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Titelbild Literarische Weltreise Afrika

Blogparade Literarische Weltreise Afrika

Auch dieses Mal sind wir wieder bei der Blogparade Literarische Weltreise Afrika von Hundertmorgenwald dabei und teilen mit euch Bücher aus aller Welt. Im letzten Beitrag haben wir uns dabei ganz auf europäische Bücher konzentriert, jetzt ist Afrika dran. Als wir darüber nachgedacht haben, über welche Bücher wir zum Thema Afrika schreiben wollen, ist uns aufgefallen, dass das Meiste was wir gelesen haben doch in sehr ähnlichen Ländern spielt und oft von Autoren und Autorinnen geschrieben wurden, die zwar afrikanische Wurzeln haben, aber eigentlich in Europa oder den USA leben. Eigentlich sehr schade und wir haben uns fest vorgenommen, mal zu recherchieren (am Besten natürlich bei den anderen Teilnehmern der Blogparade) und unseren Horizont diesbezüglich ein wenig zu erweitern. Aber lest jetzt erstmal, was wir schon in unseren Bücherregalen gefunden haben!

Blogparade Literarische Weltreise Afrika

Ägypten

Sophie: Über Snooker in Kairo habe ich bereits in meinem Beitrag Bücher-Sommer 2018 berichtet, es steht schon seit ein paar Monaten bei mir im Regal und wartet darauf, gelesen zu werden. Snooker in Kairo wurde bereits vor fünfzig Jahren geschrieben und veröffentlicht, aber dieses Jahr neu aufgelegt, denn das Thema des Buches hat nicht an Aktualität eingebüßt. Es handelt von der Zweiklassengesellschaft im damaligen Ägypten. Auf der einen Seite steht die westlich orientierte Oberschicht, sie unterhält sich auf Englisch und Französisch, schickt ihre Kinder auf britische Schulen und trifft sich bei Polo und Bridge. Auf der anderen Seite steht die bitterarme Unterschicht, die als Untertanen für die Reichen arbeiten oder, wenn sie weniger Glück haben, am Suez-Kanal gegen die Briten kämpfen. Das Land ist durchzogen von Korruption, der Reichtum der einen, ist bedingt durch die Ausbeutung der anderen. Das sich die damaligen Zustände in Ägypten bis heute kaum geändert haben, würde Waguih Ghali sicherlich das Herz brechen. In seinem Roman verarbeitet er auch seine eigene Geschichte, die ihn wohl bis zum Schluss keine Ruhe gelassen hat, 1969 nahm er sich im Londoner Exil das Leben.

Snooker in Kairo von Waguih Ghali, Verlag C.H. Beck, 2018

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Algerien

Sophie: Ein weiteres Buch von meiner Leseliste für diesen Sommer. Der namenlose Araber, der in Camus‘ Roman Der Fremde, vom Büroangestellten Meursault erschossen wird, bekommt eine eigene Geschichte. Allein diese Tatsache war für mich Grund genug, mir dieses Buch zu kaufen. Siebzig Jahre sind seit der Tat vergangen und in einer Bar erzählt Haroun, was die Ermordung seines Bruders mit ihm und seiner Familie gemacht hat. Nebenbei stellt Autor und Journalist Daoud auch die algerische Gesellschaft an den Pranger, die die Schuld für die Lage des Landes zu einem großen Teil allein in der damaligen kolonialen Unterdrückung sieht, ohne sich selbst zu hinterfragen. Der Roman wurde 2014 in Frankreich als „bester Debütroman“ ausgezeichnet.

Der Fall Meursault – Eine Gegendarstellung von Kamel Daoud, KiWi Verlag, 2016

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Namibia

Sarah:  Ein Buch, das mir zum Thema Afrika sofort in den Sinn kommt, ist vom deutschen Autor Tommy Jaud. In Hummeldumm ist Matze mit seiner Freundin Sina bei einer Safari in Namibia und alles geht schief: Matze hat irgendwie vergessen, die Reservierungsgebühr für die gerade erworbene Eigentumswohnung zu überweisen bevor es losging und muss das jetzt dringend nachholen. Gar nichts so einfach mitten im Nichts und ohne Internet. Und dann darf natürlich Sina auch nichts davon mitbekommen. Jaud beschreibt auf sehr lustige und ironische Art und Weise Matzes Dilemma und die Eigenarten der anderen Reiseteilnehmer, die ihm das Leben nicht gerade leichter machen. Und so traurig das eigentlich ist, ich kenne eine Menge Männer, denen es genauso hätte gehen können – alles auf die letzte Minute erledigen und dann doch vergessen.

