „Ricarda Jordan“, da schreibt sie historische Bücher, die in Deutschland spielen.
      Leider kann man uns momentan noch nicht per Mail abonnieren. Wir müssen mal schauen, wie wir das am Besten machen. Du hast sicherlich gesehen, dass wir noch nicht soo lange aktiv sind… Aber auf jeden Fall danke für den Hinweis!
      Liebe Grüße,
      Sarah

      REPLY
  • 23. September 2018 at 9:11
    Tinette

    Hallo,
    ich komme erst heute zum Gegenbesuch, weil ich gestern erst aus dem Urlaub zurückkam.
    Frühstück mit Kängurus und Sterne über Tauranga stehen auf meiner Wunschliste. Die anderen sagen mir auf den ersten Blick jetzt nichts. Da ist aber sicher etwas für mich dabei. Gerade Bücher, die in Australien und Neuseeland spielen, suche ich immer. Ich schaue mir eure Vorschläge genauer an.
    Liebe Grüße
    Tinette

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