Hummeldumm von Tommy Jaud, Fischer Taschenbuch, 2010


Simbabwe / Südafrika / Mali

Sarah: Eine Autorin, von der ich in meinen 20ern eigentlich alles gelesen habe, ist Lesley Lokko. Ihre Bücher haben immer einen internationalen Hintergrund und Lokko selbst stammt aus einem ghanaisch-schottischen Elternhaus. Ich weiß deshalb gar nicht genau, von welchem ihrer Bücher ich hier berichten soll. Das erste Buch, das ich von ihr gelesen habe, war “Die Welt zu Füßen”, das teilweise in Südafrika spielt, in “Wie auf Wolken” kommt eine der Protagonistinen aus Simbabwe und auch in “Wen die Götter küssen” finden sich Lokkos afrikanische Wurzeln wieder, denn es geht unter anderem um die politischen Verwicklungen in Mali.

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Lokko verknüpft auf sehr anschauliche Weise die persönlichen Lebensgeschichten junger Frauen mit den politischen Umständen, sowohl in den jeweiligen afrikanischen Ländern als auch an den anderen Schauplätzen, wie London oder New York. Ich mochte immer gerne, dass ich auf diese Weise mit dem Thema Politik in Berührung gekommen bin, gerade von afrikanischen Ländern, von denen man nicht ständig in den Medien hört.

Bei der Recherche für diesen Beitrag habe ich übrigens gesehen, dass Lesley Lokko noch einige weitere Bücher geschrieben hat, die auf deutsch allerdings nie veröffentlicht wurden. Die kommen definitiv auf meine Leseliste.

Die Welt zu Füßen von Lesley Lokko, Diana Verlag 2005 / Wie auf Wolken von Lesley Lokko, Diana Verlag 2010 / Wen die Götter küssen von Lesley Lokko, Diana Verlag 2006


Kongo / Südafrika

Sarah: Mitte des 19. Jahrhunderts reist die junge Hamburgerin Catherine mit ihrem Vater zu einer Forschungsreise in den Kongo. Nachdem ihr Vater aber plötzlich stirbt, ist sie auf sich allein gestellt und beschließt, sich ein neues Leben aufzubauen. Ein Vorhaben was für eine Frau in dieser Zeit nicht einfach war, schon gar nicht in Afrika. Catherine ist, obwohl sie sehr verwöhnt und etwas naiv ist, eine sympathische Frau und man fiebert schnell mit ihr mit. Ich muss gestehen, dass ich eine Schwäche für solche Schmöker habe, die irgendwann im 19. oder Anfang des 20. Jahrhunderts auf fremden Kontinenten spielen, wie ihr später auch lesen werdet, wenn es um Australien geht. Ich finde es immer toll, wenn man so in eine andere Welt abtauchen kann und bin trotzdem jedes Mal danach froh, dass ich heute, als selbstständige und starke Frau, in unserer modernen Welt leben darf, in der man nicht ständig gegen Männer und Konventionen kämpfen muss, die einem vorschreiben wollen, was man zu tun oder zu lassen hat.

Stefanie Gercke hat mehrere Bücher geschrieben, die sich um die gleiche Familiengeschichte in Afrika drehen, „Schatten im Wasser“ ist hierbei der Auftakt.  Sie stammt selbst von einer Insel des Bissagos-Archipels vor Guinea-Bissau/Westafrika, musste dann aber aus politischen Gründen nach Deutschland auswandern und hat sicherlich auch deshalb einen starken Bezug zu dieser Geschichte.

Schatten im Wasser von Stefanie Gercke, Heyne, 2005


Südafrika

Sarah: “Fever” von Deon Meyer, das ich selbst noch nicht gelesen habe, mir aber von meinem Vater wärmstens ans Herz gelegt wurde, ist ein packender Thriller, der in Südafrika spielt. Protagonist Nicolas ist mit seinem Vater unterwegs um sich vor einem ominösen Fieber zu schützen, das einen Großteil der Bevölkerung dahin gerafft hat. Nur wenige Menschen haben bisher überlebt und versuchen nun, neue Siedlungen und Gemeinschaften aufzubauen. Keiner kennt die Hintergründe und erst nach und nach erfährt man mehr über die Entwicklungen, die zu dieser Seuche geführt haben.

Nicolas und die anderen Überlebenden müssen sich nicht nur mit der Gründung der Siedlung beschäftigen, sondern auch dafür sorgen, dass eine gewisse Form von demokratischer Ordnung herrscht, um nicht völlig im Chaos zu enden – und das alles während überhaupt nicht klar, von wo die Bedrohung kommt und wem man trauen kann.

Mein Vater hat das Buch verschlungen und es wohl die letzten 100 Seiten gar nicht mehr aus der Hand gelegt – ich bin gespannt, wann ich es mir endlich ausleihen darf!

Fever von Deon Meyer, Rütten & Loening, 2017

 

Titelbild aus dem Buch Das muss ich sehen, Dorling Kindersley, 2011

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11 Comments

  • […] Lesen ist Luxus […]

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  • 9. August 2018 at 11:39
    Petrissa

    Hallo Ihr Beiden,

    ich freu mich, dass Ihr wieder mit dabei seid!
    Snooker finde ich ja sehr interessant, Das wird auf meine WuLi wandern. Das hätte ich so gar nicht gedacht, auch wenn es fast logisch ist. Da wo reich und arm noch weiter auseinander driften, als bei uns, wird sich das auch in Schulen etc nieder schlagen. Als ob man so etwas verändern würde… 🙁

    Hummeldumm – klar! Habe ich gelesen, aber in meiner Liste ganz vergessen. Fand das Buch damals sehr lustig, Hast Du auch die Fortsetzung gelesen? (Ich nicht.)
    Auch Fever hört sich gut an.

    Ja, es gibt echt wenig Romane, die in Afrika spielen.

    Die andere Antwort kommt noch!
    Liebste Grüße
    Petrissa

    REPLY
    • 9. August 2018 at 20:32
      Sarah

      Hallo Petrissa,
      Ich muss gestehen dass ich gar nicht wusste dass es eine Fortsetzung von hummeldumm gibt… obwohl hier im Regal mehrere Bücher von Tommy Jaud stehen… muss ich mal schauen.
      Fever höre ich jetzt gerade als Hörbuch und finde es wirklich spannend!
      Liebe Grüße und bis nächste Woche, wenn wir natürlich auch wieder dabei sind… wenn auch wie immer auf den letzten Drücker,
      Sarah

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  • 12. August 2018 at 13:36
    Marysol

    Ahoi liebe Sarah und Sophie,

    jetzt schaffe ich es auch endlich, bei euch reinzustöbern!

    Von euren Titeln kenne ich ehrlich gesagt keinen – aber das ist ja genau das Schöne, an dieser Aktion: Dass man neue Bücher kennenlernt und entdeckt 🙂

    Liebe Grüße und einen schönen Sonntag wünsche ich euch, Mary <3
    https://marys-buecherwelten.blogspot.com/2018/07/landgang-afrika.html

    REPLY
    • 13. August 2018 at 9:20
      Sarah

      Hallo liebe Mary,
      Toll dass du es zu uns geschafft hast. Unsere Bücher sind ja auch von Genre her ganz unterschiedlich. Vielleicht gefällt die ja etwad davon. Wir werden diese Woche hoffentlich auch mal dazu kommen, die anderen Beiträge zu lesen und sind gespannt, was du zum Thema Afrika vorschlägst.
      Schöne Grüße, Sarah und Sophie

      REPLY
  • 15. August 2018 at 6:44
    Tinette

    Hallo ihr beiden,
    das ist wirklich eine schöne Liste. Die meisten Bücher kenne ich nicht. Das Ägypten-Buch notiere ich mir sofort. Ich lese ja sehr gerne Afrika-Bücher, insbesondere über Ägypten. Seit ich einmal dort gewesen bin, suche ich nach Büchern, die dort spielen. Besonders mag ich es auch, wenn es um wahre Begebenheiten geht. Deshalb danke für den Tipp!
    Schatten im Wasser hört sich auch interessant an. Das Buch kenne ich noch nicht. Das werde ich mir aber auch aufschreiben und später näher anschauen.
    Liebe Grüße
    Tinette

    REPLY
    • 15. August 2018 at 18:54
      Sarah

      Hallo Tinette, das freut uns, dass du durch unsere Liste noch was Neues entdecken konntest. Ägypten ist auf jeden Fall immer spannend, vorallem wenn man schon dort war. Ich war leider noch nie in Afrika, würde aber unheimlich gerne ganz viele Länder dort anschauen.
      Liebe Grüße, Sarah

      REPLY
  • 15. August 2018 at 8:42
    Daniela

    Hallo Sarah und Sophie,
    das hat sich ja definitiv gelohnt, bei euch reinzuschmöckern, Snooker in Kairo und Fever hab ich mir gleich als Leseprobe auf meinen Kindle geladen.
    Ich geb dir recht, dass es nicht so einfach ist, in D an originäre afrikanische Bücher zu kommen, das ist mir auch schon aufgefallen. Vielleicht hat das was mit der Blase zu tun, vielleicht mit der Oral history – also, entweder bekommen wir hier die Bücher einfach nicht oder es gibt keine.
    LG
    Daniela

    REPLY
    • 15. August 2018 at 18:58
      Sarah

      Liebe Daniela,
      Da sind wir ja gespannt, wie dir die Bücher gefallen. Fever war ja bisher eine Leseempfehlung von meinem Vater, ich habe es mir aber auch schon als Hörbuch runter geladen, muss aber erst noch ein anderes fertig hören.
      Ich denke auch, mit beidem zu tun. Die Bücher, die es dort tatsächlich in den einzelnen Ländern gibt, werden vermutlich nicht in Deutschland verlegt bzw. ins Deutsche übersetzt. Und ja, vermutlich gibt es dort auch einfach nicht so viele schreibende Menschen, das ist ja in vielen Ländern so, dass Geschichten eher durch Gesprochenes oder auch Gemaltes überliefert werden, zum Beispiel in Australien. Und vielleicht haben die Menschen dort auch einfach andere Probleme als Bücher… leider. Umso wichtiger, dass es ein paar wahre Geschichten aus Afrika gibt, die man auch im Rest der Welt lesen kann.
      Liebe Grüße,
      Sarah

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  • 11. September 2018 at 12:29
    monerl

    Liebe Sarah und Sophie,
    „Snooker in Kairo“ tummelt sich schon ne Weile auf meiner WuLi! Das werde ich auf jeden Fall lesen! Das Algerien-Buch klingt super, das hat sofort mein Interesse geweckt! Die Autorin Lokko kannte ich bisher nicht. Muss mir mal genauer anschauen, was sie so schreibt und ob ihre Bücher für mich sind. Dafür kenne ich „Feaver“ von Meyer. Es konnte mich nicht so begeistern. Meine Erwartungen wurden nicht ganz erfüllt. Insbesondere das Ende fand ich nicht so gelungen.
    Immer wieder interessant, welch unterschiedliche Bücher es gibt. HIER geht´s zu meinen Afrika-Büchern.
    GlG, monerl

    REPLY
    • 14. September 2018 at 9:50
      Sarah

      Hallo Monerl,
      danke für deine vielen Kommentare. Mir macht es auch immer total Spaß, bei allen Teilnehmern der Weltreise-Challenge zu stöbern. Man entdeckt so viele tolle neue Bücher und meine Liste wächst und wächst (wann soll ich das nur alles lesen?)
      Bei Fever bin ich auch noch gespannt. Habe gerade begonnen, es als Hörbuch zu hören. Wir hatten es mit auf unsere Liste aufgenommen weil mein Papa so begesitert davon war. Aber wie du sagst, jeder hat andere Erwartungen und Geschmäcker…
      Lesley Lokko fand ich früher immer toll. Auf deutsch gibt es gar nicht so viele Bücher von ihr wie auf englisch. Sie hat einen besonderen Schreibstil der oft über lange Passagen das Leben der Protagonistinnen beschreibt. Manchen ist das ein wenig langweilig. Ich fand es toll weil ich mich da so gut reinversetzen konnte…
      Schöne Grüße,
      Sarah

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